24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 6: Andreas Zahlaus

Mutmaßungen über meine Mutter, die ich so nicht erfüllen kann,
denn dazu gehört mein Vater.
Nur in der Beziehung zu ihm, ist es mir möglich, sie zu begreifen – nicht dass sie keine selbstständige Persönlichkeit gewesen wäre, nein, das nun wirklich nicht – die Liebe zwischen beiden war aber ausschlaggebend für ihren Umgang mit mir und meinem Bruder.

Ein Gefühl von Geborgensein, in einer uns nicht immer freundlichen Umgebung, absolute Freiheit – die nicht grenzenlos sein durfte und eine unendliche Liebe zu uns, den Kindern. Das war beider Umgang mit uns, bis zu ihrem Tod.
Das ist mein Gefühl für meine Eltern.

Meinen Vater habe ich irrsinnig geliebt, alles an ihm, sein „Auftreten“, seinen Gang, seinen Geruch…..der ist wieder da, jetzt, im Augenblick wenn ich diesen Text schreibe… und vor allen seinen Stolz, sein Rückgrat!
Und da kommt meine Mutter „ins Spiel“ – eine zarte, schöne Person, die etwas Unsicheres, Angenehmes aber, an sich hatte, bis zu ihrem Tod und ich begreife, dass alles, was sie uns gab, mit Liebe verbunden war.
Meine Mutter kam mit ihren Eltern Anfang der dreissiger Jahre nach Deutschland, da war sie zehn. Essen war die Stadt, in der sie deutsch lernte, zur Schule ging … die Zeit ihrer Jugend, die mit dem zweiten Weltkrieg ein abruptes Ende fand. Das Ruhrgebiet, als wichtiger Industriestandort, wurde das Angriffsziel von großflächiger Bombadierung anglo-amerikanischer Kampfeinheiten. Die riesige Angst im Luftschutzkeller, dies fast täglich,
das brennende Haus, das über einem zusammenstürzt, verschüttet zu sein, vielleicht nicht gefunden zu werden….

Das hat sie geprägt, wie dieser Krieg eine ganze Generation für immer geprägt hat. Ihre Familie wurde nach Zwickau evakuiert, dort hat sie meinen Vater kennengelernt, geheiratet, zwei Söhne geboren. Gewohnt haben wir in der Villa meiner Großmutter.

Während mein Vater in allen möglichen und unmöglichen Berufen versuchte, Geld zu verdienen, was mit der Übernahme einer Briefmarkenhandlung mehr schlecht als recht dann gelang, bekam ich von all dem nichts mit. Meine Mutter schaffte es immer, mir Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, leider waren meine Großmütter, die mich über alles liebten … auch ich war begeistert von beiden – eine wahre Plage für sie. Und das, solange beide lebten – einundzwanzig Jahre die eine, vierundzwanzig Jahre die andere Großmutter. Die eine ein täglicher Pflegefall – ich kenne sie fast nur im Bett – eine gesunde Frau, die mit allen möglichen Schwächen ihre Umwelt tyrannisierte, die andere war der Meinung, dass eine Ungarin nicht für ihren erstgeborenen Sohn gut genug ist.
Meine Mutter hat oft geweint. Ich habe getröstet. Mein Vater hatte zornige Auseinandersetzungen mit den Großmüttern.
Bis zum Bau der Mauer waren wir fast jedes Jahr in Innsbruck, München, Essen, Amsterdam – Freunde meines Vaters, meiner Mutter und Familie besuchen. Einige Momente mit meiner Mutter sind bei mir in Erinnerung geblieben aus dieser Zeit. Das Treffen mit ihrer Schulfreundin Irmgard in Essen. Unheimliche, nicht endende Freude bei beiden Frauen und die absolute  Beherrschtheit und Ruhe meiner Mutter, als wir am 12. August im Zug nach Stralsund in den Urlaub wollten, mein Vater in Schönefeld mit anderen Männern aus den Zug geholt und verhaftet wurde. Am 13. stand die Mauer.

Es gab nie Ärger oder eine Bevormundung von meinen Eltern, was die Wahl meines Studiums betraf – gut, mein Vater erklärte mir sehr lustig den Ernst der Lage, als Künstler zu leben, aber das war es schon und die Freude über die endlich bestandene Aufnahmeprüfung war bei beiden groß. Viele Jahre später, ich habe schon als freischaffender Maler und Bildhauer gearbeitet und kam zu Besuch, erzählte meine Mutter von der Nachbarin, die wissen wollte, ob ich  das Studium an der Kunsthochschule abgeschlossen hätte und ob man damit Geld verdienen kann…
„Ich habe ja gesagt, natürlich, und musste lügen … stimmt doch Andi, oder?“

Maria Erzsèbet Zahlaus, geborene Horvàth, geboren in Budapest am 17. Januar 1922 , gestorben in Zwickau am 7. Januar 2006.

Text:  Andreas Zahlaus

24T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 5: Kraulquappe

 

Vor drei Jahren brach ich mir in Südtirol, am Fuße der Drei Zinnen, den kleinen Finger der rechten Hand.
Es tat zunächst kaum weh, weshalb ich den Finger erst Monate später, als er mir arg schief vorkam, von einem Arzt begutachten ließ, der mir dann nur noch dazu raten konnte, den krummen Finger einfach krumm zu lassen, sofern er nicht dauerhaft schmerzen würde oder in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschränkt wäre.

Beides schien mir nicht zuzutreffen und so lebe ich seither mit einem kleinen Finger, der mich nicht weiter beeinträchtigt, ein bisschen hexenhaft verbogen ist und damit gut zu meiner Nase passt.

Heuer, im Herbsturlaub in Badgastein, setzte ich mich in einem abgelegenen Raum des Hotels, in dem wir wohnten, an ein altes, ausgeleiertes Klavier. Jahrelang hatte ich kein Klavier mehr angerührt, weil aber die Tür zu dem Raum schallisoliert war, riskierte ich es und versuchte mich an einem Bach-Präludium, zu dem mir die Noten noch einigermaßen im Gedächtnis waren.

Beim Spielen fiel mir plötzlich auf, dass der kleine Finger meiner rechten Hand nicht in die Höhe schnellte, so wie er es früher immer bei bestimmten Tonabfolgen getan hatte.
Das nach dem Bruch schief zusammengewachsene und nun verknorpelte Gelenk verhinderte offenbar, dass er nach oben ausscheren konnte.
In dem Moment, als ich das bemerkte, unterbrach ich mein Klavierspiel und musste an die Mutter denken. Und dass sie jetzt vielleicht endlich zufrieden wäre mit mir.

*****

Als ich die Mutter zum letzten Mal in einer Verfassung traf, in der wir beide noch gesund, gesprächsfähig und gewillt waren, es mal wieder miteinander zu probieren, hatte ich sie auf ihr Drängen hin erstmals zu mir nachhause eingeladen.
Wir hatten einander etliche Jahre nicht mehr gesehen und es kostete mich einige Überwindung, ihr Zutritt zu meiner Wohnung zu gewähren, da ich lange dafür gebraucht hatte, mir – nicht nur äußerlich – einen eigenen Raum zu schaffen.

