Eigentlich hab ich heute nichts Wesentliches zum Sagen. Es ist weiterhin sehr heiß und extrem trocken und absolut ungewiß, wann und ob überhaupt mal wieder Regen fallen wird. Alle Bäche sind ausgetrocknet, das Wasser wird knapp, aber trotzdem werden die Pools befüllt und die Mülltonnen sauber mit viel Wasser gereinigt … wenn uns schon die Welt um die Ohren fliegt und in Europa die Wälder und Berggipfel abbrennen, so geschieht das zumindest mit hygienisch sauberen und ordentlich ausgespülten Mülltonnen.
Gestern rannten alle, die eine Verdunklungsbrille ergattern konnten zu den Plätzen, wo die übrigen hunderttausend Eventsüchtigen das Spektakel erwartet haben, um zum Himmel zu starren und dann zu klatschen. Ich war viel zu spät dran, bekam keine Brille mehr und bin daheim geblieben, auch weil mir diese Massenaufläufe zuwider sind. Daheim hab ich mir in letzter Minute sozusagen, eine Camera obscura gebastelt, weil mir alleine der Name schon so gut gefällt … eine obskure, dunkle und geheimnisvolle Kammer … naja, man könnte auch sagen, eine ganz primitive Lochkamera. Eine Schuhschachtel mit zwei kleinen herausgeschnittenen Fenstern, vor das eine ein Stückerl Alufolie geklebt und mit einer Stecknadel ein Loch hineingestochen und durch das andere Fenster kann man dann schauen und … welch ein Wunder … da erscheint dann die Sonne auf der gegenüberliegenden Schachtelwand. Sie war klein und anfangs rund, dann sah sie allmählich aus wie in der Mitte abgesägt und weiter ging es dann leider nicht mehr, weil sie hinter dem Hügel verschwand, um halt unter vermutlich großem Beifall der dortigen Menschenmenge, wie immer in den Chiemsee zu fallen am westlichen Ufer, ob mit oder ohne Mondschatten, das ist ihre Bestimmung. Mit der Camera obscura und ihrem geheimnisvollen Raum möchte ich weiterexperimentieren und bin froh, daß ich keine Brille bekommen habe … wer kann schon sagen, daß er mit einer Schuhschachtel auf Himmelsflug war.
Vom angekündigten Sternschnuppenregen habe ich auch fast nichts mitbekommen, aber dafür unzählige Flieger, die vom Salzburger Flughafen die Menschen ins sehnsüchtig erwartete ferne Irgendwo bringen sollten, weil ja Urlaubszeit ist und alle unbedingt „mal hier rausmüssen“! Dieses Hier rausmüssen ist mir gänzlich fremd, egal ob Land oder Stadt, ich hatte noch nie das Gefühl, irgendwo rauszumüssen. Zumindest war das noch nie ein Grund für mich, zu verreisen. Ich bin sehr gerne unterwegs, um eine Spur zu verfolgen oder was auch immer, aber niemals, weil ich es daheim nicht mehr aushalten würde.
Heute sind wir mit Freunden beim Lieblingschinesen in Salzburg gesessen, fernab vom Festspieltrubel und mit Klimaanlage in einer kochenden Stadt. Beim Heimfahren sind wir vor uns hinröstend in langer Schlange vorm Grenzübergang gestanden, weil ja Bayern alles kontrolliert, was ins Land hineinwill. Es erinnert extrem an früher, als man je nach Laune von den Grenzern schikaniert werden konnte und den Kofferraum ausleeren mußte etc. Dann kam die große Freiheit, wir waren ja mal ein gemeinsames Europa, oder wir dachten es wenigstens, und dann konnten wir einfach so durchfahren … einfach so durch die Grenzen, wir in Europa.
Jetzt ist es anders geworden und wir werden von den eigenen Landsleuten genauestens gesichtsgeprüft, ob wir womöglich irgendwie dunkler sind, schwarze Haare haben oder was weiß ich, auf was sie schauen und wer dann herausgewunken wird, weil der illegalen Einreise verdächtig, meine Güte, ich bin davon unangenehm berührt und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, daß ich womöglich froh bin, nicht in das verdächtige Schema zu gehören…
Am Parkplatz des Einkaufsmarktes auf der anderen Seite der Salzach, also auf unserer, da bleib ich bei geöffneten Türen im Auto sitzen und höre die wunderbare Kakophonie der Stimmen. Es sind soviele Sprachen unterwegs, fast alle steigen in Autos mit Kennzeichen Berchtesgadener Land, wie wir auch, und die wenigsten kann ich bestimmten Herkunftsländern zuordnen. Ich kann ein wenig erkennen, ob Italienisch mit verschiedenen Dialekten gesprochen wird, aber alle anderen weiß ich nicht, gehören sie nach Rumänien, Bulgarien Kroatien, ich schließe die Augen und höre den Männern zu, die miteinander plaudern und lachen und fröhlich sind und dabei ihre Sachen im Auto verstauen. Ich liebe es, wenn soviele Sprachen um mich herum sind , soviel Welt wird von woanders kommend zu uns hereingetragen, ich freu mich drüber und empfinde das als Bereicherung. Jaja, es sind auch Blöde dabei, ja und, hier sind auch genug Blöde, egal wo und wer, immer sind solche und solche unterwegs, so ist es halt, wenn Menschen zusammenkommen.
Und im türkischen Geschäft, wo Herr Graugans die Oliven kauft, sagt der Mann an der Kasse: Wie schön, daß Sie wieder da sind!
Liebe Grüße an die Frau Kraulquappe irgendwo oben unten oder an den Seiten der Berge oder auf den Straßen dazwischen unterwegs!






