Fremder Mann…

Am Himmel Farbspuren von schlecht weggewischtem Blut, der Föhnwind , weich wie Samt macht wirr im Kopf und greift nach meiner Seele, die nicht weiß, wo hin mit sich, liebesbereit, einsam , glücklich und traurig, alles zugleich und alles schmerzt. Auf der Bundesstraße ein Höllenlärm. Am Himmel sausen die Flieger haarscharf am Mondsichelschiff vorbei, unendlich viele, die Menschen wollen weg, so schnell es geht und so weit weg wie nur möglich … kaum sind die Sterne noch zu erkennen. Einige meiner abendlichen Gäste kommen auch von weit her aus dem Land hinter den Sternen, werden sie die Laterne vor dem Haus überhaupt sehen können?

Auf dem  Tisch in der Stube steht die dampfende Hühnersuppe mit Nudeln, in der alten Suppenschüssel mit den blauen Punkten. Noch sind ein paar Plätze frei. Ich erwarte Großmutter Martha mit ihren beiden Töchtern, werden sie herfinden? Um sie festlich zu begrüßen, ziehe ich mein langes schwarzes Samtkleid mit den Sternen am Ausschnitt an. Die Kerzen brennen, die Gäste sind hungrig, die Stimmung wankt ein wenig ratlos vor sich hin, niemand außer mir möchte wohl gerne mit durchsichtigen Toten am Tisch sitzen und Suppe löffeln. Also vergessen wir sie, erzählen uns Geschichten, essen Suppe und hinterher den Seelenwecken (Hefezopf), probieren den neuen Apfelmost und der Abend vergeht .

Irgendwann nachts bin ich alleine und höre Musik.

 

Warum sind sie nicht gekommen? Ich hätte so gerne meine Großmutter gefragt, was damals wirklich passiert ist, und warum sie mit 28 Jahren gestorben ist. Denn es gibt zwei Geschichten darüber, welche ist wahr? Ist sie wirklich in einem dünnen Nachthemd mit Lungenentzündung und hohem Fieber im Winter mit dem Schlitten den Hügel runtergefahren, aus Ärger über den Vater ihrer beiden Kinder, den sie verdächtigte, bei einer anderen Frau zu sein? Geister einladen in der Seelennacht, um ihnen konkrete Fragen zu stellen, völlig absurd … sowas kannst nur du dir ausdenken … ja, nur ich. Die Membran zu anderen Welten sei dünn um diese Zeit, sagen die alten Kelten, man könne in Kontakt treten in einer Art Zwischenraum der Wirklichkeiten. Da ich schon manche Erlebnisse zwischen Himmel und Erde hatte, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte, warum also nicht  zumindest innere Bilder, die Ahnung einer Begegnung zwischen drüben und hier.  Aber zu meinen, die Einladung hinaus ins große Unbekannte und das Licht von ein paar Kerzen würden ausreichen, um Wunder herzustellen, ist typisch für unsere Lebensweise. Alles muß möglichst schnell konsumierbar sein. Ich trinke paar Gläser Wein und sage mir, auch gut, dann will halt grad niemand kommen, es ist wie es ist.

Kater Herbert entrollt sich und beschließt, auf die Jagd zu gehen. Die Nacht ist lauwarm, ich stehe ein wenig herum und hebe mein Glas zum Himmel, seid mir gegrüßt dort draussen, bis auf ein nächstes Mal! Nach dem Löschen der Kerzen bleibe ich noch ein wenig sitzen und schaue einfach so vor mich hin und zur Stubentür. Ich habe das Gefühl, daß dort was ist … nein, natürlich ist dort gar nichts … aber es ist doch auch nicht nichts … Merkwürdig, diese Türe ist mir immer schon ein wenig unheimlich gewesen, keine Ahnung warum.

In meinen Kopf schiebt sich langsam das Bild von einem Menschen, groß, hager, dunkel gekleidet, von vorne, schaut er mich an? Ja, er schaut mich an, bleibt stehen, unbeweglich, sagt nichts. Keine Ahnung, wer das sein könnte, ein sehr ernster, eindringlicher Blick aus hellen Augen. Ich schalte den Fernseher ein und schaue einen Film an, der Mann in meinem Kopf und an der Stubentüre bleibt noch eine Weile, dann geht er hinaus, er dreht sich dabei aber nicht um, sondern geht langsam rückwärts hinaus und verschwindet.

Später, als ich die Stiege hoch gehe, sehe ich, daß von irgendwo im unergründlichen Sammelsurium alter Bücher etwas herausfällt. Eine Barytaufnahme, darauf: ein fremder Mann.

 

 

 

Domainumzug Graugans

An alle Menschen, die mich zwischen Himmel und Erde besuchen!

Ab sofort ist die Graugans unter eigener Domain erreichbar:

https://www.graugans.org

Die bisherige Adresse (www.helminger-projekte.com/Graugans) ist derzeit auf die neue Adresse umgeleitet. Ich bitte Euch, die neue Adresse in Euren Linklisten zu aktualisieren, da die alte Adresse zum Ende des Jahres nicht mehr abrufbar sein wird.

Beim Umzug sind zu meinem allergrößten Bedauern die bisherigen Likes verschwunden.

Die neue Likefunktion wird demnächst wieder verfügbar sein und ich hoffe so sehr, daß Ihr mir dann auch wieder Eure Lichtzeichen schickt!

