Monatsarchiv: Mai 2026

Briefe an die nahe Ferne ( 17 )

Ich schiebe mein Radl den steilen Berg hinauf, setze mich auf die Bank am Waldrand und schaue einfach so vor mich hin. Auf der Bundesstraße rasen die Autos hin und her und hinter mir pfeifen und trällern die Vögel im Wald. Hohe Gräser wiegen sich im warmen Wind und streifen dabei sacht über meine Beine. Ich denke an Geschichten, die ich alle schon mal erzählt habe hier bei der Graugans, zwischen Himmel und Erde. Jetzt muß ich entweder die alten nochmal erzählen oder neue sammeln oder erfinden. Mir ist, als wäre alles schon mal dagewesen und auserzählt.

Und mir ist, als gäbe es noch eine andere Ebene, als würden hinter den Geschichten weitere Geschichten darauf warten, erzählt zu werden aus einer anderen Dimension oder eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit, tiefer, höher wahrhaftiger noch  wie der Spiegel im Spiegel im Spiegel… es ist verwirrend aber es interessiert mich, die Spur aufzunehmen, egal, was dabei herauskommt. Sprache ist Leidenschaft, führen  Buchstaben ein Eigenleben, wenn man sie losläßt? Aber wie finde ich da hinein und hinaus und entstehen da lesbare Texte?  Wahrscheinlich ist das Beste, einfach weiter und weiter zu schreiben…

Am veredelten Rosenstock mit den tiefroten Blüten wächst ein Zweig süß duftend empor über und über voll mit dem hellen Rosarot der Wildrosen. Ich müsste ihn sofort ausreißen, aber ich bring es nicht übers Herz. Immer wieder mal bricht aus den gezüchteten Edelrosen die Wildnatur hervor, die immer in ihnen schlummert. Da ist in jeder Edelrose ein ewiger Drang, zurück zum Ursprung, zurück dorthin, wo sie herkommt und wonach ihr heimliches tiefstes Sehnen geht: zurück zur Wildnis, wohin sie gehörte, bevor sie von Menschenhand „kultiviert“ wurde, gezwungen, mehrmals zu blühen und schwere Blüten zu tragen .  Sie wartet geduldig ab, läßt sich hegen und pflegen, aber sobald die Veredlungsstelle ans Licht kommt, bildet sie sofort einen Schößling, dem man beim Wachsen zusehen kann.

Sie möchte nur einmal ganz kurz blühen, zart und rosarot und sich mit ihrem ganzen Wesen hingeben und im Duft verströmen, Werden, Aufblühen, Duften und Vergehen, um dann als Hagebutten Nahrung für die Vögel zu sein, die sie weiter und weiter verbreiten.

Ich lasse Ihren Zweig verblühen, bevor ich ihn entferne.

Liebe Grüße an die Kraulquappe!

MENSCHEN

Evakuation des Geistes

Der Geist im Raum.
Abgefackelte Stürme erglühen das Dunkel.
Der Geist brennt im Raum.
Magisches Licht strahlt aus.
Grüne Fenster des hellerleuchteten
Schnellzugs auf dem Viadukt.
Ich brenne selbst und leuchte mir
die Blinden empfinden die pure Elektrizität
meines Lichts, sehen den Schein nicht.
Doch alle beben wie ich
wie im Todesrausch.
Und wissen nicht, daß es das Beben
von Flügeln ist, die ausgreifen wollen
hochschlagen wie Goldfeuer in die Nacht.
Und verfluchen die Polizisten der Sonne
die nachtsüber wie
die Kleinbürger schlafen
und alle MENSCHEN schlafen nachts
und fühlen die magischen Offenbarungen nicht
die in mir aus mir strahlen.
Menschen sind Evakuationen  des Geistes.
Anomalien der Psychologie.

Srečko Kosovel
Integrale.
Klagenfurt: Drava 1999

Vielen Dank für den freundlichen Kontakt und die Druckerlaubnis
an den Übersetzer aus dem Slowenischen:
Erwin Köstler

Vielen Dank auch an die Lyrikzeitung u.a. für den Tagebuchsatz von Srečko  Kosovel:
„100 Jahre nach mir wird keine Rede mehr von mir sein“ …

Er wurde 22 Jahre alt.

gestern, am 26. Mai 2026 jährte sich sein Todestag zum hundertsten Mal.

