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Die Ein . samkeit der Löwen

Der Mond der reifenden Beeren hat zwar schon eine Delle, aber noch sehe ich genug, um den Weg zu finden mit dem Rad und ohne Licht. Ich fahre gern durch den Wald in der Nacht. Würde die alte Austragsbäuerin vom Einödhof noch leben, hätte sie mir längst lachend hinterhergerufen: Gret, wo fahrst denn wieder hin, mitten bei der Nacht, aber heut hast ja Glück, heute begleitet Dich der Herr Mo‘ mit seinem Licht! Als ich am Tor zum Gottesacker vom Rad steige, ist er verschwunden hinter dem Kirchendach, es wird finster, nur die Turmspitze leuchtet wie eine Taschenlampe hinauf zum Himmel. Ich spüre die Glut des Löwenfeuers und ich weiß nicht, ob ich sie mitbringe oder vorfinde dort, wo sie der Tag bei den Toten zurückgelassen hat. Ich gieße die fleissigen Lieserln am Grab und versuche,  die Altvorderen liebevoll zu bedenken, Fremdgewordene, die ich in den Genen und in Erinnerungsfetzen mit mir herumtrage. Irgendwo hat eine Laune des Schicksals unter nicht sehr glücklichen Umständen zwei, die nicht zusammenpassten, trotzdem zueinander hingeschoben, und an diesem Kreuzungspunkt bin ich entstanden. Ich, das Löwekind, vor ein paar Tagen 68 Jahre alt geworden. Von denen, die hier begraben sind sagt keiner mehr was zu mir, verweht mit dem Staub, zu dem ihre Leiber längst geworden sind. Meine Mutter hat sich beklagt über die schreckliche Schwangerschaft mit mir und wie sehr sie meine breiten Schultern gequält hätten beim Gebären … Was tut ein Kind mit diesen  Vorwürfen?

Gottes Barmherzigkeit fällt mir plötzlich ein … die Erlaubnis, aus der Existenz herauszutreten in das Nichtsein. Wie der  kleine Wind, der mir  den verschwitzten Nacken kühlt, streicht mir die Erkenntnis wohltuend über die Seele, irgendwann, wenn die Zeit reif wie die Kirschen am Baum hängt, endgültig verschwinden zu dürfen.

Das Dorf ringsherum schläft bereits, elf mal schlägt die Kirchturmuhr, die schwarze Katze liegt regungslos auf einem der sonnenwarmen Grabsteine, ich weiche aus, um sie nicht zu stören. Da ist das frische Grab eines Mannes, den ich kannte. In meiner Erinnerung tauchen Fragmente eines Lebens auf … Früher war er öfters bei meinem Vater zu Besuch, sie haben sich stundenlang unterhalten. Dann waren sie zerstritten und er kam nicht mehr. Er ist oft auf die Jagd gegangen und oft saß er wie alle Jäger im Dunkeln irgendwo und spähte das Wild aus, und oft, sehr oft, hat er es totgeschossen und im Rucksack nachts heimgetragen. In der Stube hingen die Geweihe an der  Wand, herausgebrochen aus den Totenschädeln und exakt mit Datum versehen. Er hielt sich verborgen und dachte, niemand würde seine Verstecke kennen, hat er nie geahnt, wie genau ich wusste, wo er sich aufhielt? Ein Löwemensch wie er, habe auch ich mich schon immer gerne nachts irgendwo  herumgetrieben, das schärfte den Blick im Lesen der Schatten, ich tat dann so, als würde ich ihn nicht sehen und ich spürte im Vorbeigehen seinen Blick. Ich sah die Glut seiner Salem aufflammen, wenn er süchtig und gierig den Rauch inhalierte irgendwo am Waldrand. Einmal konnte er nicht mehr ausweichen und da sind wir uns begegnet bei Vollmond und dann standen wir da, von der Jagd kommend beide, mit dem Unterschied, daß seine Beute verblutet war …  und er  sagte, daß ihm der Kopf bei Vollmond immer so wehtue, so schlimm, das könne sich niemand vorstellen. Vor Jahren saßen wir beim Dorffest und er erzählte eine Geschichte von früher und vom Trinken des Selbstgebrannten und dann haben wir miteinander gelacht. Das war das letzte Mal, daß ich ihn gesehen habe bis vor einem Jahr, da saß er im Rollstuhl vor dem frischen Grab seiner Frau, das jetzt auch sein Grab ist. Wir haben uns angeschaut und da ist ihm das Wasser über das Gesicht gelaufen, fast unmerklich haben wir uns zugenickt.