Bitte ändert auch in den Blogrolls, in denen ich freundlicherweise vorkommen darf, meine Adresse!

 

Viele liebe Grüße und bleibt mir bitte auch weiterhin gewogen!

Hedschebetsche

Ein wildes Geflatter, Tirillieren und Tschilpgesänge in den Obstbäumen heute , die Krammetsvögel sind also auch schon da … kleine schwarze Federwesen, ich glaube, es sind Drosseln, picken hoch oben das heraus, was von den ca. 20 Zentnern Obst noch an den Ästen hängt. Alle Katzen hocken unten und sehen in eine Richtung, im Blick förmlich die Sehnsucht nach zarten Vogelbrüstchen …

Die wilden Rosen bilden Tore, untereinander und zu allem, was sonst noch wächst und so lang an einem Fleck stehenbleibt, bis eine Ranke sich herumschlingen kann. Wer oder was soll hindurchschreiten oder sind es Brücken, damit eines das andere berühren kann? Die Hagebutten färben sich heftig mit obszönem Rot und bringen das Blut in Wallung bevor es der langen Dunkelheit entgegengeht. Rot, prall und hart mit schwarzen Kappen recken sie sich aus den stacheligen Zweigen. Im nahen Österreich heißen sie mancherorts „Hetschebetschen“. Auf unserer Seite der Grenze gibt es diesen Namen nicht, aber als Kinder sagten wir oft „hetschibetschi“, wenn wir schadenfroh waren, dabei rieben wir die Zeigefinger verkreuzt aneinander..

Viele Jahre ist es her, da fuhr immer um diese Zeit eine sehr kleine Frau mit einem großen Rad frühmorgens bei uns vorbei in Richtung Hügel. Sie ging hinauf zu den Hecken und pflückte den ganzen Tag Hagebutten. Man mußte ganz nah hingehen, um sie überhaupt zu sehen, sie war so verschmolzen mit den Büschen als wäre sie einer von ihnen. Auf die Frage, warum sie nie von den scharfen Dornen zerkratzt würde, gab sie eine geheimnisvolle Antwort … ich erinnere mich nur noch daran, daß es wohl mit der Haltung zu tun hatte, mit der man sich so einem Dornenstrauch nähern dürfte. Gesagt hat sie ansonsten nicht viel, nur, daß der Wein solang in den Ballons bleiben müsse, bis die Hagebutten dreimal auf- und dreimal abgestiegen seien, erst dann wäre er reif und man könne ihn trinken. Am Abend fuhr sie wieder bei uns vorbei, beladen vorne und hinten mit vollen Taschen und am Buckel einen großen Rucksack. Sie kam immer ein paar Tage hintereinander und das jahrelang. Irgendwann kam sie nicht mehr.

Eine, die ich kannte, ist gestorben. Ihr Bruder entsorgt den Nachlaß und verschenkt das Meiste, um es nicht in den Container werfen zu müssen. Ich komme in die Wohnung, als nur noch die Bücher übrig sind. Einige tausend stehen da, keiner will sie, nur mühsam leeren sich die Regale. Während der abgestorbene Leib von M. im Kühlschrank des Beerdigungsinstitutes auf die Einäscherung wartet, gehe ich in ihrer Wohnung an den Regalen entlang durch ein ganzes Leben. Ich nehme Schachteln mit leeren Postkarten mit und Briefpapier, viele Bücher und etliches, was sonst niemand will, nur damit es nicht weggeworfen wird, Marionetten, Kerzen etc. nichts Persönliches, keine Fotos oder Tagebücher, die Wohnung ist geputzt und aufgeräumt, nichts mehr erinnert direkt an M. und trotzdem überflutet mich beim Durchsehen der Bücher plötzlich eine Welle von Schamgefühl, als hätte ich unberechtigt die Tür geöffnet zu einem Raum, dem intimsten, den ein Mensch nur haben kann: die grenzenlose Einsamkeit.

Sehr warm ist es tagsüber, aber am Abend kommen schon die Nebelschwaden von Osten her in das Tal und bald werden sie ein Meer bilden.

Der Sommer ist vorbei und der Herbst ist gekommen. Waage geht über das Land und prüft, was zu leicht, was zu schwer, was es wert ist, in die dunkle Zeit mitgenommen zu werden und was wir besser zurücklassen sollten.

Das Leben ändert ständig seine Richtung und stellt sich immer mehr als eine nie endende Abfolge von Verlusten dar, eine ewige Übung, loszulassen … alles … und das Geheimnis: nur das, was wir verabschieden, können wir auch wieder begrüßen. Und manchmal ist auch Wehmut angesagt, finde ich, die gehört einfach auch zum Leben.

Die Riederinger Sänger, die diesen magischen und uralten Männerviergesang so beherrschten, daß es mir durch und durch geht, die gibt es in dieser Formation leider nicht mehr, aber das wie ich meine, allerschönste ihrer Lieder, das habe ich jetzt wieder gefunden, nachdem es jahrelang verschwunden war. Diese Art zu singen, in der Tradition der Alpenländer, hat ganz alte Wurzeln. Man muß nicht unbedingt „schamanisch“ dazu sagen, wie es jetzt modern ist, um zu erklären, daß es selbstverständlich schon in vorchristlicher Zeit Gesänge gab, die dazu dienten, sich mit guten Kräften zu verbünden und gegen die Angst anzusingen.