Es war ein eisiger Winterabend, an dem sie mich besuchte. Sie betrat meine Wohnung, legte ihren Mantel ab, sah sich flüchtig um, äußerte ihr Befremden darüber, wie ich mich eingerichtet hatte und kam dann zu mir in die Küche, wo ich damit beschäftigt war, uns ein Abendessen zuzubereiten. Sie guckte auf den Herd, an dem ich stand, trat neben mich, riss mir kopfschüttelnd den Schneebesen aus der Hand, schlug damit schnell durch die Sauce und sagte: „Ja kannst du das denn immer noch nicht? Du musst das ganz locker machen, schau, so geht das: aus dem Handgelenk heraus, ganz locker, das habe ich dir doch schon so oft gezeigt!“.

Zehn Jahre Distanz lösten sich in nur zehn Sekunden Saucenrühren auf: nichts hatte sich daran geändert, dass nur sie allein wusste, wie es geht und ebenso wusste, dass ich es – was für ein Jammer! – immer noch nicht kapiert hatte.
Kaum, dass ihr Besuch überhaupt begonnen hatte, stand dessen Fazit auch schon fest: Wie gut, dass sie gekommen war.

Nach einem von der üblichen schwer verdaulichen Unterhaltung begleiteten Essen, an dem der Mutter so gut wie nichts schmeckte außer „ihrer“ Sauce, wollte sie sich unbedingt den Rest meiner Wohnung anschauen.
Als sie in einer Nische das E-Piano entdeckte, verlangte sie, dass ich ihr etwas darauf vorspielen solle. Ich hatte keine Lust dazu, wollte sie nicht hinter mir stehend spüren, während ich auf der Beethovenbank säße und in die Tasten griffe – diese Situation war mir schon als Kind zuwider.
Sie aber insistierte so lange, bis ich schließlich nachgab. Ich öffnete den Deckel des Instruments, schaltete es ein, ließ mich auf der Bank nieder, schlug Bachs „Das Wohltemperierte Klavier“ auf und begann, das erste Präludium zu spielen.

Hinter mir die Mutter, vom ersten Takt an falsch mitsummend, mir alsbald ein gnädiges „Na, das geht ja noch!“ in den Nacken schleudernd.
Dann begann sie zu kichern. Es war ihr künstliches Kichern, jenes, bei dem man sofort wusste, dass es eigentlich nichts zu lachen gab, sondern ihm ein Vorwurf, Spott oder Kritik folgen würde.
„Mei, das gibt’s ja nicht“, rief sie kichernd, und fuhr fort: „Dein rechter kleiner Finger hüpft ja immer noch in die Höhe, wie früher! Den konntest du noch nie ruhig auf den Tasten lassen, das lernst du wohl nimmer?“.

Abrupt beendete ich mein Vorspiel, sprang auf, knallte den Deckel des Pianos zu und bald darauf auch die Wohnungstür.

Ich hatte die Mutter hinausgeworfen in die kalte Winternacht, und wenn ich es im Rückblick bedenke, waren all unsere Begegnungen – die wenigen, die es überhaupt noch gab, seit ich sie verletzt und verzweifelt im Alter von 17 verlassen hatte – auf die eine oder andere Weise diesem Muster gefolgt.

*****

Die Mutter war der einzige Mensch in meinem Leben, den ich mehrmals verlassen und hinausgeworfen habe.
Heute glaube ich, das lag daran, dass es umgekehrt ähnlich war. Denn kaum hatte sie mich hinausgeworfen in die Welt, verließ sie mich auch schon. Nicht physisch, sondern emotional. Die kleine Tochter war der Grund für ihr verhindertes Leben und ihre verpassten Chancen, der Klotz an ihrem Bein, das lästige Bindeglied zwischen ihr und dem Mann, der ihr das Leben versaut hatte und mein Vater ist.
Zweimal unternahm sie einen Fluchtversuch, um ihr Glück anderswo zu suchen. Beide Male kehrte sie zu uns zurück, wurde danach noch unglücklicher und flüchtete sich in einen Kosmos, der weitgehend aus Krankheiten bestand.

Als sie vor knapp sechs Jahren starb und ich ein halbes Jahr nach ihrem Tod den Karton öffnete, der mir nach der Auflösung ihrer Wohnung zugeschickt wurde, fand ich darin als ihren „Nachlass“ hauptsächlich Kalender und Fotos.
Ich saß auf dem Boden, neben mir eine Flasche Wein, und blätterte eine Nacht lang durch ein Dutzend billiger Plastikeinsteckalben. Aus den Bildern blickte mich eine Frau an, die mir fremd war und die sich in Posen warf, die aufgesetzt wirkten, aber wahrscheinlich nötig waren, damit sie sich wenigstens für den Augenblick, in dem die Aufnahme entstand, wie eine andere fühlen konnte. Nämlich als die, die sie dachte sein zu können oder vielleicht sogar gewesen wäre, wenn sie nicht meinen Vater, mich und all ihre Krankheiten am Hals gehabt hätte.

Meine Mutter war ein Flüchtlingskind und blieb es ihr Leben lang.
Sie kam nie irgendwo an, wo sie sich wohl und heimisch fühlte. Sie blieb immer das Kind, für das vor lauter Armut und Existenzängsten niemand Zeit hatte, auch dann, als sie längst im Wohlstand lebte.
Sie war in einem Nachkriegsdrama aufgewachsen, in dem sie eine Statistenrolle zu spielen hatte, die niemand sah und würdigte. Und so wurde sie später selbst zum Drama.

In ihrer Mimik brach fast täglich die ganze Welt zusammen, in ihren Worten ebenso. Alle und alles waren zu grausam und zu ungerecht zu ihr, der Fragilen.
Stummes Drama war ihre Alltagsspezialität, lautes Drama hob sie sich für besondere Anlässe auf.
Die Peripetie war die ewig gleiche: ein Geschehen, das sich rasch zusammengebraut hatte, schlug auf seinem Höhepunkt um und führte geradewegs ins Unglück. Das retardierende Moment, eigentlich fester Bestandteil eines jeden Dramas, übersprang sie stets – was die Dramatik zuspitzte, weil dadurch alles noch schneller auf die Katastrophe zuraste.

Es waren ihr Opfergebaren und ihr Hang zum Drama, die mich meine ganze Kindheit hindurch verfolgten und vor denen ich, sobald ich es wagen konnte, alleine loszulaufen, flüchtete.

Ihr Leben lang starb die Mutter ihrem Ende entgegen, das konsequenterweise ein dramatisches, vor allem aber ein todtrauriges war.
Ihr, der immer Flüchtigen, war es gelungen, dass alle von ihr geflohen waren und sie am Schluss einsam und elend einschlief.

*****

Heute, am 5. Dezember, wäre meine Mutter 77 geworden.
Die Hand mit dem gebrochenen kleinen Finger winkt ihr zu – in der Hoffnung, dass sie nach ihrem Tod die Heimat gefunden haben möge, der sie ihr Leben lang vergeblich nachgejagt hatte.

Text und Bilder: Kraulquappe

24T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 4: Bludgeon

Deine Mutter!