Briefe an die nahe Ferne ( 16 )

Wenn man auf  der Autobahn München-Salzburg am Chiemsee vorbei gefahren ist, dann kommt eine Ausfahrt Richtung Prien und da geht es dann kurz vor dem Ort auf einer kleinen Straße den Hügel hinauf zum Ortsteil Urschalling. Da war mal im Mittelalter eine Burganlage, übriggeblieben davon ist eine kleine Kirche, St. Jakobus, der man von außen nicht ansieht, was sie im Inneren beherbergt.

Den Ort um die Kirche herum kann man einfach nur als schrecklich bezeichnen. Das ehemalige Wirtshaus führte ein deftig baierntümelndes Eigenleben, wurde aber geschlossen aus welchen Gründen auch immer. Sein jetziger Daseinszweck ist keineswegs besser, es wurde in Ferienwohnungen umgewandelt, zu denen auch die paar Parkplätze gehören. Es ist mir immer wieder unbegreiflich, mit wie wenig Achtung und Respekt man diesen sakralen Ort behandelt. Und immer wieder ist es wie ein Wunder, was man erlebt, wenn man die Kirchentüre aufmacht.

Das Herumsuchen, um irgendwann irgendwo einen Parkplatz zu finden, auf dem man tatsächlich auch parken darf, um dann in dieser merkwürdig ablehnenden Atmosphäre sich zur Kirche hin zu bewegen läßt mich jedesmal in düstere Stimmung verfallen.
Und dann mach ich die Türe auf und bin plötzlich wie in einer anderen Welt, in einer anderen Dimension..

Ich betrete ein romanisches, kleines Kirchlein mit Fresken und mir kommt es vor, als schwebte ich in einem Schiff auf dem Ozean des unendlichen Universums. Ein unerklärlicher Zustand einer genauso unerklärlichen Glückseligkeit, die still und staunend macht und sich wie ein warmer Hauch um mich legt und mich auch noch nach Verlassen der Kirche schützt vor den Übergriffen des Wahnsinns dieser Welt, die gleich nach der Türschwelle spürbar sind.

Berühmt wurde die Kirche wegen dem Fresko der Heiligen Dreifaltigkeit, in deren Mitte eine weiblich wirkende Gestalt des heiligen Geistes lächelnd ihre Augen direkt auf die Augen der Betrachtenden richtet. Man könnte sagen, diese Augen schauen uns in die Seele und dahinter. Das Fresko ist geheimnisvoll und läßt Fragen offen, für die es keine Antworten gibt. Dieses Bild ist bis nach Südamerika gewandert und hat den Befreiungstheologen Leonardo Boff im Vatikan nicht unbedingt beliebter gemacht durch die Aussage über die seiner Ansicht nach deutlich sichtbare Darstellung der männlichen und weiblichen Genitalien.

Pfingsten steht vor der Türe. Das Wunder des Heiligen Geistes ist nicht einfach zu erklären und meine Fragen ziehen anstelle von Antworten immer noch mehr Fragen hinter sich her.  Und dieses Fresko in einer kleinen völlig unbedeutenden Kirche hier ganz unten im Südosten der Republik am Nordrand der Alpen neben dem Chiemsee lockt ganz bestimmt keine touristischen Massen an, das wird schon vom Schloß auf Herrenchiemsee und sonstiger Fremdenverkehrsmagneten erledigt.

Aber für mich und vielleicht eine Handvoll Menschen, die genauso unverbesserlich forschend und Gott suchend unterwegs sind, führt der Blick in dieses freundlich lächelnde Gesicht zur  „Ruach“, einem weiblichen Geistwesen, ein warmer zärtlicher kleiner Wind, ein Atem des Göttlichen, ein leises Seufzen der Seele…

Frohe Pfingsten, möge uns alle die Heilige Geistin mit ihrem zärtlichen Atem umhüllen und unsere Seelen beflügeln!

 

Frohe Pfingsten, liebe Kraulquappe, und geistreiche Grüße aus der fernen Nähe!