Versuch, zu „übersetzen“, was nicht zu übersetzen geht:

Der Sommer ist hinausgegangen
ich muß hinunter ins Tal,
Pfiati Gott (adjeu) meine liebe Alm (Sommerweide im Gebirge)
Pfiati Gott tausend Mal
schön still ist´s schon geworden, ja
kein Vogerl singt mehr, ja
und es weht schon der Schneewind
vom Wetterstein her (Hochgebirgsmassiv in den Alpen)

So hart, wie´s heut´für mich ist, ist es noch nie gewesen,
ganz so, als sollt ich meine Alm heut zum letzten Mal sehn
und müsst ich gar bald
schon zur Erd und zur Ruh, ja
dann deckt mich mit Felssteinen und Almblümerl zu, ja
dann deckt mich mit Felssteinen und Almblümerl zu.

 

Und dann kommt der Jodler, der mit dieser Magie des Hinauf- und hinübersingens die Verbindung herstellt zu einer anderen Welt für die, die gegangen sind.

 

my fickle friend, the summerwind …

 

 

 

In ihrem erdfarbenen Kleid sitzt sie auf einem Stein  und schaut über das Land. Viel Arbeit wartet auf sie, Löwe hat seine ungebändigte Lust am Leben ausgeschüttet, wie immer ohne Maß und Ziel und ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden, was mit dieser Fülle geschehen soll. Die Früchte des heissen Sommers hängen schwer und üppig an den  überladenen Ästen, mehr und mehr fällt das überreife Zuviel an Allem zu Boden … ein leichter Geruch nach fauliger Süße weht durch die Luft. Nach einer ersten Analyse werden die Hände der Jungfrau zupacken und wie immer wird sie ihre exakten Systeme zur Vorratshaltung walten lassen und Ordnung machen in diesem Durcheinander von allem, was vom Sommer übriggeblieben ist. Nicht alles ist verwertbar, was so herumliegt, zu schwer gewordene Träume und allerlei Illusionsspuk wirft sie in die Luft, manch einen Schmerz läßt sie beim faulen Obst liegen, Liebe, die noch glüht, klaubt sie auf und berwahrt sie in ihrem Herzen bis ihre Zeit reif ist. Behutsam und liebevoll wird sie die Gaben mit ihren heilenden Händen ordnen und sie zu gegebener Zeit an Waage weiterreichen.

Unter einem Busch kriecht Löwe hervor, müde legt er seinen mächtigen Schädel auf ihre Knie, behutsam streicht ihre Hand über sein struppiges Fell. Du hast mir Dein Geheimnis anvertraut  und Du weißt, ich werde es gut behüten … ihr goldener Kamm gleitet durch seine verfilzte Mähne, sein Leib dehnt und streckt sich, ein kurzes rauhes Brüllen, und schon ist er auf und davon, in großen Sprüngen über die Hügel.

Der ganze Tag war düster, auf einmal funkelt es golden durch die Regenwolke, ein letzter Hauch warmer Sommerwind spielt mit ihrem Haar und streichelt ein Lächeln in ihr Gesicht. Du Gaukler, denkt sie.

Now, Baby Blue …

Gewidmet dem geliebten Herrn Graugans in großer Dankbarkeit!

Brütende Hitze in der Scheune, dem ehemaligen Heuboden des alten Hofes, ich stehe im Dämmerlicht auf dem verrutschten Teppich, der mal Tanzfläche war und sehe mich um … keine Spuren mehr vom großen Fest, das hier stattgefunden hat. Ein paar vergessene Flaschen umgefallen in einem Eck,  ein Schild „Route 66“ leuchtet auf, als ich an ihm vorbeigehe, eine kleine rote Blume aus Krepp liegt am Boden vor den ordentlich an die Wand gelehnten Tischen und Bänken … ein Tiger aus Pappmaché lehnt an einem Mauervorsprung, Sonne, Mond und Stern, ausgeschnitten und mit Alufolie verkleidet, drehen sich an einer Schnur über mir, alles steht an seinem Platz, der kleine alte Traktor riecht nach Motorenöl, und in der Luft liegt der vertraute Geruch nach altem Holz und Staub. Das Fest ist längst vorbei, alle Gäste sind in ihre Leben heimgekehrt, die nicht enden wollenden Dankesreden für das Glück dieser Musiksommernacht werden weniger, der Rausch ist vorüber; wenn der Höhepunkt erreicht wird und keine Steigerung mehr möglich ist, dann geht es zurück ins Tal der normalen Wirklichkeit.

Ein außergewöhnliches Fest, schade, daß es schon vorbei ist, ich hätte gerne immer weitergetanzt, alles vergeht so schnell … da stehen ja noch die Boxen … „you must leave now, take what you need, you think will last, but whatever you wish to keep, you better grab it fast …“

Ein Schnur fällt von irgendwo herunter, daran hängen zwei ramponierte Lampions, die über den Boden torkeln und sich aneinanderklammern, wie die Paare dieses Wettbewerbs im Dauertanzen in diesem Film, dessen Titel mir nicht mehr einfällt. Love and Peace steht an der Wand.

