Immer gibt es Filme, auf die ich warte und hoffe, daß sie aus den Städten doch bitte auch in die Provinz vordringen. Manchmal gibt es das und die Betreiber der kleinen Kinos wagen auch mal einen außergewöhnlichen Film. Auf den Film: „Jetzt. Wohin. Meine Reise mit Robert Habeck“ von Lars Jessen habe ich vergeblich gewartet, leider. Bei dem Film über Siri Hustvedt: „Dance Around The Self“ wird es mir ähnlich ergehen, fürchte ich und ob der neue Film von Jim Jarmusch: „Father Mother Sister Brother“ in erreichbare Nähe rückt, ist auch ungewiß.
Königgrätz
Bei den mindestens fünf Büchern, die ich gleichzeitig lese, wird in den nächsten Wochen eines die anderen verdrängen: „Winterbergs letzte Reise“ von Jaroslav Rudiš.
„Die Schlacht bei Königgrätz geht durch mein Herz“, sagt Winterberg als ersten Satz im Buch.
Jan Kraus kommt ursprünglich aus Böhmen und arbeitet in Berlin als Begleitperson von Schwerkranken in den letzten Tagen, Wochen, Monaten ihres Lebens und erfüllt ihnen Wünsche. Er nennt es „Überfahrt“. Für so eine Überfahrt wird er von einem uralten Mann gebucht, Winterberg, um mit ihm eine Eisenbahnreise durch Mitteleuropa zu machen, tief hinein in die Vergangenheit auf der Spur lange verdrängter Geheimnisse.
Eine 500 Seiten Roadnovel, wo wird sie mich hinführen? Ich freue mich auf die Weiterreise immer weiter hinein in das fremde Europa, in dem ich lebe.
Ich kenne Rudiš schon lange, habe ihn im Literaturhaus Salzburg erlebt, äußerst sympathisch, perfekt deutsch sprechend und ich liebe seine „Kafkaband“, in der er mit seinen Bandkollegen Texte von Kafka vertont hat.
Zum Einkaufen mache ich trotz hoher Spritpreise einen Umweg, weil dieser Schleichweg, eine kleine Straße neben der dichtbefahrenen Autobahn, die Kulisse der Berge in Sichtnähe, so wahnsinnig schön ist. Beim Heimfahren leuchtet der feuerrote Ball der untergehenden Sonne im Rückspiegel und dann stehen da die noch schneebedeckten Gipfel dieser Berge, wie grandios erhaben und majestätisch sie doch sind, diese riesigen Felsbrocken, von tiefen Furchen und Adern durchzogenen Steinwesen.
Gschnas
Und am Lieblingssender im Radio läuft das Lied der gleichnamigen neuen Scheibe von Voodoo Jürgens und ich muß gleich losheulen, weil es so schön ist, von was er da singt, dieser blutjunge Kerl, so ein zartes, schmächtiges Zigarettenbürscherl, wie wir früher gesagt hätten, mit klitzeblauen Augen und einem Lächeln, hinter dem immer ein bisserl Wehmut herausschaut. Die Poesie seiner Texte trifft mich ganz tief unten am Meeresgrund, dort, wo die Sehnsucht am größten ist, oder auch draußen im Straßenstaub oder nachts, wenn man die Kneipentür hinter sich geschlossen hat und alleine heimgeht, oder was weiß ich, es ist eh am gscheitesten, man hört sie sich an, diese wunderbar leichtschweren Lieder. Bei dieser Musik spielt es keine Rolle mehr, daß ich alt bin und er jung, denn wir sind sowieso alt und jung zugleich und der Seele ists eh wurscht, wie jung oder alt der jeweilige Leib ist, der sie umgibt.
Ja, ich wünsch mir auch sehrsehrsehr, daß alles ein Riesengschnas is!
Das erste dicke Hummerl heuer ist von Kikeriki(Lerchensporn) zu Kikeriki geflogen und hat sich vollbepackt mit süßem Nektar. Morgen muß ich unbedingt nachschauen, ob zwischen den Wurzelarmen der Kiefer wieder die Veilchen wachsen. Das ist ihr Platz schon viele Jahrzehnte lang, aber nicht in jedem Jahr lassen sie sich blicken, warum auch immer, auch sie kommen und gehen, wann sie wollen.

Grüße vom Meeresgrund aus der fernen Nähe, liebe Kraulquappe!