Es gibt zwei Arten von Müttern: Diejenigen, denen unverheiratet in einer heißen Phase ein Missgeschick passiert, dessen Konsequenzen sie dann für mindestens 18 Jahre an der Backe haben und diejenigen, die heiraten, schwanger werden und Stufe für Stufe geordnet den Werdegang einer Frau durchlaufen.

Udos Mutter gehörten in die erste und meine eigene in die zweite Kategorie. Zwei Kinderschicksale, die unterschiedlicher nicht sein konnten, die aber aufs engste mit einander verbandelt wurden, waren die Folge.

Udos Vater war ein Doppelgänger von Richard Chamberlain. Sowas liegen irgendwie alle Frauen zu Füßen. Als die „Dornenvögel“ Mode wurden, sah ich Mutter, Schwiegermutter und Frau – vergehen! Unfassbar!

Udos Vater hatte ein heißes Studentenleben und in diesem mit 3 Gespielinnen 3 Kinder erzeugt. Zwei davon gleichzeitig im „heißen“ Sommer 1960. Sein Vater war ein großer alter Grobian, ein rasierter Bud Spencer. Seine Mutter war, als ich sie kennenlernte, eine verhutzelte Bilderbuch-Hexe am Krückstock. Woher die Chamberlein-Aura stammte war ein Rätsel. Chamberlein erhielt jedenfalls ende 1960 das Machtwort seines Vaters in Anbetracht zweier parallel laufender Schwangerschaften: „Die eine wird geheiratet! Für den andern Balg werd ich zahlen, biste was bist! Wähle!“ Kommando-Ehe. Chamberlein wählte Udos Mutter – aber die erotische Anziehungsphase war schnell dahin. Übrig blieb ein enormer Intellektunterschied zwischen einem angehenden EOS-Lehrer und einer 8klassen Schülerin, die es mit Müh und Not zur Rathaus-Tipse gebracht hatte und die nach dem zweiten Kind dann ganz zu Hause blieb, weil das zweite recht kränkelte. Beide Eheleute beklagten ihr Schicksal, dass ihnen dieses erste Kind passiert war. Udo fehlte es entschieden an Nestwärme. Er wurde gegängelt tagein, tagaus und als seine Mutter schließlich spitz bekam, dass er fast täglich zu Findeisens verschwand und von dort keine Beschwerden kamen, ging sie sogar dazu über, Udo zu zwingen: „Du darfst nur zu Anselm, wennde dein‘ Bruder mitnimmst!“ So tauchte er ab da meistens mit seinem 2 Jahre jüngeren Bruder im Schlepptau auf, den er nicht leiden konnte, weil der als „Wunschkind“ für den Neustart der Ehe deutlich mehr (wenn auch nicht viel) Zuwendung erhielt als Udo – „der Schuldige an dieser Ehe“!

„Wenn’s dich nich‘ gäbe, hätch DEN nich heiraten müssen!“ keifte sie in ihrem Dauerwutmodus in Abwesenheit ihres Holden des öfteren. Frauenlogik. Als ich zum ersten Mal im Kindergartenalter diesen seltsamen Standpunkt vernahm und ihn beim Abendbrotstisch meinen Eltern erzählte, reagierten sie seltsam unterschiedlich: Vater seufzte „Oje.“, sah mich an, machte diese Handbewegung des Fliegenfangens vor der eigenen Stirn. Mutter diplomatischer „Ach was! Da hast du dich verhört!“ Erzieherischer Blick zu Vater mit unterstreichendem Kopfschütteln: Die Wahrheit verkraftet so ein Kindergemüt nicht! Der geht glatt wieder hin und erklärt Udos Mutti, dass se bekloppt is‘!

Aber von Stund an wurde Udo nicht mehr weggeschickt, wenn es gerade mal nicht passte, weil wir einen Familienausflug vorhatten oder in die Stadt zum Eis-Essen gehen wollten, sondern mitgenommen.

In den frühen 60ern erlebte auch die DDR ihr kleines Wirtschaftswunder. Bescheidener Wohlstand wurde möglich. Mutti kaufte einen Blumentisch, der aus einem Oval bestand, das auf der Platte mit schwarz-goldenen Glasscherben mosaikartig belegt war und auf 3 dünnen Messingstelzen stand. Eine äußerst wacklige ca 30 oder 40 cm hohe Angelegenheit; gut genug, um eine Bodenvase mit Trockenblumen darauf zu drapieren. Um 1966 der letzte Schrei!

Das Ding stand im Wohnzimmer gleich neben der Tür und Vater riss es beim Eintritt mit dem Hausschuh aneckend gleich versehentlich um. Poing. „Himmel Arsch und Zwirn! Muss das Scheißding hier stehen?!“ Der Blumenständer war somit getauft. Aber robust, wie das Ensemble schien, konnte es -aufgehoben- weiter seinen dekorativen Zweck erfüllen. Wer das zweite Mal dranstieß, weiß ich nicht mehr. Es wurde wieder aufgerichtet und fertig. Zum dritten Mal – war es Udo, der Pechvogel.

Wir spielten mit Schwungradautos auf dem Teppich und er ließ meine Feuerwehr karacho gegen das eine Blumenständerbein knallen. Es hatte ein „An den Baum fahren“ werden sollen. Aber der „Baum“ gab nach, knickte aus dem Oval obendrüber heraus, die Vase kam, zerbarst in 3 oder 4 Teile und die Halme, die ihren Inhalt darstellten, lagen zwischen den Trümmern. Blumenständer kaputt. Bodenvase kaputt – und davor hockte ein geschockter, versteinerter Udo und starrte auf die Scherben, die Feuerwehr noch in der Hand.

„Jetz‘ isses passiert“, entfuhr es mir. Und zu Mutti in die Küche laufend rief ich bereits „Mutti! Udo hat das Scheißding umgerissen. Jetz‘ isses kaputt!“ Muttern kam, sah den Schaden. Und ihre Worte waren: „Ja nu musses in‘ Müll. Die Vase kleb ich wieder. Spielt weiter. Ich mach das weg.“

Udo erwachte aus seiner Erstarrung, hob den Kopf und starrte meine Mutter an, dann stammelte er ein weinerliches: „Ich hab’s nicht mit Absicht gemacht.“

„Weiß ich. Das war eben wirklich ein Scheißding. Ich hätt’s nicht kaufen soll‘n.“ Dazu noch so ein Troststreichler über den Hinterkopf, fertig war die Madonnenerscheinung!

Er guckte zu mir und in einer Mischung aus Neid, Hochachtung und Erleichterung entrang sich ihm ein: „Deine Mutter!“

Als diese Floskel vor ein paar Jahren Schimpfwort wurde, verstand ich zum ersten Mal die Welt nicht mehr.

Text: Bludgeon

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 3: Ulli Gau

Mutter, Mutter, wie weit darf ich in deinen Schatten reisen, den du warfst?

Zum Fürchten – dein unberechenbarer Stachel. Zum Lieben – dein Walzertanz. Zum Verwundern – so Vieles. Und so viele Wunden.