Zwischen den beiden Begegnungen eskalierte die Situation mit seiner Familie, der jahrzehntelange Suff schwemmte eine ständig angestaute lebenslange Wut an, die irgendwann so über die Ufer trat, daß er das Haus verlassen mußte … er hatte Gewehre … er hat dann jahrelang im Altersheim gelebt und jetzt ist er gestorben. Früher mochte ich ihn, er wusste von alten Geschichten, konnte furchtbar schimpfen und sich mit rotem Kopf aufregen, gern hat er getrunken und geraucht;  wilde kleine Raubtieraugen hatte er in der Wut. Sein Lachen hielt er zurück, als ahnte er eine Kraft darin, die er nicht beherrschen konnte und die ihn unsicher machte. Aber wenn es nicht anders ging, mußte er grinsen und dann entglitt das Gesicht seiner Kontrolle und seine Augen verschwammen … damals dachte ich immer, es wäre der Alkohol … heute ist mir, als hätte etwas seine Brust gesprengt und sein Herz zerrissen, vielleicht wollte der Löwe in ihm brüllen vor Lust und Sehnsucht und da ja das Lachen dem Schmerz sehr nahesteht …

Roh ist er geworden, hart, mißtrauisch und die Sauferei machte ihn böse und cholerisch, ich kann nur ahnen, wieviel Leid und Qualen dadurch entstanden sind bei denen, die sich nicht wehren konnten. Die Frauen in seiner Familie haben alles erduldet, das Bier und den Schnaps hingestellt und sich anbrüllen lassen, er war der Herr am Hof, es geschah alles nach seinen Worten. Viele ahnten was, sagten aber nichts. Es gibt das Wort: unter jedem Dach ein Ach, sonst war ja nach außen immer alles in Ordnung, sauber, und aufgeräumt und ständig geputzt. Warum wird einer so? Seine Mutter hat ihn geliebt und immer, immer zu ihm gehalten … jetzt hat sie ihn wieder bei sich, mit der Schwiegertochter teilt sie sich das Grab mit ihm und mit seinem Vater. Und es gab da woanders noch einen, dem sah er ähnlicher als dem Vater. Auch er schon lange Staub … Staub zu Staub.

Jetzt ist er tot. Vom Grab steigt süßer Blütenduft aus den Kränzen mit wunderschöner Blumenpracht. Es ist vorbei. Ruhe in Frieden …  Auf dem großen Foto von ihm zwischen den Blumen steht das Geburtsdatum und was für ein Zufall, gerade heute hätte er Geburtstag. Mir ist, als stünde er da, an den warmen Grabstein gelehnt, und mit diesem leicht spöttischen Lächeln schaut er mich an …

Auch bei denen, die hart und böse geworden sind, ist das Herz ein ganz eigener Erdteil, schlecht zu kontrollieren … und ich wollte Dich immer gern zum Lachen bringen, weil ich das so gerne gesehen hab, wie es in Deinen Augen geschwommen ist, mit all seinem Schmerz, dieses weiche Löwenherz. Es ist mir nicht oft gelungen.

Und jetzt mußt Du gehen, hier ist die Jagd vorbei, sage ich. Servus Max.

Sein Lachen und Weinen verschmelzen in mir zu einem Bild, das mich unruhig macht und mich frösteln läßt.

Und dann dreh ich mich um und gehe hinaus. Die Kirchturmspitze leuchtet immer noch, keine Ahnung, woher dieses Licht kommt. Als ich mich aufs Rad setze, schwimmt auch schon der Mond heran zum Heimleuchten.