Ich bin alleine, ich spiele das Lied immer und immer wieder, die Stimme von Eric Burdon dringt mir ins Herz, warum werde ich denn auf einmal so unendlich traurig? Ich beginne, mich langsam zu bewegen, wie in Trance drehe ich mich im Kreis und sehe Eure glänzenden Augen … es ist leicht, ein schönes Fest für Menschen zu machen, die mit soviel Bereitschaft zur Freude kommen. Monatelang haben wir diese Nacht vorbereitet, aber als die Gäste dann pünktlich alle miteinander dastanden, ist Herrn Graugans und mir so ziemlich alles entglitten, das Essen war noch im Kühlschrank, das Bier war warm und ich stand herum, vollbepackt mit Geschenken, schwitzend und aufgelöst vor Glück. Aber durch schnelles und beherztes Eingreifen meiner wunderbaren Freundinnen war alles schnell da, wo es sein sollte, bis auf die Ananasbowle und das scharfe Chilli con Carne, beide wurden erst am nächsten Tag erinnert. Unglaublich, wie die Idee angenommen wurde, ein Fest zu gestalten, an dem die Musik der absolute Mittelpunkt ist! Ich kann mich nicht erinnern, daß in den letzten 50 Jahren Feste am Hof so viel und so lang getanzt wurde, manche tanzten überhaupt das erste Mal im Leben so ausgiebig, Frauen tanzten miteinander, Männer vergnügten sich herumlehnend und manche blieben einfach sitzen und strahlten den ganzen Abend vor sich hin … was für ein Publikum  auch für den Master of Music, den wunderbaren Mr. Sam Hawkins, der sich für den Job des DJs von mir einfangen ließ, weil er ein gutmütiger und liebevoller Freund ist und mir diesen Wunsch erfüllen wollte. Er hat sich damit unglaublich viel Arbeit aufgeladen und in der Recherche nach Musiktiteln sind wir beide ein wenig größenwahnsinnig geworden und letztendlich hat er dann ca 35 Std. „Material“ mitgebracht … wir  werden mehrere Feste brauchen, um alles abzutanzen … lieber Mr. Music, Du weißt, alles geht ja jetzt erst richtig los und einer Weltkarriere steht nichts im Weg!

Alte und neue  Freundinnen und Freunde schleppten kleine und große Drachen an, Reisegeld und Proviant und Wegweiser, um ja nicht die Richtung zu verlieren auf der Route 66 und in einer alten klapprigen CD Hülle fand sich eine selbstzusammengestellte Kostbarkeit, die mich an zärtlicher Hand durch den Soundtrack der Jahrzehnte zur 66 führt und mich darüber hinaus begleitet durch alles, was so daherkommt am Weg, Dank lieber Freund für Dein gutes Gespür.

Ein Fest der glänzenden Augen ist es geworden. Alles, was zum Leben gehört, durfte mitgebracht werden, manchen gelang es, ihre Sorgen abzustreifen wie ein paar alte Schuhe und sie tanzten barfuß weiter.

„Leave your stepping stones behind there, something call´s for you…“

Die Sonne steht im Löwen, da hält sie sich gerne auf, denn sie ist seine Herrin. Alles ist reif und trägt Früchte, das Leben strömt aus sich selbst heraus und verschenkt sich im Übermaß, es ist eine Zeit der Fülle, des Gebens und Empfangens.

Eine heiße laute Rocknacht habe ich mir gewünscht, alle haben mitgemacht, um sie mir zu schenken und hatten selber viel Spaß dabei. Ob Menschen sich freuen, ist überhaupt nicht planbar, im allerhöchsten Fall kann es gelingen, eine Atmosphäre herzustellen, die Freude und ein paar Glückstupfer möglich machen, alles andere geschieht , weil es geschieht. Nie werde ich vergessen, wie es sich anfühlte, die lange Version „In la Gadda da Vida“ zu tanzen. Dieses Geschenk verdanke ich einem Master of Music, der trotz Gemurre aus dem Publikum erkannte, daß da ein paar Menschen sich freitanzen wollen… ein großes Glück, so einen DJ zu haben, der die Kunst beherrscht, auch mal nur für wenige dazusein, ohne die anderen zu vergraulen. Ich tanzte zwischen zwei Wassermännern und es war ein unglaubliches Erlebnis, die Qualität des Geistes, die Vision, die mit anderen geteilt wird, zu spüren, die Kraft der Luft … ich war mit den Füssen am Boden und mit dem Kopf im Himmel und es war so schön, ich konnte spüren, wir sind viele und wir können die Welt gestalten … meine Güte , irgendwie wirkt eine kleine Ahnung in mir nach, um was es gehen kann im Zeitalter des Wassermann… „…ich stellte einen Fuß in die Luft und sie trug“ (H.Domin)

… und auf einmal sprang hinter der Maske eines anständigen braven Bürgers ein wilder junger Kerl hervor und legte ein Luftgitarrensolo hin auf der Mitte der Tanzfläche, grandios und leider einmalig … aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend…

… es ist finster geworden am alten Heuboden, ich zünde eine Kerze an, tanze und tanze und bin glücklich und traurig zugleich …

the highway is for  gamblers, better use your sense“, ja, jetzt bin ich also auf der Straße, alle haben nochmal gewunken und jetzt muß ich sie abschreiten, die 66! Was wird am Straßenrand alles warten auf mich, werde ich die Steine im Weg bewältigen, werde ich endlich ein paar Verhaltensweisen verändern können, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen, oder sollte ich mich einfach so mögen, wie ich bin, höchste Zeit wirds ja, nicht wahr?