Deine Geschichten, die du immer anders erzähltest, was erzählen sie im Dazwischen?

Immer gibt es ein Vermissen, ein unbestimmtes Sehnen, einen Tauchgang hinab ins Jenseits aller Begierde, wo der Mond und der Himmel grünen. Die Mutter kannte das nicht, ihr Alp färbte die Welt in grelles Schwarzweiß und nichts dazwischen. Vielleicht hätte es der Vater gewusst, aber er schweigt, wie er immer geschwiegen hat – aus seinem Grab hinauf.

Eine verletzte Frau, ein Trauma hinter schöner Stirn, Gefangenschaften, manche kann ich nur erahnen. Mutter, die Frau mit den Wechseltemperaturen von kalt bis heiß, lauwarm der Durchschnitt. So viele Verluste! Deine Gewinne rechneten sich am Ende nicht.

Müde, nylonbestrumpfte Füße rieben am Abend Wärme in die zerquetschten Zehen. Mondänität, Milupafläschchen, Fertigknödel, Etuikleider und Pfennigabsätze, dazwischen ein strafender Gott. Am Ende standen halbherzige Versöhnungen.

Das Unaussprechliche fand keine Worte, in kein Ohr und auf kein Papier. Mutter, so fern – in ein Stachelkleid gehüllt. Flucht, Krieg und Bombenhagel, dann kleine Fluchten und Größenwahn. Das belastete Herz fand kein Ventil.

Mutter, du Frau hinter den Nebeln, tanze, dann bist du schön.

 

Text und Bild: Ulli Gau

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 2: Andreas Wolf

Die linkshändige Frau

Meine Mutter war immer fremd in der Welt. Als Spanierin zur Welt zu kommen in Jena, im Mai 1939, den Namen „Maria del Pilar Gómez de Ortega“ durch die Welt zu tragen im Nazideutschland, eine Kindheit komplett im Krieg, wer kann sich das schon vorstellen? Ihre erste Erinnerung, so erzählte sie immer, war das Bild der brennenden Stadt Jena. Überstürzt waren sie beim Aufheulen des Luftalarms in den Keller gerannt, die ganze Familie, meine fünfjährige Mutter in Strumpfsocken, Stunden müssen sie da so gesessen haben, während über ihnen die Stadt in Flammen aufging. Und meine Mutter nervte dann alle so mit ihrem Wunsch, nach oben in die Wohnung kurz zu huschen, nur um sich schnell Schuhe anzuziehen, dass ihr Vater schließlich nachgab, und noch vor der offiziellen Entwarnung mit ihr nach oben ging. Was sie dort sah, sollte sich ihr fürs Leben einprägen: Die Fenster der Wohnung geborsten, zersplittert, die Scherben waren überall, auch im Milchreis, den die Mutter kurz vor dem Luftangriff noch zubereitet hatte. Und draußen die brennende Stadt. Unfassbare Minuten im Leben eines Kindes. Dass der Vater den Milchreis zum Müll schmiss, war ihr unverständlich, ob man die Scherben da nicht mit der Hand schnell rauspicken könnte, und den Rest dann noch verspeisen? Verständlicherweise blieb der Vater hart. Ihr Leben lang war meine Mutter eine, die kein Essen wegschmeißen konnte.

Aber auch in der eigenen Familie blieb sie irgendwie fremd. In Jena ging meine Mutter auf so eine Reformschule, wo man die Linkshänder einfach Linkshänder sein ließ. Als die Familie aus Angst vorm Kommunismus dann 1949 nach West-Berlin flüchtete, wurde meine mittlerweile zehnjährige Mutter plötzlich von der Schule gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben, das muss furchtbar gewesen sein. Den Stift hielt sie auch später in der rechten Hand, so gründlich war die Umerziehung vonstatten gegangen. Aber während alle in der Familie Bücher lasen wie die Verrückten, war meiner Mutter alles Schriftliche verhasst. So verspotteten sie ihre Geschwister, man habe sie als Säugling auf der Straße aufgelesen, sie sei gar nicht wirklich verwandt mit den anderen. Dass ihre Ablehnung der Schriftwelt von der Traumatisierung durch die zwangsweise erfolgte Umerziehung der Schreibhand herrühren könnte, auf den Gedanken kam niemand, auch sie selber nicht. Als ich ihr diese Theorie einmal präsentierte, war sie ganz überrascht.

Meiner Mutter lag das Praktische näher als die graue Theorie, sie wollte lieber Dinge machen, anstatt lang drüber zu reden oder schlaue Bücher zu lesen. Folgerichtig brach sie nach der zwölften Klasse das Gymnasium ab und machte eine Ausbildung zur Krankenschwester. Den Eltern war das nicht recht, die waren beide Akademiker, was damals noch unüblich war, dass auch meine Großmutter einen Hochschulabschluss hatte, aber meine Mutter setzte sich durch, sie hatte die Schnauze von der Schulbank voll. So war sie das einzige von sechs Kindern ohne Abitur, Außenseiterin auch hier.

Dass die Spanierin aus Preußen schließlich in Bayern eine Heimat fürs Leben fand, verdankte meine Mutter dem Bau der Berliner Mauer. Eigentlich wollte sie nämlich mit einer Freundin nach Italien reisen im Sommer 1961, doch dann begann die DDR plötzlich, eine Mauer mitten in Berlin aufzurichten, und der Freundin wurde die Reise jetzt zu riskant, sie wollte lieber in Berlin bleiben, wer wisse schon, was gleich als nächstes noch passieren würde? Ob man überhaupt nach Berlin wieder zurückkommen könnte? Meine Mutter war da weniger ängstlich, doch ihre Eltern wiederum wollten sie nicht unbegleitet nach Italien reisen lassen, also fuhr sie zu ihrer Cousine nach München, die beiden machten einen Tagestrip zum Staffelsee, wo mein zukünftiger Herr Vater zufälligerweise an dem Tag auch kurz reinsprang, und die Dinge nahmen ihren Lauf. So gesehen verdanke ich meine Existenz wirklich dem Mauerbau. Ohne ihn hätten meine Eltern sich niemals kennengelernt.

Als mein Vater seine neue Freundin zum ersten Mal mitnahm zum Stammtisch mit seinen Spezln, da blieb sie ganz lange stumm, weil sie den bayrischen Dialekt so gut wie nicht verstand. Die Freunde wiederum hatten noch nicht so wahnsinnig viele hübsche Spanierinnen gesehen in ihrem Leben. So bestaunte man sich gegenseitig, bis meine Mutter doch einmal einen Satz sagte, woraufhin der ganze Tisch schlagartig verstummte, einer der Freunde meines Vaters sich erstaunt zu ihm umwandte und sagte: „Die ko ja Deitsch!“

Nach der Trennung meiner Eltern rieten ihr viele, von Oberammergau wegzuziehen, ein neues Leben anderswo zu beginnen, aber sie hatte hier Wurzeln geschlagen. Sie, die Zugezogene, liebte dieses Dorf vielleicht mehr als alle die Einheimischen, denen die Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft wie selbstverständlich zufliegt. Für meine Mutter war das harte Arbeit gewesen, hier wollte sie nie wieder weg. Ich danke ihr diese Entscheidung bis heute, so wie ich ihr so vieles danke, und Trauer erfüllt mein Herz, wenn ich daran denke, wie wenig ich ihr diese Dankbarkeit zu Lebzeiten gezeigt. Wie oft ich sie geschimpft, ihre Sturheit verflucht habe. Oft hätte ich besser die Klappe gehalten.