Wo ist eigentlich  der Löwe in mir, denke ich beim Heimfahren. Ich werde ihn besuchen, in meinem Schloß (Radix) ist er der König  … die Musik ist schon bereit und die Bühne beleuchtet mit goldenem Licht … dort wird er mich hoffentlich erwarten und wir werden mit aller Lust den Sommer vertanzen.

Als ich das Buch in die Hand nehme schlägt es sich auf und ich lese:

„…seines Sebst, in das er heimkehren will und heimkehrt
für immerdar,
hineingehalten in das Jetzt seines eigenen Sinnbildes,
auf daß es ihm zur steten Wirklichkeit werde;
denn es ist das Trotzdem seines Aufrufs,
in das der Mensch hineingehalten ist,
das Trotzdem des Eingekerkerten,
das Trotzdem seiner unverlöschlichen Freiheit
und seines unverlöschlichen Erkenntniswillens,
so unbeugsam,
daß er größer als die irdische Unzulänglichkeit wird …“

Hermann Broch, Der Tod des Vergil

 

 

 

Awesome Blogger Award …

Maren Wulf, die einen Blog betreibt, den ich gerne besuche, weil ich dort Bilder und Texte vorfinde, die mich auf leise Art ins Innere der Dinge reisen lassen, hat mir fünf Fragen geschickt, die sie an bloggende Menschen richtet, ich will sie gerne beantworten.

 

1. Was bedeutet Dir das Bloggen?

Ich habe viel nachgedacht über diese Frage und drehe mich im Kreis, weiß nicht, was ich darauf sagen soll.
Ein Zitat geht mir plötzlich durch den Kopf und schiebt sich aufdringlich vor meine Antwort:
„When you get there,
there is no there,
there“
(Gertrude Stein)

Was bedeutet mir das Bloggen?

Der Blog ist ein öffentlich einsehbares virtuelles Medium, dessen Plattform ich kostengünstig auf meiner HP bespielen kann. Das Bloggen hat nicht mehr Bedeutung für mich, als dieses Medium zu bedienen und es beginnt wie immer und überall mit dem sprichwörtlichen weißen Blatt Papier… Meine Freude beim Bloggen entsteht, wenn ein schöpferischer Prozess sich immer weiter gestaltet, zu einem befriedigenden Ergebnis führt und durch wohlwollende Likes gesagt wird: Du, ich habe Deine Arbeit bemerkt! Der Nachteil dieses Mediums ist seine Flüchtigkeit, d.h. es zählt nur, was chronologisch oben steht, der Eintrag von gestern ist unsichtbar und schnell vergessen.

Manchmal hab ich Lust, Texte, Bilder zu veröffentlichen und nicht nur für die Schublade zu arbeiten. Manchmal hab ich Sehnsucht nach anderen Menschen und ihren Geschichten, dann besuche ich sie in ihren Blogs und manchmal will ich mit anderen experimentieren ; dann erträumt sich die Zauberin in mir eine imaginäre Bühne zwischen Himmel und Erde und sendet einen Ruf hinaus ins All … und wenn dann alle kommen und am Feuer das Traumgarn spinnen oder die Feen mit ihren Zauberstöcken anreisen, dann ist das jedes Mal ein Fest und ich empfinde tiefe Dankbarkeit für diese Möglichkeit der Begegnung.

Ob sich aus diesen sogenannten „sozialen Netzwerken“ wirklich tragfähige soziale Verbindungen, wenn nicht sogar Freundschaften entwickeln lassen, liegt nicht am Medium, sondern am Einsatz der Beteiligten und hat zu tun mit Vertrauen, Ehrlichkeit, uneingeschränkter Zuneigung und viel viel Zeit , die man investiert, indem man sie herschenkt, aber das ist ja nichts Neues.