„Leave your stepping stones behind there, something calls for you … strike another match go start anew … and it´s all over now, baby blue …“ (B.Dylan)

Und dann hör ich mir das Lied nochmal an, laut, und als Eric Burdon singt: Crying like a fire in the sun, da wirds mir so weh ums Herz, daß ich weine und weine und alles fällt von mir ab, die ganze Aufregung der letzten Wochen und ich bin so glücklich, so viele wunderbare Menschen zu kennen und trotzdem fühle ich mich gerade so einsam , ausgesetzt auf dieser leeren Straße und dann steig ich aus meinem Kleid und tanze nackt weiter und sage, Du alte Löwin, Dein Pelz ist durchlöchert von den Einschlägen und Deine Formen sind lang schon nicht mehr das, was sie mal waren, manchen Leuten gehst du gewaltig auf die Nerven, weil Du Dein Maul nicht halten kannst, Du hast immer viel zuviele Worte und viel zu viele Gefühle und für Dein Alter auch noch viel zu viele Fragen, Du verschenkst Dein Herz für eine kleine Schmeichelei, Du läßt dir die Show stehlen und stinkfaul bist Du sowieso, Dein Herz ist viel zu groß , Du  bist eine Jägerin und verschenkst die Beute , aber Du brennst, alte Löwin, dafür liebe ich Dich, und die, denen es ebenso geht, die sollen am nächsten Fest mit Dir tanzen, die anderen können sich verpissen!

Die alte Löwin leckt sich genüßlich die Pfoten , trocknet die Tränen und so nackt wie sie ist, tut sie den ersten Schritt, denkt: Honkytonk ist überall, wenn der Lippenstift das richtige Rot hat und schmeißt sich in den warmen Wind, der ihr vom Highway entgegenweht …

Herzensdank an alle, mit denen ich Freude und Glück, Lachen und Weinen teilen darf und die mir mit diesem Fest ein Wunder geschenkt haben!

 

ach ja … „a sigh is just a sigh“ …

Automassen wälzen sich von der ständig verstopften Autobahn über alle Bundesstraßen durch das Tal, Tag und Nacht. Seit April schwebt die Idee des Jahrhundertsommers über dem Land und erzeugt massiven Wohlfühl – Leistungsdruck. Ich stehe stundenlang im Stau und blicke in mißmutige, abgehetzte Gesichter, denen dort, wo sie herkommen das Glück weggelaufen ist und die wohl meinen, wenn sie ihm möglichst schnell hinterher rasen,  könnten sie es einholen … man bewegt sich einfach mal in Richtung Süden, und wenn man der Autobahn München – Salzburg folgt, dann wird schon irgendwann das Mittelmeer auftauchen, da wird es dann an die Strände gespült … das Glück … und mit ihm die Leichen von den Ertrunkenen, die  über´s Meer gekommen sind, auch sie getrieben von der irren Hoffnung, es könne ein wenig Glück für sie am Strand übrig sein. Alle paar Tage schwemmt es tote Babies an, wer kann das noch aushalten ohne schreiend durch die Gegend zu laufen.

Ich lebe in einem sehr schönen und sehr reichen Bundesland. Täglich wird in Bayern eine Fläche von ca. 14 Fußballfeldern zubetoniert mit Gewerbeparks, die kein Mensch braucht und mit unzähligen Einfamilienhäusern mit beheizten Doppelgaragen mit Blick auf die Berge. Den Kühen werden die Hörner weggebrannt, die saftiggrünen Wiesen sorgen mit fünfmal Mähen im Jahr für gleichbleibende Milchleistung, die unnütz ist und mies bezahlt.  Das Land ist reich an Industrie, florierendem Massentourismus, Schneekanonen , Alpenglühen, man pflegt sorgfältig die Klischees, trägt Dirndl, spricht charmantes südliches Hochdeutsch und fliegt im Winter auf die Seychellen. Nachbarshäuser haben Sprech- und Alarmanlagen, weil es  doch seit Jahren irgendwo paar Flüchtlinge gibt, die bedrohlich viel Geld kosten und von denen man nicht weiß, wo sie sich herumtreiben. Die Internetversorgung ist schlecht, deshalb verspricht der aktuelle Ministerpräsident, ganz viel Glasfaser nachschieben zu lassen. Im Herbst ist Wahl. Die einen behaupten, sie hätten zurecht Recht und fürchten sich davor, daß das Volk den anderen noch vielmehr Recht gibt, weil die noch viel mehr zurecht Recht haben. Deshalb strengen sich alle recht an und stellen ihre Kraft zur Schau. Das politische Schmierentheater spielt eine lang geprobte Posse, ein Lehrstück aus dem Inneren des patriarchalen Tempels: ein ausrangiertes Alphamännchen, das sich für Gottvater hält, neidet seinem Nachfolger dessen an sich gerissene Macht und rennt wie Rumpelstilzchen um die Chefgöttin herum, die es seiner Ansicht nach nur gibt, weil ER sie erschaffen hat, die aber undankbar viel zu wenig auf ihn hört und ihn auch noch Kraft ihres Amtes falsch eingeparkt hat … die Handlung ist zäh, irgendwann kapiert niemand mehr, um was es eigentlich geht und warum das alles so ein Drama sein soll, die Rollen sind nicht sehr glaubhaft, am ehesten noch die der Chefgöttin, die in all dem Tohuwabohu aufgeregter Männchen und deren Speichelleckern bewundernswert die Contenance bewahrt.