Was soll ich mutmaßen über meine Mutter, im Februar werden es fünf Jahre, dass sie nicht mehr lebt, ich vermisse sie wie niemanden sonst, gleichzeitig spüre ich ihre Präsenz oft ganz deutlich. Ganz kurz nach ihrem Tod fuhr ich nach München, weil ich für meinen alten schwarzen Anzug zu dick geworden war, ich brauchte also einen neuen für die Beerdigung. Und da hörte ich praktisch ihre Stimme in meinem Kopf, wie sie sagt: „So etwas kauft man beim Hirmer, oder beim Konen.“ Und so ging ich halt als erstes zum Hirmer, wo ich einem Verkäufer mein Anliegen erläuterte, ein Beerdigungsanzug, und er fragte mich, wer denn gestorben sei. Meine Mutter, erwiderte ich. Und er erzählte dann vom Tod seiner eigenen Mutter, der auch erst vor ein paar Monaten gewesen war, das war kein Verkaufstrick, ich verstand alles, was der Mann mir sagte. Der Anzug, den wir schließlich zusammen fanden, war ideal. Er überreichte ihn mir mit den Worten: „Die Mama ist halt die Mama.“ – „Die Mama ist die Mama“, antwortete ich, denn es gab darüber hinaus nichts weiter mehr zu sagen.

Text:  Andreas Wolf

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 1: Margarete Helminger

Vorwort

Ja, ich habe es geahnt, dieses „Mutterthema“, wie wir es jetzt oft lapidar benennen, um einen Abstand herzustellen, den es nicht gibt … würde schwierig sein. Die anfängliche freudige Bereitschaft führte zu vielen Zusagen, von denen aber immer mehr unmöglich einzuhalten erschienen, je näher der 1. Dezember rückte. Große Verunsicherungen und manch brachliegender Schmerz aus Vergangenheit und Gegenwart tauchten auf und machten die Veröffentlichung von Texten unmöglich.

Allen, die der Einladung gefolgt sind, um hier auf meiner Bühne mit mir gemeinsam zu wagen, sich der eigenen Mutter textlich zu nähern möchte ich hiermit herzlich danken für das große Vertrauen! Und denen, die eingeknickt sind unter einer plötzlichen Schmerzüberflutung, als sie  mit der Mutter hinein in die Urgründe der Existenz geraten sind, auflodernd längst verarbeitet Geglaubtes: habt meinen Herzensdank für die anvertrauten Geschichten, egal ob ich sie hier veröffentlichen darf oder sie im Geheimarchiv meines Menschseins verschließe.

Ich freue mich unglaublich über jeden Text, der noch kommen wird, und ich halte die Türen frei für Euch, bei denen, die jetzt absagen, bleibt die Tür geschlossen … es bleibt spannend!

Mutmaßungen über meine Mutter

An der Tankstelle im Sommer sah ich eine Frau, die sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat. Um ihren üppigen Leib mit schweren  Brüsten spannte ein schwarzes Sommerkleid, sie trug Flipflops und neben ihr liefen ein paar Kinder, als sie sehr aufrecht, leicht tänzelnd zur Kasse ging. Auf ihrer Hüfte schaukelte nicht nur ein kleines Kind, sondern die ganze Welt, so schien es mir. Wir begegneten uns für ein paar Sekunden, ich sah in müde Augen, dunkel und tief wie das Weltall, ihre Haut, dunkel und samtig, eine Ewigkeit hätte ich in der Nähe ihres Körpers bleiben mögen und ihren Geruch nach Vanille und ein wenig Schweiß einatmen wollen, das Kind, das sich an ihr festhielt, habe ich beneidet.

Das große Bergschaf Isabella hat seinen beiden Kindern gezeigt, wie das geht mit dem Zerdehnen der Zeit; es hat sie gelehrt, plötzlich stehenzubleiben und nur vor sich hinzuschauen, absolute Bewegungslosigkeit, wie Schafe das machen. Auch das Stehen um einen Baum und dabei die Stirne an seinen Stamm zu lehnen, hat es ihnen beigebracht, die Böcklein sind sehr gescheit und haben es ganz schnell gelernt.

Das Maß der Dinge bekommen die Kinder von den Müttern gezeigt, solange, bis sie es selber erkennen.

Meine Mutter ist schon lange tot, 53 Jahre. Sie kam von irgendwo in Böhmen nach irgendwo in Bayern, dabei hatte sie nichts außer verlorener Liebe, der Vater tot und der Ehemann vermisst an der Front. Und sie hatte keine Heimat verlassen als sie gekommen ist und trotz Mann und Kind und Haus und Hof keine gefunden, als sie wieder gegangen ist. Beim Kuhmelken hat sie Arien aus Tosca gesungen und sie konnte gut den Häferlkaffee kochen. Ihre Wirklichkeit hat sie sich als Operette zurechtgesungen und -gelacht. Ihr Humor war grenzenlos, abgrundtief und traurig und ihr Lachen unwiderstehlich und ansteckend. Sie hatte vor nichts Respekt oder Angst. Sie war eine kleine zarte Schönheit mit großen braunen Rehaugen und mein Vater verliebte sich unsterblich in sie und brachte sie, die Fremde, nachhause zu meinen Großeltern. Ich  kann mich nicht erinnern, daß sie mal gegessen hätte und doch wurde sie irgendwann dick. Mein Vater mochte keine dicken Menschen, er stufte sie als willenlos ein und das konnte er nicht leiden. Dann trank sie viel Weißwein, aß nichts mehr und wurde wieder dünn, dann starb sie.

Vor ein paar Nächten kam dieser Traum wieder, den ich alle paar Jahre träume … eines Tages , ich bin ein Kind, die Mama ist weg, verschwunden, der Papa weiß auch nicht, wo sie ist. Ich habe große Angst, daß sie tot ist. Und wie seit vielen Jahrzehnten wache ich irgendwann auf und bin erleichtert darüber, daß alles ein Traum war, bis ich kapiere: sie ist wirklich tot.  Damals war sie tatsächlich verschwunden, nach einem der großen Kräche ist sie abgehauen mit ihrem grünen Damenfahrrad. 50 Km ist sie geradelt bis nach Berchtesgaden, wo sie eine ziemlich verwahrloste Bergbauernfamilie kannte, dort lebte sie und half bei der Heuernte, bis mein Vater sie gefunden hat und heimholte.

Nie wurde darüber gesprochen. Sie hatte mich einfach verlassen, ohne ein Wort. Dann war sie wieder da und ein paar Jahre später lag sie tot auf dem Sofa.

Es gibt ein Foto von ihr, damals, dort bei diesen Bauern, auf der Wiese mit dem Rechen in der Hand,  sie schaut sehr glücklich aus. Auf dem Kopf hat sie einen Strohhut mit roter Quaste. Gestern beim Aufräumen ist dieser Hut plötzlich aus einem Schrank mir in die Hände gefallen und da musste ich weinen.