 

2. Wenn dein bisheriges Leben ein Buch wäre, welchen Titel hätte es?

„Was mache ich hier? (B.Chatwin) oder :  die Frau mit der Katze kommt um halb drei.“

 

3. An welchen Ort würdest du gerne nochmal zurückkehren?

Ich würde gerne an einen Ort „zurück“- kehren, den ich aus visionären Traumreisen kenne, von dem ich aber nicht weiß, ob er in der realen Welt existiert. Tatsächliche Reisen, die mich ins Tal der Könige und zum Sinai führten, Fotos von der alten Stadt Petra und ein unheimliches Erlebnis im Pergamonmuseum in Berlin hatten mit diesem Ort in irgendeiner nicht erklärbaren Weise zu tun … und manchmal zieht es mich sehr stark nach Israel. Sollte ich irgendwann eine Möglichkeit für eine Reise dorthin bekommen, dann werde ich sie ergreifen. Der Sehnsuchtsort liegt am Fuß von rotgoldenen Felsen und es herrscht trockene Wüstenluft.

 

4. Wann hast du zum letzten Mal Neues über dich erfahren? Was war das?

Mir fällt dazu nur ein, daß vor Monaten einer, den ich sehr schätze, zu mir gesagt hat: „Du bist ein Segen!“ Ich weiß nicht, warum er das gesagt hat und ich wollte auch nicht fragen. Es ist einfach eine mir neue, besondere Sicht auf mein Sein, die ich gerne so stehen lasse .

 

5. Gibt es etwas, das du immer tun wolltest, aber bisher nie getan hast?

Da gibt es schon etliches, das meiste ist streng geheim…

Was ich hier in der Öffentlichkeit sagen will sind zwei ganz wichtige Wünsche, die leider durch diesen Coronazirkus schier unerfüllbar bleiben:

1. Auf einer Bühne Texte vortragen im Zusammenspiel mit  einem/r MusikerIn, der/die den Mut und das Können zur freien Improvisation mitbringt und nicht nur den Text begleitet, sondern absolut eigene Wege gehen mag!

2. In einem Independent Musikclub , den ich erst kürzlich wiederentdeckt habe, ganz in der Nähe, die Nacht durchtanzen! Erfordert einen Mut, den ich leider viel zu lange nicht hatte… in meinem Alter…puuh! Aber als ich diese DJs jetzt im Netz gesehen habe, was die mit unglaublicher Musikleidenschaft in einem coronabedingt komplett leeren Lokal aufgeführt haben, da dachte ich: wenn ich das alles und noch viel mehr überlebe, mich zum Zeitpunkt der Wiedereröffnung auf den Beinen halten kann und sie mich reinlassen, dann werd ich mich da auf die Tanzpiste werfen! REALLY!!!!!

Herzlichen Dank nochmal an Dich, liebe Maren, für die Fragen, die so harmlos daherkommen, mich aber ganz schön beschäftigt haben! Ich möchte niemanden nominieren, weil mir auch keine Fragen einfallen, die nicht irgendwer schon längst gestellt hat …sondern das einfach mal in all seiner Unvollkommenheit hier so stehen lassen!

Im Wald. Wir. Zusammen.

Vorgestern war sein Todestag. Henry David Thoreau. Am 12. Juli 1817 wurde er in Concord, Massachusetts, geboren und dort ist er auch gestorben, am 6. Mai 1862. In diesen 44 Jahren schmiss er seinen Lehrerberuf hin, weil er die damals üblichen „unerläßlichen Züchtigungen“ nicht ausüben wollte; bezahlte Steuern nicht, um weder Mexikokrieg noch Sklaverei zu unterstützen; hielt Vorträge , in denen er  zu Widerstand aufforderte („über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“) war rebellisch, unbequem, anarchistisch und seine absolute Wahrhaftigkeit war sicher nicht schmerzfrei für seine Mitmenschen. Mein Vater hätte  über ihn gesagt, daß er „ein schwieriger Patron“ gewesen sein muß und Ralph Waldo Emerson, sein enger Freund, sagte :