Und während das Volk gebannt auf die Bühne starrt, treiben die Toten auf dem Meer und ein Schiff voller Menschen darf nirgendwo einlaufen, denn wir wollen es denen jetzt mal richtig zeigen, wenn sie nicht daheim bleiben, da wo sie herkommen, dann sollen sie halt ersaufen, gell, liebe Regierung, so soll es sein, so sichert man die Grenzen unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Meine Güte, wie ich mich schäme für all das,  ich verneige mich in großer Achtung vor dem Kapitän dieses Schiffes, der sich jetzt kriminalisiert vor Gericht befindet …

Endlich dieser warme Regen, er läßt die Last dieser Schwüle sanft zu Boden sinken.  Der Sommer ist eine Illusion, er hält nie, was er verspricht …  wenn er beginnt, hat er gleichzeitig schon seinen Höhepunkt überschritten und alles wird rückläufig … le petit mort … die Bezeichnung für den Liebesakt und die Sommersonnenwende … alles genauso flüchtig wie die Kirschen … kaum sind sie reif, geht alles ganz schnell, sie werden immer dunkler und süsser und noch süsser und schon sind sie eingetrocknet und es ist, als wären sie nie gewesen. Vier große alte Bäume voller Kirschen. Die Elstern hatten viel zu tun. Der Mond der reifenden Beeren wird sich bald zeigen und mit ihm wird mein Leben auf die Route 66 zusteuern.  Kaum haben wir in der längsten Nacht die roten Röcke fallenlassen und in wilder Nacktheit die Sonnenwende betanzt, kichernd die Gesichter geheimer Liebschaften im Wasser spiegeln gesehen und das Kräutlein, das unsichtbar macht gesucht … schon ist wieder alles vorbei und doch hat es soeben erst begonnen.

Selber alt geworden gehe ich herum im alten Haus, ich bin nicht alleine, viele Dagewesene  gehen mit mir, und ich freue mich auf die Kommenden, die bald die Räume mit Lachen und Plaudern füllen, viel ist noch vorzubereiten, aufzuräumen, um Platz zu schaffen. Ich finde einen großen Sack voller Zöpfe aus Flachs, Jahrzehnte lagern sie irgendwo, sind sie 50 oder 100 Jahre alt? Ihr Duft nach Stroh und Getreide steigt mir in die Nase und Bilder steigen in mir auf und überfluten mein Herz. Ich erinnere mich an Strohgarben, mit diesen ganz speziellen Stricken geschnürt, die am Ende so Holzklöppel hatten, blaue, rote, gelbe … ich rieche den Staub und den Sommer und den Schweiß meines Vaters, der sich sehr plagen mußte, um die Strohballen nach oben unters Dach zu werfen. Plötzlich spüre ich den Stoff seines Hemdes und seine kitzelnden Bartstoppeln, wenn er mich immer wieder hochhob, mich an sich drückte und mir ein großes „Zwickerbussi“ gab, weil er sein kleines Dirnderl einfach so liebhatte. Viele Spuren in die bäuerliche Vergangenheit führen durch Haus und Hof, viele Relikte künden von schwerer Arbeit , nehmen Platz weg, versperren den Weg und verstauben … und es gibt immer Menschen, die sagen: verkauft doch alles bei Ebay, das alte Zeug ist sehr gefragt oder werft doch den ganzen alten Krempel weg. Es gibt Dinge, wenn ich die in irgendeinen Container werfen täte, dann würde mein Herz mit hineinfallen.

Zur Bearbeitung von Flachs wurde in den Wintern in einem „Brechelbad“ gut eingeheizt, Wasser erhitzt und alten Geschichten nach gab es dann so eine Art Sauna und es wurde sich vergnügt und manch eine Lustbarkeit wurde ausgetauscht, diesen alten Geschichten zufolge, denn es wurde nicht nur Flachs, sondern auch Hanf gebrechelt … solange, bis die Kirche einschritt, dem Vergnügen ein Ende machte und die Kräuter- und liebeskundigen Frauen auf die Scheiterhaufen warf. Ganz in der Nähe unseres Hofes gibt es diesen Platz, wo das Brechelbad in ganz alten Zeiten stand, man erzählt sich, daß die Erde dort deshalb so schwarz ist, weil sie im Winter soviel einheizen mussten für das „Haar“! Wenn der Flachs von den hölzernen Stengeln befreit war, wurde er über solche Eisenraffeln gezogen, die noch bei uns herumhängen, er wurde gekämmt und hieß anschließend „Haar“.  Ich lasse die Zöpfe durch meine Hände gleiten und denke an die Königin im Märchen, die aus Flachs Gold spinnt  und an eine im Norden, die ich sehr mag , ich erinnere mich an ihren langen goldenen Zopf und an ihr Feenkleid … wie schön muß es sein, zusammen mit ein paar Frauen im Winter in der Stube zu sitzen und das Haar zu Fäden zu verspinnen und dann das rupfene Tuch daraus zu weben … begleitet von Lachen und Weinen und unzähligen Geschichten … die Zeit, wo kommt sie her, wo geht sie hin … geh ich neben ihr her, laufe ich ihr davon oder stecke ich sie in mein großes blaues Tuch, verknote die Zipfel und hänge es an meinen Wanderstab und gehe einfach weiter über Stock und Stein …