Briefe an die nahe Ferne ( 15 )

Zwischen gesern und heute steh ich vor dem Haus mit der Laterne in der Hand und weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Um halb eins in der Nacht vor 16 Jahren ist mein Vater in seinen 85. Geburtstag hinein gestorben. Da, wo er jetzt ist, oder nicht ist oder doch oder irgendwas, da gibt es keinen Blick mehr auf eine alte Tochter, die sich auf die Hausbank setzt und friert und an einen Vater denkt, der so lange schon nicht mehr auf dieser Welt existiert. Aber ein Vater bleibt immer ein Vater, auch wenn es ihn nicht mehr gibt. Auch meine Mutter bleibt meine Mutter, obwohl ich lange schon ihr Geburts- und Sterbedatum vergessen habe.

Die Kälte kriecht mir über den Rücken. „Ein schneidiges Winderl geht da draußen“, tätest Du sagen, Papa. Ja, wir haben die kalte Sophie. Du hast immer gesagt: 15.5.25, am Tag der kalten Sophie, dieses Geburtsdatum kann man sich gut merken, gell, lauter Fünfer!
Ich sitz da und weine ein bisserl, was soll ich auch sonst tun mit der Vergeblichkeit.

Die Pfingstrosen sind noch nicht aufgeblüht, Papa, aber der uralte Rhabarber hat riesige Stangen.

Was bleibt von uns … bleibt überhaupt was? Heute in der Metzgerei wollten mir plötzlich die Tränen herunterlaufen, grad, während die sehr freundliche Verkäuferin die Kassler Ripperl heruntergehackt hat. Da hab ich Dich plötzlich gesehen beim Metzger, wie der Clint Eastwood, im Western, die Virginia im Mundwinkel, undenkbar heute, aber damals durftest Du das, die Frauen in den Geschäften haben das ganz selbstverständlich erlaubt und Dich in Deine klitzeblauen Augen hinein angehimmelt … wie in „Für eine Handvoll Dollar“, nur Dein Hut war nicht der eines Cowboys, sondern ein Trenkerhut.

Ich sollte immer sagen: mein Vater ist ein ganz einfacher Mann. Das wollte er so.

Aber geh, Papa, du konntest Schopenhauer und Nietzsche passagenweise zitieren, hast mir dringend geraten, „Die Brüder Karamasov“ zu lesen und mich gelehrt, die alten Meister zu sehen … komisch, ich kann mich nicht erinnern, daß wir mal über den rätselhaften „sechsten Finger“ an der Hand von Papst Sixtus auf dem Gemälde von Raffael mit der Sixtinischen Madonna gesprochen hätten und die Wolken, die doch eigentlich Engelsköpfe sind … wie gerne würde ich heute nach Dresden fahren und mit Dir vor unserem Lieblingsbild stehen und über die Zahlensymbolik sprechen. Bis jetzt konnte ich nicht hinfahren, weil ich mir das ohne Dich einfach nicht vorstellen kann.

Wir taten uns manchmal schwer miteinander. Wir sind extrem dünnhäutig, sagte mein Vater . Ja, und deshalb konnten wir uns auch sehr verletzen. Ich war nicht exakt die Summe seiner Teile, so wie er sich das gewünscht hätte. Wir haben die gegenseitigen Erwartungen nicht erfüllt und uns das nicht verziehen.

Man kann nichts daran ändern, daß Vieles nicht passt  und daß wir trotz großer Liebe immer wieder an allen Ecken und Enden aneinander scheitern. Eine Tochter kann ihrem Vater die Einsamkeit nicht wegmachen und ein Vater sollte nicht bremsen sondern anspornen. Aber wir  sind halt nur hungrige Menschen voller Sehnsucht und irren herum, dort, wo uns der Knobelbecher des Schicksals hingewürfelt hat.

Der Flieder ist schon bleich geworden, Papa, aber die Schneerosen blühen noch ganz heftig, wie alt werden sie wohl sein? So lange bist Du jetzt schon tot. In der Zwischenzeit bin ich alt geworden.

Was ist geblieben von Dir in mir? Das lebenslange Gefühl, nie irgendwo so richtig dazuzugehören, immer ein wenig fremd zu bleiben, eine leise Melancholie, die neben mir hergeht und nebenan sitzenbleibt, auch wenn man sich vor Lachen den Bauch hält.
Deine Einsamkeit habe ich erst richtig verstanden nach Deinem Tod.

