Um Dreikönig herum waren sie wieder unterwegs, die Sternsingerkinder, verkleidet als Weise aus dem Morgenland … oder was man sich halt darunter vorstellt. Anstelle von Gold, Weihrauch und Myrrhe, die diese für das Heilige Kind damals angeblich dabei hatten, kommen die heutigen mit dampfendem Weihrauch, ein Lied singend, während sie mit Kreide die magischen Buchstaben K + M + B oben auf den Türstock malen zum Segen für das Haus und alle, die drin leben. Dann bleiben sie stehen und warten darauf, daß man sie bezahlt mit üppiger Spende in den Sammeltopf. Natürlich wird jede r was reinwerfen, wer könnte schon diesen Kinderaugen widerstehen. Und so sind viele tausend Euro zusammen gekommen, Kinder sammeln Geld für andere Kinder, denen es schlecht geht, weil den Machthabern dieser Erde ganz sicher ganz andere Sachen wichtiger sind als sich um das Elend der Kinder zu kümmern. Dafür werden sie dann von der Kirche als lebende Sammelbüchsen herumgeschickt. Mir macht das ein komisches Gefühl, ich mag es nicht, wenn Kinder dazu instrumentalisiert werden, Geld für Segen einzutreiben.
Früher, als meine Großeltern noch lebten, da sind wir betend mit einer Eisenpfanne, in der auf glühender Kohle aus dem Küchenherd ein paar Brösel von kostbarem Weihrauch rauchend zerschmolzen sind in und ums Haus gegangen. Überallhin wurde die geheimnisvoll wohlriechende Pfanne geschwenkt, auch durch Stall und Tenne sollte der heilige Rauch ziehen und mit ihm der himmlische Segen am Abend des fünften Januar, in der letzten Rauhnacht vor Epiphanie am sechsten Januar, dem Fest der Erscheinung. Zum Abschluß des Umgangs wurden auf den Türstock meist nur drei gleichschenkelige Kreuze und die Jahreszahl geschrieben. Die Kreide hierfür war zusammen mit einem Häuflein Weihrauchbröseln in einer kleinen Papiertüte und wurde geweiht für diesen Anlaß. Mein Vater, der alte Ketzer und lebenslang sehnsüchtige Gottsucher konnte nicht viel anfangen mit Zaubersprüchen und magischen Handlungen und ganz sicher war ihm die Wirksamkeit der Dreikönigskreide durch die priesterliche Segnung nicht wichtiger als jegliche Kreide, mit der er seine wundervollen Kunstschmiedearbeiten entwarf und vorzeichnete.
Ich finde es sehr traurig, daß wohl keine Familie mehr mit Heiligem Rauch durchs Haus geht und um Segen bittet. Das wird konsumorientiert abgekürzt: Cash in die Büchse – Segen ins Haus. Vielleicht ist es noch besser wie nix, aber dasselbe ist es keinesfalls.
Wer überhaupt diese Männer aus dem Morgenland waren, darüber wurde viel geschrieben, letztendlich bleibt alles im Bereich der Spekulationen über Fragen, die niemals beantwortet werden können. Warum waren es drei, sind sie einem Stern gefolgt, haben sie nicht nur Geschenke mitgebracht, sondern den dringenden Rat zur Flucht vor dem angekündigten Kindermord? Wenn man die Kronen auf ihren Köpfen sieht und die Gewandfarben weiß, rot, schwarz und ihr Auftreten zu dritt … diese Dreieinigkeit bekam erst mit dem Christentum Männernamen … weit vorher schon gingen drei Frauen über das Land, kehrten bei den Menschen ein, brachten Heil und Segen, halfen beim Gebären und beim Sterben in Zeiten, in denen die Menschen noch wussten, daß es dasselbe war. Sie wurden überall mit Freude empfangen …alles nur Vermutungen, Erdachtes, Herbeiphantasiertes?
Wer weiß, wie es wirklich war.
Manchmal träume ich davon, und das schon ganz lange, daß es sie nicht nur im Norden in den Geschichten der Edda, oder hier im Süden als dreieinige Berggöttin Frau Percht gibt, sondern die ehemaligen Bethen heutige Frauen sind, die zu dritt erscheinen, wenn man sie ruft, weil man ihre Hilfe braucht.
Und manchmal träume ich dann diese Sehnsucht, eine von ihnen zu sein und Segen zu spenden beim Hinein- oder Hinausgehen oder einfach beim Da Sein.
Wir segnen dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus.
20 + Katharina + Margarete + Barbara + 26