Eigentlich weiß ich nichts von meiner Mutter. Ich kann mich nicht erinnern, daß sie mich mal in den Arm genommen hat oder daß sie mal einfach nur lieb zu mir gewesen ist.  Wenn ich versuche, mich an sie zu erinnern, dann schleicht sich eine große Verlorenheit in mein Herz, und heute denke ich, vielleicht ist dieses Verlorensein das Bindeglied zwischen ihr und mir.

Sie lehrte mich, daß man Träumen nicht vertrauen darf, weil sie nie in Erfüllung gehen, daß Liebe schmerzt und nie hält, was sie verspricht, weil jede Geschichte schnell auserzählt ist und daß es wie in der Operette immer jemand gibt, der traurig zurückbleibt und, daß jeder alleine ist.

Ihr Lieblingslied war „O mein Papa“.

Sie sagte mal zu mir: „es stimmt nicht, was  sie sagen, daß der liebe Gott irgendwo in der Kirche ist, glaub mir Greterl, er ist in den Margeriten!“

Und sie lehrte mich :

Jetzt alle Leute einladen, alles Geld was da ist, raushauen, die Gans schlachten, Essen machen, Trinken,  alles auf eine Karte, jetzt, jetzt, jetzt, ein Fest feiern, Tanzen, Geschichten erzählen, für eine gute Pointe die Großmutter verkaufen, lügen was das Zeug hält, grenzenlos Blödeln, die Leute zum Lachen bringen, lachen bis zum Umfallen, laut singen, umarmen, küssen, egal was morgen ist …was kümmert mich morgen…

laßt uns heut ein Fest feiern!

 

Ja, so ist das wohl mit meiner Mutter.

Aber bevor ich’s vergesse:

„Patachou“ von der Knef liebte sie auch!

Der Faden

Drei Frauen, bekleidet vom Blau der Nacht stehen am Ufer,
alleine möchte ich sein,
schlaflos.
Plötzlich diese Drei,
stehen da, schauen auf den Fluß,
drehen sich um,
schauen mich an.
Der Wind bringt Harzgeruch, wenn sie ihr Haar zurückwerfen.
Es sollte nach Moos riechen, meine ich, es sieht aus wie weiches
Moos.
Ich aber rieche Harz, wildes Harz, aus Bäumen geblutet.
Lange bunte Röcke flattern im Wind – oder erträume ich mir das?

Die Erste spinnt den Faden,
die Zweite reicht ihn weiter,
die Dritte schneidet ihn ab,
während die Erste schon wieder einen neuen gesponnen hat.

 

Was soll ich tun, Ihr Wilden Frauen?
Ich bin so nackt, mein Fell ist mir abgefallen.

Tanze den Mond in Deine Augen,
tanze, bis du umfällst und schlafen wirst.
Tanze auf den Silberspuren der Schnecken,
dorthin, wo es keine Garantien mehr gibt.
Tanze, bis du den Gesang der Sterne hörst.
Tanze hinein ins Labyrinth der Träume
bis dahin, wo nichts mehr ist.

Wie finde ich wieder hinaus?
Nimm den Faden.
Vergiß nicht: Alles hat seinen Anfang genommen auf der Silberspur
der Schnecken.
Ich habe Angst, sage ich,
Mein Fell ist zu eng geworden,
es ist abgefallen in den vielen Nächten.

Da singen die Wilden Frauen und ihre Gesänge tropfen
wie Tau ins Gras.

 

Karl und die Freiheit der Rosen

Hin und wieder soll es vorkommen, daß sich einer verfliegt im Duft der Rosen und abstürzt ins Dickicht und seine Flügel zu Dickicht  werden und man ihn nur erkennt am Schimmer seiner Augen…

Bei der Kapelle vor dem kleinen Wäldchen spiegelt sich die Sonne in einer Windschutzscheibe, wie früher, als der Karl noch lebte.

Er ist immer mit dem Auto herumgefahren, weil ihm die Zeit einfach zu lang wurde. Irgendwo blieb er stehen und schaute einfach nur und auf die Frage, nach was er denn Ausschau halte, seufzte er  und konnte es nicht so genau sagen. Und wenn ich weitergehen wollte, sagte er, bleib doch noch ein wenig stehen bei mir. Immer hat er jemand zum Reden gebraucht, den meisten ging er auf die Nerven. Auf mich hatte er es besonders abgesehen, vermutlich deshalb, weil ich es nie übers Herz brachte, ihm nicht jedes Mal zuzuhören, bis die ganze Geschichte erzählt war. Die ganze Geschichte eines unglücklichen Lebens. Er war unerbittlich und böse auf sein Schicksal und alle, die daran mitgewirkt hatten, ihm das Leben schwerzumachen. Und mit den meisten, mit denen er jahrelang auf der Hausbank gesessen hatte war er über kurz oder lang auch zerstritten, auch mein Vater konnte ihn nicht mehr aushalten in seinem ewigen Geschimpfe und es wurde immer einsamer um ihn herum. Manchmal bin auch ich geflüchtet, wenn ich ihn kommen sah, aber meistens hielt ich ihm stand und ließ ihn reden und schimpfen. Alle meine Bestrebungen, aus seinem Leben ein wenig Hoffnung herauszupressen, hat er weggewischt und er bestand auf diesem Fluch, der über ihm hing und der ihn zwang, ein armselig-elendigliches Dasein zu fristen. Eines Tages hat er mir mal gesagt, Grete, Du bist immer gut zu mir gewesen. Wenn ich mal gestorben bin, kommst Du dann an mein Grab und betest mir ein Vaterunser? Ja, Karl, das werd ich tun, hab ich gesagt. Und seither besteht er darauf, daß ich dieses Versprechen auch einhalte. Wenn ich den Gottesacker betrete, dann hör ich ihn schon … kommst Du heute nicht zu mir und ich sage, gleich Karl, laß mich nur schnell die Blumen gießen und eine Kerze anzünden… und bald darauf hör ich ihn schon, wo bleibst du denn? Gehst du schon? Und ich sage, ruhe in Frieden Karl und manchmal hör ich ihn noch außerhalb rufen, Du kommst aber schon bald wieder, gell?

Nein, normalerweise sprechen die Toten nicht mit mir, am Familiengrab sagt keiner was, nur halt der Karl.

Früher hat er mich oft mitsamt meinem Radl ins Auto gepackt, wir hatten den selben Heimweg aus der Kreisstadt, dadurch mußte ich nicht den steilen Berg raufschieben. Wo auch immer er mich sah, hat er mich mitgenommen. Sein Leben war eine einzige Misere und es hat schon mit einer Kindheit angefangen, in der er gequält und geschunden wurde und halb verhungert ist. Dieser Schmerz hat sich um sein Herz gelegt und ihn schier erdrückt. Sowas wie Liebe oder auch nur ein wenig Freundlichkeit hat er nie erfahren und so ging es weiter, das Glück hat ihn nicht gefunden, er hat sich halb tot gearbeitet, aber rechtmachen konnte er es wohl trotzdem niemandem. Eines Tages ist ihm ein Auto reingefahren, als er zu seinem Haus abbiegen wollte und dann lag er sterbend und zitternd auf der Straße, so einsam wie immer in seinem Leben.

