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Anders Petersen

Im Stadtmuseum in München ist gerade eine Retrospektive der Arbeiten von Anders Petersen zu sehen, einem der wirklich und wahrhaftig Großen der zeitgenössischen Fotografie. Nachdem es wochenlang geregnet hat, tat sich am Pfingstsonntag für ein paar Stunden der Himmel auf und die Sonne kam, genau zu dieser Zeit waren wir in der Ausstellung, aber es hat sich gelohnt. Die Wahrhaftigkeit dieser Bilder, dieser Blick, schonungslos in die Wunde gerichtet, das rohe Fleisch zeigend, da gibt es keine Masken mehr und keine Ausreden, das, was ist, ist wirklich so. Ungebremst kam ungefilterte Wahrheit auf mich zu, drang in mich ein bis in den hintersten Seelengrund und die Konfrontation mit fremden Bildern war längst mit den eigenen inneren Gesichtern verschmolzen.
Der schmerzenden Wahrhaftigkeit dieser Bilder entströmt eine behutsame Zartheit, eine mitfühlende Liebe…
Eine unglaublich intensive Ausstellung, der Künstler spiegelt sich in der Welt und die Welt spiegelt mich mir zurück…ein wirkliches Erlebnis.
Ein paar Worte von Anders Petersen hängen an der Wand:
Er sagt, daß er für gute Fotografien, also für die richtige Distanz mit einem Fuß im Thema und mit dem anderen draussen stehen muß – sein Problem sei aber, daß er immer mit beiden Füssen drinsteht…ja, das Gefühl hatte ich beim Anschauen seiner Bilder auch!
Und was mir noch sehr durch den Kopf geht, ist , daß seiner Meinung nach ein Bildnis nicht nur den anderen, sondern möglichst einen selbst darstellen sollte, seine Arbeiten wären also Selbstbildnisse…er findet das sehr interessant, ja, ich auch, denn in der Betrachtung entsteht ja dann für mich aus seinem Selbstbild mein eigenes, ich sehe mich in ihm…oder so ähnlich, nicht wahr?
Aber ich möchte da nicht noch mehr Worte drumherum machen, die Fotos können nur durch Ansehen zur Offenbarung werden. Die Ausstellung läuft bis Ende Juni.

www.muenchner-stadtmuseum.de

www.anderspetersen.se