Wieviele Wege sich doch kreuzen in so einem Leben, denke ich, Menschen kamen auf mich zu, gingen an mir vorüber oder blieben ein wenig stehen, gaben mir die Hand, lehnten sich an, manche brausten mit Getöse in mein Herz vorne hinein und hinten wieder hinaus, manche ließen was da, manche nahmen alles wieder mit, manche blieben ein Weilchen, manche sorgten für Aufruhr und manchmal passiert es, daß sich jemand in meinem Herzen in einem Winkel zusammenrollt, ganz still ist, nichts tut und nichts verlangt, aber dann, wenn kalte Winde mich frösteln lassen, eine warme Decke hervorzaubert … ja, es wird nichts leichter, wenn man alt wird, der Körper verfällt zusehends und immer mehr erkenne ich, daß das Leben aus Abschiednehmen und Loslassen besteht, und ob das mit der Weisheit was wird bei mir ist bis jetzt nahezu ungeklärt, ich bin eine unverbesserliche alte Löwin, immer auf der Jagd nach Drachen, Sonne und Mond und dem Meer dazwischen und nach Musik, Worten und vor allem und immer wieder nach Menschen, von denen ich einfach nicht genug bekommen kann …  und ich bin immer hungrig, denn meistens hab ich auf halbem Wege Mitleid mit der Beute …

Und als jetzt mal ein lieber Freund einfach so sagte: „Du bist so wunderbar, hat Dir das eigentlich heute schon wer gesagt?“ … da hab ich mir gedacht: ich werde weiterhin Drachen jagen, schräge Musik hören und Menschen nerven mit unmöglichen Ideen … was kann mir denn schon passieren, solange es jemand gibt, der sowas sagt zu mir?

Und letztendlich ist es ja so: Herzensangelegenheiten kommen und gehen und manchmal bleiben sie.

 

 

 

 

 

Graugans & DSGVO

Pünktlich mit Inkrafttreten der DSGVO am 25. Mai 2018 wird es auf der Graugans einige Änderungen geben. Dazu an dieser Stelle ein paar Erläuterungen:

Die »Graugans« ist ein »selbstgehosteter Weblog« – alle Blogs auf wordpress.com sind Teil eines gemeinsamen Social Networks …

Der Vorteil unserer WordPress-Variante ist eine im Wesentlichen Unabhängigkeit von  Konzernen. WordPress ist eine kostlose Software, die von der Firma Automattic bzw. durch den WordPress-Erfinder Matt Mullenweg kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der Quellcode ist frei zugänglich, wodurch jeder Entwickler WordPress weiterentwickeln kann – die Weiterentwicklungen sollen jedoch wieder allen zur Verfügung gestellt werden. Was man für diese Variante benötigt, ist ein eigener Webserver und zumindest rudimentäres Know-How wie man WordPress installiert und später auch wartet. Das, was man installiert, ist letzten Endes eine ganz normale konventionelle Website – lediglich mit der Sonderfunktion der Datum-gesteuerten Artikelorganisation. Was nicht dabei ist, sind sog. SocialNetwork-Funktionen wie »Likes« und »Network-Benachrichtigungen«.

Womit verdient WordPress/Automattic sein Geld?

Das ist schnell erklärt: Automattic verfügt über große Serverkapazitäten und bietet die Möglichkeit kostenlose (einfache) WordPress-Seiten aufzusetzen. Mit dabei sind SocialNetwerk-Funktionen … ein Reader, Likes, etc. Das macht die Sache interessant, ist aber unter dem Aspekt des Datenschutzes teilweise problematisch. Über die Jahre entstand eine sehr große Community. Nichts ist aber umsonst – die Bezahlung sind die diversen Werbeeinschaltungen. Die bringen echtes Geld. Darüber hinaus wohl auch das Wissen über das Verhalten der vielen User – Stichwort »Datamining«. Zusätzlich gibt es dann noch Premium-Dienste für Business-Kunden…

Wie sieht die Verbindung zwischen der Welt der WordPress-Community und der Graugans aus?

Dazu gibt es das Jetpack-Zusatzpaket (»Widget«): Jetpack stellt die Grundfunktionen aus dem Social-Network wordpress.com auch für selbstgehostete Webseiten wie die der Graugans zur Verfügung. Nur dadurch gibt es die Funktion des »Gefällt mir« oder der E-Mail-Follower oder Gravatar auch für die Graugans. Jetpack ist sozusagen ein Hintertürchen in die WordPress.com-Welt, die des WordPress-Social-Networks.

Was für ein Problem gibt es jetzt durch die DSGVO ab dem 25. Mai?

Die DSGVO regelt jetzt erstmalig den Umgang mit personenbezogenen Daten von Grund auf. Das war schon längst überfällig. Bis 25. Mai bauen wir daher die Graugans so um, dass dieser Weblog komplett DSGVO-konform ist. Ein Impressum und eine Datenschutzerklärung wurde schon hinzugefügt, ebenso einige technische Änderungen »unter der Haube«.

Im Kern der DSGVO steht, dass von WebsitebesucherInnen ein Einverständnis eingeholt werden muß, wenn personenbezogene Daten erhoben bzw. weiterverarbeitet werden. Jetpack/wordpress.com generiert aber personenbezogene Daten, ohne dass diese wichtige Einverständnisfrage überhaupt gestellt werden kann. Der Websitebesucher kann nicht vorher gefragt werden. Deswegen ist das Jetpack-Widget in weiten Teilen nicht DSGVO-konform und wird daher auf der Graugans zum 25. Mai abgeschaltet. Dieser Schritt fällt nicht leicht, weil dadurch für das Blogging wichtige Funktionen wie z.B. die Likes und Informationen, wer aus »Bloghausen« schon da war, ebenfalls verschwinden und natürlich auch die automatische Information über neue Artikel. Die Social-Network-Funktionen fehlen daher zukünftig auf der Graugans. Die Graugans hofft aber, dass trotzdem geschätzte LeserInnen auch zukünftig vorbeischauen. Wir haben deswegen als (schwachen) Ersatz die Möglichkeit eines Browser-gestützten RSS-Feeds integriert.