Wo bist Du? Wo seid Ihr, die Ihr vorausgegangen seid? Seid Ihr ein Wispern im Wind, ein leises Rascheln in den Apfelbaumzweigen … ein Ton im Ruf der Eule?

Das Vogelhäusel, das Du aus einer gußeisernen Pfanne gemacht hast, hängt immer noch am Nußbaum, Papa, und wie eh und je sitzen die Vögel drin und schlagen sich die Bäuche voll.

Ich sitze da und beweine die Vergeblichkeit.
Die Kerze brennt immer noch.
Du hast Recht, Papa, es weht ein saukalter Wind, heut an der kalten Sophie, und der Wetterbericht redet immer noch von Schnee im Bergland. Aber  auch wenn die Pfingstrosen sich Zeit lassen, bis Pfingsten sind sie bestimmt aufgeblüht.

Ich würde Dich so gerne spielen hören auf der Zugharmonie, Papa.

 

Ich grüß Dich herzlich, liebe Kraulquappe

Briefe an die nahe Ferne (14 )

Es hat endlich geregnet, viel zu wenig, der Boden ist noch immer bedenklich ausgetrocknet. Aber alles, was wachsen kann ist in den paar Tagen, fast verdurstet, den rettenden Tropfen entgegengewachsen und ganz schnell aufgeschossen. Das Gras steht kerzengerade da, der Löwenzahn reckt sich empor, aber es kommt nichts mehr, die Sonne scheint wieder gnadenlos und die letzten Tropfen sind schon wieder verdunstet, sozusagen im Herniederfallen.

Das Leben geht so dahin, der Frühling ist angeblich ein lang ersehnter Aufbruch, aber von woher nach wohin? Der Winter war angeblich lang, ich habe das gar nicht so empfunden. Wir mußten nur zweimal Schneeräumen und es war auch nie so richtig bitterkalt. Die Jahreszeiten kommen und gehen und bevor man halbwegs in ihnen angekommen ist, hat sich der Kreis längst weitergedreht. Ein paar Kilometer weiter brennt seit Tagen der Wald auf einer Bergkuppe und konnte bis jetzt nicht gelöscht werden.

Heute, am 8. Mai ist ein Jahrstag, den niemand so richtig wahrnimmt, ich auch nicht. Lutz
hat auf seinem Blog darüber geschrieben, vielen Dank dafür!

Der Tag der Befreiung vom Naziregime, am 8. Mai 1945.  60 – 70 Millionen tote Mensche hat dieser Krieg auf der ganzen Welt hinterlassen. Sich die Zahlen anzusehen ist kaum auszuhalten. Und wenn ich die Parolen höre,  die auch heute immer noch und immer wieder auf den Straßen geplärrt werden, dann kriecht mir die nackte Angst über den Rücken.

In den Nistkästen wird eifrig gebrütet, man füttert sich gegenseitig, der Vogel, der grad Brütdienst hat, wird vom anderen mit Nahrung versorgt, um bei Kräften zu bleiben. Zwischendurch ruft der Kuckuck. Ob es noch Kinder gibt, die  seine Rufe zählen? Wir haben sie  gezählt und in noch verbleibende Lebensjahre übersetzt und viel gelacht dabei, weil wir überhaupt noch kein Gefühl dafür hatten, wie schnell das Leben vorbeifliegt und wir mit ihm.

Ich durfte im Marienmonat fast täglich bei unserer damals jungen Nachbarin im weißen, immer frisch gewaschenen und polierten VW – Käfer mitfahren in die abendliche Maiandacht im Kirchdorf. Da wurden diese magischen Marienlieder gesungen, die ich heute noch liebe:

„Meerstern ich dich grüße, oh Maria hilf … Gottesmutter süße, o Maria hilf.
Maria hilf uns allen, aus unsrer bitt’ren Not.“

„Maria breit den Mantel aus,
mach Schutz und Schirm für uns daraus“

Wie naiv, sagen Manche. Ich sage, es gibt immer wieder Situationen im Leben, da ist es ein Trost, zur Himmelsmutter hinaufzusingen, und sich in den Falten ihres großen Mantels zu verkriechen.

Liebe Kraulquappe, ich grüß Dich herzlich aus der fernen Nähe!