Er war ein armer und trauriger Mann und ich mochte ihn sehr gern und manchmal erzähle ich ihm Geschichten, wenn ich an seinem Grab stehe. Und manchmal hoffe ich, es möge doch auch bei ihm mal ein Engel abstürzen und an seinem Grab liegen bleiben, ihm den Kummer von der Stirne streichen, den Reif aus Eis von seinem weichen Herzen sprengen und wenn die Flügel wieder stark genug sind, ihn mitnehmen dorthinauf, wo alle diese verdammte Erdenschwere von ihm abfällt und er endlich endlich freigelassen wird.

Ich lege ihm eine Rose aufs Grab und vertraue ihrem Duft.

 

Architettura povera

Die Wochen vergehen mir  im Flug, oder bin ich es, die wegfliegt und vergeht?

Alt sind wir geworden, das Haus und ich. Eine milde und verständnisvolle Herbstsonne streicht uns über das Gesicht und mit mattem Gelb überzieht es unsere Falten, in denen die Gedanken nisten derer, die vor uns waren. Es bröckelt an allen Ecken und Enden, die grauen Haare der Spinnerinnen spannen sich über Ecken und Kanten und stellen Zusammenhänge her, die der Jagd nach Beute dienen. Der Verputz bröckelt, wir verlieren die Facon und die Stürme bringen uns aus der Fassung, immer mehr, und das Stöhnen und Ächzen wird lauter. Viel wurde gestorben und geboren und geweint und gelacht und geliebt, ja, geliebt wurde auch, viel und heftig und schwierig und leise und alles durcheinander. Ja, wir sind in die Jahre gekommen, das Haus und ich und der Boden schwankt bedenklich. Und doch … ein liebevoller Blick, eine sonnenwarme Berührung lassen uns aufleuchten und wir erstrahlen für einen Moment des Glücks.

Niemand schätzt sie mehr, die alten Häuser, was soll man da noch Geld reinstecken, es bleibt ja doch nur ein altes Haus, sagt einer. Einer brennt es einfach ab, ein anderer „entkernt“ es und läßt die äußeren Mauern stehen, wie die Kulissen im Bauerntheater. Und dort, auf der anderen Talseite steht plötzlich ein neues, schönes. Sehr weiß steht es da mit großen, glasigen Öffnungen, wie ein Totenschädel, der runtergekugelt ist und irgendwo liegengeblieben.

Der neue Kaminkehrer geht durchs Haus und sagt: dieses Haus hat schon viel erlebt, wenn es nur erzählen könnte. Ja, aber es erzählt doch. Immer. Und seine Sprache ist verständlich und unüberhörbar. Ich brauche nur auf der Hausbank sitzen und die Augen schließen, dann höre ich die Geschichten, eine nach der anderen und manchmal auch mehrere gleichzeitig. Wenn jetzt der Karl noch leben würde, dann säße er ganz sicher längst neben mir und würde mir erzählen aus seinem Leben, aber das ist eine andere Geschichte … die eines armen Mannes … povero.

Hin und wieder klopft der Specht an die Holzwände, Geister huschen die Stiege hinauf und hinunter und manchmal kommt eine Maus zu Besuch. Viel gesungen und musiziert wurde hier, lange bevor das Wort „Stubenmusi“ erfunden wurde. Und gelesen, viel viel gelesen wurde, die Bücher kamen von Wohnungsauflösungen und von wer weiß woher und als ein wenig Geld da war, wurden sie bestellt, beim Buchhändler. Von oben bis unten stehen und liegen und lehnen die Bücher in Stapeln und Reihen alles von Schopenhauer, Felix Dahn, Nietsche bis hin zum Altöttinger Liebfrauenboten, alles, was lesbar war, wurde aufbewahrt. Auf Schritt und Tritt liegen die Bücher herum, kein Treppenabsatz und kein Eßtisch oder Fensterbrett ist sicher vor ihnen, sie bevölkern das alte Haus und auf die Frage, ob wir denn alles schon gelesen hätten … nein, warum auch, Bücher sind nicht nur dazu da, sie auszulesen … Ratlosigkeit und die kopfschüttelnde Bedenkung … wer soll die denn mal entsorgen…? Ja, das ist die Frage, um die sich die Welt zu drehen scheint. Wer entsorgt uns alle mal.

Es gibt ständig Baustellen und manchmal lastet es schwer auf meinen Schultern, dieses kostbare Geschenk meiner Vorväter. Eine alte Frau bin ich geworden und sitze auf der Hausbank meines Lebens und spüre das Blutgeld, das ich bezahlt habe, ohne zu ahnen, wofür. Und dann streicht mir die Herbstsonne übers Gesicht und dann vergolde ich.

Ein schwarzes Eichkatzerl saust um das Hauseck herum, hinauf auf den Birnbaum, hinüber zum uralten Goldpermenerbaum und hinauf bis in die zitternde Krone und von dort aus auf schwingenden Ästen hinüber in die Birke und auch da hinauf, weit weit hinauf bis dorthin, wo der Himmel beginnt …

Katze Scheckerl stolziert mit einem zitternden  Vogel im Maul die Straße entlang, der Kater Herbert geht ihr nach und der rote Willie beobachtet sie, ein kleines Federchen fliegt durch die Luft … Kater Maxi macht sich beim Nachbarn auf den Weg zur grausigen Szenerie.

Die Schafe stehen um den Kirschbaum herum, legen die Stirnen an den Stamm und sind ganz still … nur das große Bergschaf mit Namen Isabelle ruft hin und wieder leise “ M ö ö ö  ö“…zu ihren beiden neugeborenen schwarzgelockten Böcklein, die dann sofort angehüpft kommen.

Nutztiere.

Im Hintergrund seit vielen Stunden ein armselig heisergebellter Hund, es schneidet mir ins Herz. Povera bestia.

Wunderschöne, große Vögel mit einem Gefieder wie grauer Samt kommen, picken hier und dort und verschwinden am Abend. Aus dem Wald fließt der Nebel herab, es wird langsam milchig und blau … Zeit, einfach alles, was da ist zu lieben, einfach nur zu lieben, alles,

trotzalledem,

zu lieben,

nur deshalb,

weil ich es kann.

und Zeit, die Laterne vor dem Haus anzuzünden.

 

 

 

 

 

Zweistundenfrau und Totentanz

Im nicht allzuweit entfernten Salzburg steht der diesjährige Jedermann auf der Bühne,  in Gestalt eines kongenialen Schauspielers, und wirft sich der spektakelhungrigen Meute zum Fraß hin. Die Reichen und die mit Mundschutz nicht mehr ganz so Schönen, flankiert von unzähligen  A-dabeis, lechzen danach zu sehen, wie nackt oder zumindest halbnackt er´s heuer so treibt mit der Buhlschaft und warten auf das wohlige Gruseln, wenn der Tod ruft. Wenn der Jedermann seine Sache gut gemacht hat, wird er hinterher auf Händen getragen und abgeschleckt. Eigentlich geht es ja in diesem Stück um eine einfache, fast lächerlich anmutende Frage, die in diesem ganzen Brimborium untergeht, aber doch der wunde Punkt ist, um den sich alles dreht:

Was bleibt?

