Es gibt eine Stille, die man hören kann. Es ist heiß, sehr heiß sogar, die Luft steht, alles steht still, keinen Vogel hört man, eine Katze geht langsam über die Straße und verkriecht sich unter das Gebüsch, alles ist wie stehengeblieben, reglos, bewegungslos. Worte werden schwer und bleiben in der Luft hängen, Sätze liegen vereinzelt im Staub der Straße und finden einander nicht mehr. Der Schweiß trocknet im Fließen und bildet Salzkristalle auf der Haut und läßt uns erstarren … dreh dich nicht um, Frau Lot … das Denken wird schwer, die Gewitterschwüle macht den Kopf dumpf.
Dann kommt die Bö, treibt schwarze Wolken über den Himmel, verbiegt die Wipfel, reißt das Obst von den Bäumen, läßt das alte Haus ächzen und stöhnen und dann speit er ihn aus, diesen Feueratem und treibt ihn vor sich her .. da bist Du ja, Drache, sage ich und werde mitgerissen von einer Hitzewelle, die über die Straße jagt, klammere mich an der Birke fest, deren Blätter so trocken sind, daß der kleinste Funken genügt und alles würde in Flammen aufgehen.
Im Nachbarslandkreis brennt schon wieder ein ganzer Berggipfel, das dritte fürchterliche Feuer in ein paar Wochen.
Jetzt scheint alles sich beruhigt zu haben, es riecht nach feuchter Straße, es hat nicht wirklich abgekühlt, aber die Feuerwalze ist vorbeigezogen, man kann wieder atmen. Und ich denke : das Imperium schlägt zurück. Aber es vergönnt uns eine kleine Pause, ein leiser Regen fällt und mir kommen die Tränen, weil ich so glücklich bin über jeden Tropfen, der auf das ausgedörrte Land fällt und es hoffentlich vor dem Verdursten bewahrt.
Vor einer Woche durfte ich mir zum Geburtstag einen Ausflug wünschen und wir sind im Salzburger Land in eine Gegend gefahren, in der es viele Margaretenkirchen gibt und da ich die Spur der Hl. Margarete seit vielen Jahren verfolge, bin ich auch auf der Spur der Drachen, denn wo sie ist, ist auch der Drache. Sie hält ihn locker am Band und er trottet gehorsam neben ihr her. In einer sehr alten Kirche in einem kleinen Dorf gibt es ein großes Fresko und auf diesem Bild ist eine außergewöhnliche Darstellung, in der ein Geheimnis verborgen zu sein schein, das hängt mit der Drachengeschichte zusammen.
Es gibt in unserer Gegend viele Drachengeschichten. Drachen sind ja angeblich älter als die Welt und wer sich eindringlich mit ihnen beschäftigt, wandelt auf seltsamen Spuren , erlebt schwer verständliches Zeug, taucht in unglaubliche Geschichten ein und gerät an Geheimnisse, die alle mit einem Wissen um alte Kräfte zu tun haben. Die Kirche sah darin wahrscheinlich Konkurrenz und hat alles verteufelt und Märtyrergeschichten draus gemacht, die alten Kräfte und das Wissen darum wurden verteufelt, aber es ist noch vorhanden, versteckt zwar, aber es ist da und ganz deutlich auf diesem Bild zu sehen. Und ich liebe es, zu sagen, die Margarete ist die, die mit dem Drachen tanzt.

Liebe Frau Kraulquappe, ich grüß Dich herzlich aus dem Land der Berge, Riesen und Drachen!