Wie wird’s weitergehen?

Die DSGVO war notwendig. Jetzt stellen sich (teilweise viel zu spät) alle Akteure auf die neue Situation ein und erarbeiten Strategien, wie man mit der neuen Situation umgeht. In ein bis zwei Monaten wird es dann sicher auch ein neues DSGVO-Jetpack-Widget geben, das die jetzigen Probleme behebt. Dann sind wir wieder im Boot.

Nur ein abschließender Gedanke: Nicht die DSGVO ist das Problem, sondern der nicht transparente Umgang mit personenbezogenen Daten, die von vielen Anbietern wie wordpress.com gepflegt wurde – und: Ein mangeldes Bewußtsein zum Thema Datenschutz. Ich erinnere mich noch … in den 80er Jahren bin ich wegen der damaligen Volkszählung auf die Straße gegangen … heute sage ich »lächerlich« … und gebe freiwillig bei weitem mehr Daten von mir in der Öffentlichkeit Preis als damals in der Volkszählung abgefragt wurden!

Ein weiterer Aspekt: Ich kann nur den Schutz von meinen persönlichen Daten von großen Plattformen wie z.B. Amazon und Facebook fordern, wenn ich selbst in meinem Umfeld bereit bin, die Daten anderer zu achten und Wert zu schätzen!

Ein Gastkommentar von Herrn Graugans.

Berühre …

„Ich bin überzeugt, daß wir viel zu wenig langsam sind“. Robert Walser

Unter einer gelben Staubschicht läuft uns die Zeit davon …

Ostern so schnell vergangen, die Ausführlichkeit der Leidensgeschichte führt zum großen Höhepunkt, aber die Auferstehung, als Erlösung aus Tod und Verderben angekündigt, hält nicht, was sie verspricht und läßt mich alleine mit Worten, deren Bedeutung mich verunsichert. Die Frau aus Magdala geht zum Grab, um ihn zu salben, ihm einen letzten Liebesdienst zu erweisen, das Grab ist leer. Er steht vor ihr, aber sie erkennt ihn nicht, denkt, es wäre der Gärtner. Erst als er ihren Namen sagt: „Maria!“,  da spürt sie plötzlich, daß er es ist und sie wendet sich ihm zu, möchte … voller Liebe? … ihn berühren? … ihn gar küssen? … aber er weist sie streng zurück und sagt: „Noli me tangere“ (me mou haptou) … berühre mich nicht, halte mich nicht zurück, denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren … ja, das sollen in etwa seine Worte gewesen sein … dann verschwindet er wieder. Ich fühle ihr Herz schlagen.

Eine merkwürdige Begegnung, zwischen Leben – Tod – Leben; einer war drei Tage und Nächte begraben, dann erhebt er sich und ist weder tot noch lebendig, sein Körper darf nicht berührt werden, sonst … ? Ein Rätsel bleibt dieser Zustand, daß man einen Menschen vor sich hat, der nicht da ist, aber weg ist er auch nicht.

Das erinnert mich an dieses Koan: Du kennst das Geräusch, das zwei klatschende Hände machen … wie hört sich eine Hand an?

Eine Geschichte mit verschiedenen Ebenen, Jahrtausende hindurch wurde je nach Bedarf in ihr herum gedeutet, heraus- und hinein interpretiert, falsch übersetzt und Manches, Vieles, den Vorlieben der jeweiligen Herrschaft bis zur Unkenntlichkeit angepasst und verstümmelt, dessen bin ich sicher. Und trotzdem ist was geblieben, diese tiefe Erkenntnis, daß die Großen Mysterien in Wahrheit ganz einfach sind und förmlich vor meinen Füssen liegen … Der Dalei Lama hat mal gesagt, er würde sich wundern, warum die Menschen zu Tausenden  aus Europa nach Tibet kämen, um dort die Wahrheit zu finden, obwohl sie doch zu Hause Meister Eckardt hätten …

Der Weg geht weiter auf Pfingsten zu, da wird selbst mir, die alles Zauberische und Geheimnisvolle liebt, die Geschichte zu abstrus und ich freue mich auf weitere tiefe Gespräche miteinander und zueinander, mit wunderbaren Menschen quer durch alle Medien. Ich bleibe eine alte Agnostikerin, hungrig nach Wahrheit, nach Erkenntnis … und ich möchte wissen, was Pfingsten außer einem freien Tag mehr noch bedeuten könnte.

Ein paar Tropfen Regen, dem alten Wolf ist nach Heulen zumute, der Vollmond streut ein paar Kristalle in sein Fell.

Berühr mich, ich bin da. Der Mai streicht über unsere Haut. Küsse schmecken nach Blütenstaub.

 

„Was kann süsser sein als einen Freund zu haben, mit dem du alles, was in deinem Herzen ist, besprechen kannst wie mit dir selbst? Das ist wahr. „( Meister Eckhart, 1260 – 1327 )