Am Morgen kommt der große Lastwagen vorgefahren, darauf steht: „Tierkörperentsorgung“. Der Fahrer ist unfreundlich, weil er die Schubkarre selber zum LKW fahren muß. Seit kurzem hat ein Schafzüchter 11 Schafe zu uns auf die Weide gestellt. Mietschafe sozusagen, die sich mit Heißhunger zu unserer großen Freude über die Streuobstwiesen hermachen. Ein altes Mutterschaf hat sich wiederkäuend und leise hingelegt und ist gestorben, über Nacht. Von der Schubkarre wird es in eine Klappe, die an einen Kleidercontainer erinnert, gekippt  und fällt mittels Hydraulik von oben in den Auffangbehälter. Dann das Geräusch des aufprallenden Körpers, Klappe zu, dann nichts mehr.

Das ist die Antwort.

Meine schöne Freundin mit den Jadeaugen erscheint mir im Traum, wir stehen im Treppenhaus dieses wundervollen alten Stadthauses, ich kann das Bohnerwachs riechen und diesen zarten, blumigen Duft meiner Freundin. Wir wollten so gerne in diese Altbauwohnung ziehen und dort gemeinsam wohnen. Was Neues sollte beginnen, nachdem ein Mann sie verlassen hatte für eine Frau, die ihm liebenswerter erschienen war. Oft, so oft habe ich mich gefragt, was aus uns beiden geworden wäre, hätten wir damals die Wohnung bekommen. Ich spüre sie heute noch, die Sehnsucht nach diesem kurzen Augenblick einer so intensiven Nähe … ins Herz gebrannt, das Schmerzende an dieser Freundschaft, die Liebe, die wir spürten und die wir dann verraten haben. Wir gingen bald wieder zurück in unsere Leben, ich in die Endphase einer depressiven Beziehung, und sie ziemlich schnell in eine Ehe mit Kindern, Hund und einem Trinker als Mann, der seiner gescheiterten Ehe hinterher trauerte. Vor einigen Jahren ist sie gestorben, verhungert ist sie, meine schöne Freundin mit den Jadeaugen. Wenn ich von ihr träume, weine ich ein wenig.

Ich fahre mit dem Radl immer den gleichen Rundweg. Manchmal denke ich an die überaus geschätzte Ilse Aichinger, die jahrelang einen immer gleichen Weg gegangen ist zu ihrem Lieblingskino, um sich dann die immer gleichen Filme anzuschauen und dann im immer gleichen Kaffeehaus zu sitzen und auf irgendwelchem Papier ihre wunderbaren „Unwahrscheinlichen Reisen“ zu notieren, die sie dann als Kolumne in der Zeitung veröffentlicht hat. Der immer gleichbleibende Weg, der doch nie derselbe ist, eine unerschöpfliche Quelle von Erfahrungen. Das ist, wie immer den gleichen Tanz tanzen. In Osteuropa gibt es das noch, daß Dörfer ihren eigenen Tanz haben, der wird getanzt bei allen Gelegenheiten … immer der gleiche, doch nie derselbe. Die Magie ist in der Wiederholung.

Gestern kam ein Reh aus der Wiese auf die Straße, es sah mich an, ich sah es auch an, wir waren beide so erschrocken, daß wir nichts sagen konnten. Das Reh blieb  stumm und ich auch, dann bewegten wir uns wieder auf unseren Wegen in entgegengesetzte Richtungen.

An einer bestimmten Stelle im Wald drehe ich mich immer um, weil ich meine, hinter mir jemanden zu spüren, aber nie ist wer da. Die Stelle hat sich verlagert, früher war sie ganz vorne am Rand,  schon als  Schulkind hatte ich Angst, das kleine Wäldchen zu betreten … heute ist die Stelle ein paar hundert Meter weiter in den Wald hinein gerutscht.

Der Tod sitzt gerne im Hochsommer auf den sonnenwarmen Steinen unter blauem Himmel und lächelt versonnen, helle klare Augen hat er … zwei Bussarde kreisen … das Dasein streicht mir sanft mit dem weichen Fell einer Katze um die Beine. Zwei Freunde meines Vaters haben sich im Sommer erschossen. In der Zeit nach dem Krieg gab es eine kleine Gruppe Freunde, sie hatten kein Geld aber große Begeisterung für Motorräder, „Schnauferln“ genannt. Der Vater sagte immer, der Hias hätte die größte Leidenschaft gehabt und er sei  ein genialer Mechaniker gewesen, der beste überhaupt. Ich glaube, er hat eine Horex gefahren und er war sein liebster Herzensfreund und ein Leben lang hat er gerätselt, warum sich der Hias eines Tages erschossen hat. Er fuhr an einem strahlenden Sommertag zu einer kleinen Kapelle und da drinnen erschoß er sich. Anscheinend war er nicht gleich tot und da hat er sich mit letzten Kräften noch zu seinem Motorrad geschleppt … dort haben sie ihn gefunden.

Beim zweiten Herzensfreund viele Jahre später hat es gleich geklappt, er konnte schießen und wusste genau, wie er es anstellen mußte, damit er nicht mehr aufwachte. Mein Vater hing sehr an W., sie machten „Ausfahrten“ mit den Motorrädern und sie sind zusammen aufgetreten bei allerlei Festivitäten, der Papa mit der Zugharmonie und der W. mit der Gitarre. Sie haben viel gelacht miteinander, denn W. war einer, der gut Witze erzählen konnte. Eines Tages war er tot, seine Frau hat ihn gefunden. Vermutlich hatte er Angst vor einer möglichen Erkrankung, aber niemand weiß wirklich, was in ihm vorging. Was wissen wir schon voneinander.

Das Haus am Waldrand hinter dem  Dorf war schon lange nicht mehr bewohnt und ist ziemlich verwahrlost. Der neue Besitzer ist oft da, wahrscheinlich, um es instandzuhalten. Seine Frau kommt am Samstag und bringt ihm das Mittagessen. Und während der Woche, jeden zweiten Tag, pünktlich von 17.30 bis 19.30Uhr kommt die Zweistundenfrau, sie parkt ihr teuerglänzendes Auto am Dorfeingang und wird vom Hausbesitzer geholt, dazu steigt sie in sein Auto und sie fahren durch das Dorf zu seinem Haus. Pünktlich nach zwei Stunden bringt er sie zurück zu ihrem Auto und dann fahren sie beide weg, in die gleiche Richtung. Alle sehen das, alle wissen das, nur seine Frau sieht es nicht, die kommt Samstag Mittag und fährt nach dem Essen wieder. Um 17.30 kommt die Zweistundenfrau in ihrem schnittigen Sportwagen und parkt am Dorfrand.

Seit Neuestem sind plötzlich durch und durch orangene Schmetterlinge da.