„Er führte ein Leben voller Entsagungen wie nur wenige Menschen. Er hatte keinen Beruf erlernt und lebte allein. Von einem schönen Haus, Kleidung, Sitten und Gesprächen höchst kultivierter Menschen hielt er nichts. Er traf sich lieber mit einem „guten Indianer“. Zeitlebens hatte er kein einziges Laster. Wenn er mit anderen Menschen zusammen war, widersprach er ihnen fortlaufend, was für andere wie eine Abkühlung wirkte und ihnen die Annäherung an Thoreau erschwerte … Er sprach nichts als die Wahrheit und handelte auch entsprechend. Er kannte keinen Respekt vor den Meinungen anderer Personen oder Parteien und huldigte ausschließlich der Wahrheit selbst. „

Er wurde als Gesellschaftsrebell, Drückeberger, Widerständler und vieles mehr bezeichnet , sein Abscheu gegen die damals noch durchaus salonfähige Sklaverei ging so weit, daß er Sklaven zur Flucht verhalf und daß er sich viel lieber mit Bauern über Details im Ackerbau unterhielt als mit der Bildungsbürgerlichkeit machte ihn sicher zu einem eher unbeliebten Staatsbürger. Heute wird er weltweit wegen seines Sprachstils, seiner Kunst, das beobachtete Leben zu beschreiben geschätzt. Und mir kommt es so vor, als würde er heute genau für das geliebt und verehrt, für das man ihn damals abgelehnt hat.

Ich kannte ihn gar nicht. Ich wusste, daß es einen Amerikaner gab, der in der Nähe von Boston irgendwo im Wald an einem See auf dem Grundstück eines Freundes sich eine Hütte baute, dort alleine für ein paar Jahre hauste und darüber ein Buch geschrieben hat.

Jetzt, nach dem Lesen seiner Worte verstehe ich nicht mehr, wie ich es so lange Jahre ohne dieses Buch ausgehalten habe: „Ich zog in die Wälder, um beim Sterben vor der Entdeckung  bewahrt zu bleiben, daß ich nicht gelebt hatte. … ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so herzhaft und spartanisch leben, daß alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen würde …“

Mit 28 Jahren hat Henry Thoreau für sich beschlossen, daß sechs Wochen Lohnarbeit reichten, um ein Jahr davon zu leben, er baute sich in der Waldeinsamkeit eine Hütte, lebte dort mutterseelenalleine und führte ein Tagebuch über alles, was ihm außen und inwendig begegnete in diesen zwei Jahren.

Andreas Ammer, den ich sehr schätze, weil er mit seinem Team eine meiner Lieblingssendungen  „Druckfrisch“ erschaffen hat und sich auch nicht von irgendwelchen Viren davon abhalten läßt, sie immer wieder zu erschaffen, hat sich eine neue Kunstform ausgedacht:

Das Schwarmhörspiel. Es lesen 500 Menschen 500 Seiten, jeder eine Seite. Umrahmt wird das Ganze von Geräuschen aus einem Wald und mit Klangschöpfungen von und mit Driftmaschine und Acid Pauli. Und da war dann die Aufforderung, alle, die Lust haben, sollten doch eine Seite lesen, alles weitere würde die Crew erledigen. Ja, es war ganz einfach und ich habe gelesen und jetzt bin ich eine von 500 und bilde mit ihnen einen Schwarm. Und jetzt ist es schon längst fertig und jede r kann es runterladen und hören: 16,5 Stunden, kostenloses Hörerlebnis vom Feinsten! Wenn ich zuhöre, diese verschiedenen Stimmen, die unterschiedlichen Slangs, die so unterschiedliche Art zu lesen … ach und dann hab ich mich selber gehört, mittendrin, und noch niemals habe ich mich so intensiv als Mensch unter Menschen gefühlt, ein unglaubliches Erlebnis! Wir sind und bleiben uns fremd und doch, so als Stimme unter Stimmen fühle ich mich geborgen und gut eingebettet in eine Gemeinschaft und bin dankbar, dabeisein zu dürfen inmitten dieses Leseschwarms. Und das Anhören dieser Texte ist ein verzauberndes Erlebnis, so Vieles hat dieser Henry David Thoreau aufgeschrieben, was mir aus der Seele spricht  … einer, der ganz genau hinschaut, Gedanken über das Leben, in einer Wahrhaftigkeit, die unbeschreiblich ist und die durch das Hören eher noch intensiver wird. Es berührt mich, dieses Tagebuch einer Einsamkeit, und unter anderem davon zu hören, wie einer jahrelang seine Stube täglich für einen besonders erwünschten Gast vorbereitet … der niemals kommen wird.