 

Briefe an die nahe Ferne ( 13 )

Vor Jahren ist einer aus dem Sauerland  ins südöstlichste Eck der Republik gefahren. Mit ihm wurde viel Holz geliefert und mit dem, was er so brauchte und  zwei mächtigen Boxen bezog er den Dachboden einer Scheune hier in einem kleinen Marktflecken im Berchtesgadener Land. Hier hat er die letzten zwölf Jahre in einem winzigen Dachkammerl gehaust und ein Wikingerschiff gebaut. Er wollte das originale Gokstadschiff nachbauen. Das ist ca 23 Meter lang, aber in die Scheune passten nur 20 Meter, also hat er maßstabsgetreu ein Schiff mit 20 Metern gebaut. Er ist kein Zimmermann und schon gar kein Schiffsbauer, er hat immer wieder irgendwo irgendwas gearbeitet, aber wie er das viele Geld aufgebracht hat und von was er die Schulden abbezahlt, steht in den Sternen. Er wollte sich einen Herzenswunsch erfüllen und einen großen Traum Wirklichkeit werden lassen und hat sich keinen Millimeter davon abbringen lassen, auch nicht von diversen Rückschlägen.
Ob er sehr beliebt war im Ort möchte ich bezweifeln, allein schon die Lautstärke seiner Musik praktisch Tag und Nacht und sein Kampf um dieses irrsinnige Projekt, bei dem er ja oft Hilfe brauchte, die er sicher nicht bezahlen konnte und überhaupt alles, was dazugehört, um etwas eigentlich total unmögliches zu erschaffen, und sein mitgebrachtes Naturell haben ihm wohl nicht nur Freunde gemacht. Aber jetzt vor ein paar Tagen kamen alle und schauten zu, wie das Schiff vom Parkplatz, auf dem es zwischengelagert war nach Fertigstellung, auf einen Schwertransporter verladen wurde.
Die Spezialfirma für Schiffstransporte kam aus Norddeutschland und der Fahrer manövrierte unglaublich professionell das Wikingerschiff ums Eck herum und dann das enge Tal hinauf zur Autobahn. Wir sind auch dagestanden und haben es bewundert, dieses wunderschöne nachgebaute Gokstadschiff und haben uns so gefreut, daß es am nächsten Morgen in Pula am Hafen liegen würde und dann … endlich … ins Meer gleiten darf.
Wir sind ihm noch bis zum Grenzübergang nach Österreich auf der Autobahn gefolgt, haben gewunken und uns gewünscht, daß alles gut läuft und das Ergebnis eines Lebenstraums dicht bleibt und nicht absäuft. Du wunderbarer Wikinger, Spinner, Träumer, Denker, Konstruierer, selbst erschaffener Schiffsbauer ahoj und viel viel Glück bei allem, was jetzt kommt.

Ein merkwürdiges Nebeneinander zweier Geschichten, die total unterschiedlich und doch fast gleichzeitig passiert sind: Als die Kraulquappe auf dem großen Wasser der Asche ihres Papas hinterher schaute, da machte sich hier grad einer auch auf den Weg zum Meer, um seinen großen Traum dorthin zu bringen, wo er mit geblähten Segeln mit dem Wind auf dem Wasser tanzt, der Sonne folgend.

Letzte Nacht war Walpurgis, leider ist unser alter Reisigbesen nicht mehr flugtauglich, also bin ich daheim geblieben, sollen doch jetzt die jungen Hexlein fliegen, wohin sie wollen, ich bleib am Feuer sitzen, rühre im Kessel, über mir der Vollmond und wir singen zusammen die Lieblingslieder meiner Kinderzeit!

Grüß Gott, du schöner Maien,
da bist du wiedrum hier,
tust Jung und Alt erfreuen,
mit deiner Blumenzier.
Die lieben Vöglein alle,
sie singen all so hell,
Frau Nachtigall mit Schalle
hat die fürnehmste Stell.

Die kalten Wind verstummen,
der Himmel ist gar blau;
die lieben Bienlein summen
daher auf grüner Au.
O holde Lust im Maien,
da alles neu erblüht,
du kannst mir sehr erfreuen
mein Herz und mein Gemüt.

Liebe Kraulquappe, einen Enzian auf Deinen Papa, meinen Papa, den Wikinger, auf uns, die Berge und das große große Meer! Ich grüß Dich aus der fernen Nähe und aus dem Herz!