Vielen, vielen Dank, daß ich dabei sein durfte!

Ich liebe solche Experimente und dieses ist ein ganz besonderes und die viele Arbeit, die drinsteckt kann nur erahnen, wer selber mal versucht hat, ein winzig kleines Video für youTube vorzubereiten, mein ganz großes Kompliment an die Macher dieses Kunstwerkes! Es ist wirklich auf be- und verzaubernde Art gelungen, ich persönlich hätte die Lautstärke der Musik manchmal ein wenig runtergefahren zugunsten der leisen und sanften Stimmen, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Ich kann nur allen empfehlen: Hört es Euch an, unbedingt:

„Walden oder das Leben in den Wäldern“

 

Um das alte Haus herum sind meine sehnlichst erwarteten Freunde, die  Herren Gundermann und kriechender Günsel eingetroffen und breiten sich selbst als Gastgeschenk so weitläufig aus in verschwenderisch strahlender Aufrichtigkeit, in einem Blau, blauer noch als der Himmel, so blau, daß man schwindlig werden könnte … wie unten, so oben …

Die alte Nachbarin erzählt mir von einem, der eine seltsame „Auferstehung“ von den Toten miterlebt hat, aber das ist eine andere Geschichte und muß ein andermal erzählt werden…

 

Heimwärts

»Werdet Vorübergehende«  (Th. 42)

Früher, wenn es so mondhell war wie jetzt, dann konnte man nicht nur hören sondern auch sehen, wie er unten im Tal auf der nächtlich unbefahrenen Bundesstraße daherkam. Und auf der kleinen Brücke, da wo der Weg zu uns hinaufführt, da hat er sich kurz zum Rasten auf das Geländer gesetzt. Dann ist er weitergegangen immer Richtung Osten, heimzu. Eine spindeldürre Gestalt, einen Gehstecken in der Hand und auf dem Kopf einen Hut. Den hat er manches Mal übermütig  den Juchzern, die aus seiner Kehle zum Himmel flogen, hinterher geworfen. Es war so still damals in der Nacht, man hörte ihn schon von weither singen. Sein Repertoire bestand aus allem, was er in seinem bisherigen Leben gehört hatte, das Meiste „ein ziemlicher Schmarrn“, wie mein Vater es ausdrückte. Mit Inbrunst hat er das Kufsteinlied, den Schneewalzer und zum Leidwesen meines Papas das romantisierende „Alpenglühn“ gerne und oft gesungen.

Ich sitze auf der Hausbank, über mir der silbertropfende Mond, dem die wieder heruntergelassenen österreichischen Grenzbalken völlig wurscht sind, er ist einfach oben drüber geflogen, weil er das schon immer so gemacht hat und es auch in Zukunft so machen wird, ob mit oder ohne Viren. Es ist so unglaublich still, nur manchmal ein leises Flattern in den Bäumen, ein Nachterl(Käuzchen) ruft und die einzigen Flugobjekte sind ein paar kleine Fledermäuse, die blitzschnell und lautlos in den Tiefen der Nacht verschwinden.

Wie gern würd ich heute den Geislechner Miche wieder singen hören. Damals galt er als komischer Kauz, wer kam denn schon in der Nacht lauthals singend auf der Bundesstraße daher? Und am nächsten Tag sagten die Leute: hast es gehört, gestern war der Miche wieder unterwegs und: jamei, er ist halt nicht so ganz richtig im Kopf… von Zeit zu Zeit kam er durchs Tal, meist vor Feiertagen, so wie jetzt vor Ostern und man hörte seine Stimme, eine Art Tenor, aber so genau kann ich mich nicht erinnern, nur, daß er sehr laut gesungen hat in schwindelerregende Höhen hinauf und so grad noch am äußersten Rand der für die Lieder beabsichtigten Tonfolgen, manchmal auch ein bisserl, also haarscharf, daneben. Er hat die Liedfolgen abgesungen und dann fing er wieder von vorne an. Niemals wieder habe ich : „Schau das Alpenglühn überm Bergsee“ schmalziger und inniglicher singen gehört wie vom Miche … und auch wenn wir uns noch so anstrengten, würden uns die Jodler nie so herzergreifend aus der Brust springen wie die seinen und die Juchizer dazwischen.

Irgendwann hab ich ihn zum letzten Mal singen gehört und dann nie wieder. Irgendwann ist er zum letzten Mal an uns vorübergegangen, heimwärts …

Und irgendwann, es ist noch gar nicht so lange her, habe ich mit der alten Nachbarin geplaudert und sie hat mir erzählt, daß der Miche aus einem kleinen Häusl stammte, viele Kinder waren da, die taten sich schwer in der Schule und viel Geld hätte es sicher nicht gegeben. Der Miche hat in Adelhozen gearbeitet, da, wo das Heilwasser herkommt, das vor undenklicher Zeit der Hl. Primus als Quelle im Wald gefunden hat. Was er da gearbeitet hat, weiß man nicht und ob sie ihm viel Geld dafür bezahlt haben … aber wenn er am Wochenende mal frei hatte, ist er am Abend nach getaner Arbeit heimgegangen.  Das sind ungefähr 15 km, und da hat der Miche ganz laut singen müssen, weil er sich so arg gefürchtet hat im Finstern.

Ach, was gäb ich drum, wenn ich ihn hören tät heute … ich würd ihm zuwinken und mitsingen, ganz laut und das schmalzigste aller Lieder am Allerlautesten.

Das Lied ist für Dich, Geislechner Miche, Du kennst das Geheimnis:
wir sind alle Vorübergehende … heimwärts

 

 

 

 

 

»Andrea s’è perso …«

Dem fahlen Himmel haben die Berge die Farbe ausgeschlürft, an ihren Steilwänden läuft sie hinunter und versickert in den Falten. Blau sind sie jetzt, so blau wie damals das Cover der Platte „Blu“ von Fabrizio de Andre. Im Autoradio ein Feature zu seinem Geburtstag. 80 Jahre alt wäre er geworden, wenn ihn der Tod nicht schon vor 20 Jahren geholt hätte. Einer, der aus wohlhabender Familie stammend, es sich leisten konnte, für die am Rand zu singen, sagt die Sprecherin.
Einer, der immer ganz nah an den den Abgrund heranging und über den Rand schaute, zu den Verlorenen und Abgestürzten, der seine Poesie entgegenstellte dem hoffnungslosen Leid und zärtliche Lieder als Geschenke für die Huren in den Schlamm der Straßen fallen ließ, sage ich.
Aber was wissen wir schon … er hat Lieder gemacht, um zu überleben, auch über die Zeit der Gefangenschaft in den sizilianischen Bergen, er hat viel getrunken, um zu überleben und immer wieder kommen Rosen vor in seinen Texten als Geschenk für die, denen niemand mehr was schenkt.

Früher, in dieser Zeit, die man dann später als „Jugend“ bezeichnet, da hörten wir seine Lieder, deren Texte wir nicht verstanden, wir liebten seine schöne Stimme und ließen uns tragen von den Klängen, durch die Liebe waren wir leicht geworden, eine Zeitlang …
Wir waren jung, der Geliebte und ich und wir hatten es mit der Liebe zu tun, sie duftete nach Rasierwasser, Küsse schmeckten nach Wrigley , unsere Lippen waren weich, die Haut zitterte unter den aufgeregten Händen … für immer und ewig sollte er weitergehn, der Tanz ins Glück.

La canzone dell’amore perduto

Erinnere dich, die Veilchen erblühten
bei unseren Worten:
„Wir werden uns nie verlassen, nie und nimmer“.

Vorrei dirti ora le stesse cose
ma come fan presto amore
ad appassir le rose
così per noi

Die Liebe, die die Haare rauft,
Ist nun verloren,
Nichts bleibt außer ein wenig lustlosem Streicheln
Und etwas Zärtlichkeit.

Ma sarà la prima
che incontri per strada
che tu coprirai d’oro
per un bacio mai dato
per un amore nuovo

Viel später sagte der ehemals Geliebte: Du warst die erste, wirklich große Liebe in meinem Leben. Der Kuß war zu schwer von Verrat und sank zwischen unseren Mündern zu Boden.

Wie lange das alles schon vorbei ist, viele Jahre konnte ich die Lieder von damals  nicht mehr hören, jetzt ist der Schmerz blaß geworden wie der heutige Himmel, eine kleine Wehmut ist geblieben, und als ich das Lied „Andrea“ höre, da kriechen nochmal die Bilder von damals aus ihren Verstecken und lassen mich die Narben spüren … Es handelt von einem, der sich verlaufen hat und nicht mehr zurückfindet … ja, ich weiß, wie das ist. Ich weiß, wie man verlorengehen kann, immer und überall und in Menschen, in ihren Augen und Worten und in meinen eigenen Gefühlen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn eine Geschichte auserzählt ist und das pochende Herz das nicht glauben will. Die Liebe läßt sich nicht halten, weder beim Kommen, noch beim Gehen. Sie bietet keinerlei Sicherheit und schützt nicht vor Verrat. Sie kümmert sich weder um das, was ihr vorauseilt, noch was sie hinter sich herzieht. Das einzige, was die Liebe tut, ist lieben.

Andrea s’è perso
S’è perso
E non sa tornare
Andrea aveva
Un amore
Riccioli neri
Andrea aveva
Un dolore
Riccioli neri …

Andrea hat sich verlaufen und findet nicht mehr zurück. Er hat sich in einer schwarzgelockten Liebe verloren und jetzt in einem schwarzgelockten Schmerz … auf dem Papier steht, er wäre fürs Vaterland gefallen … abgeknallt haben sie ihn, in den Trentiner Bergen …

Dieses Lied war damals ein großer Hit in Deutschland, wahrscheinlich, weil alle dachten, es sei einer der üblichen SommerSonneStrandSchmachtfetzen … in den Eisdielen rauf und runtergespielt, wer kümmerte sich schon um den Text … auch ich beginne erst jetzt, zu begreifen, um was es eigentlich geht und warum Fabrizio de Andre es den „Kindern des Mondes“ gewidmet hat! Und erst jetzt verstehe ich, warum ich oft  weinen musste, wenn ich es gehört habe.

Einer, dem es wohl auch unter die Haut gegangen ist, war Sigi Maron, der österreichische Liedermacher, der mit seiner Anarchie und EigenArt auf der Beliebtheitsskala der Angepassten ziemlich weit unten gehalten wurde und zeitweise sogar im Radio gesperrt , weil er zu sperrig und wütend über die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten war. Ich glaube, er ist Fabrizio de Andre sehr nahe gekommen mit seiner Art, das Lied auf Österreichisch umzuverdichten.

Leider ist der wunderbare Sigi Maron vor vier Jahren gestorben. Und vor einem Jahr ungefähr wollten ihm ein paar Musiker nochmal eine Ehre erweisen und es gab einen Tributabend für Sigi Maron im Wiener Stadtsaal. Daß der Nino von Wien, Ernst Molden und  Robert Rotifer hochkarätige und grandiose  Musiker sind, wusste ich natürlich, aber was mein Herz zum Überlaufen bringt vor Freude das ist diese große Zärtlichkeit, mit der ein jeder von ihnen sich dem Werk von Sigi Maron und letztendlich auch von Fabrizio de Andre nähert. Ein jeder von ihnen ist unverwechselbar er selbst … Nino Mandl liest: „es gibt kaan Gott“, es ist sein Text und trotzdem ist klar, daß die Poesie von Sigi Maron kommt! Und dann das Lied , dieses kleine große Lied über den „Andreas“, der sich verrennt hat …und sehe, wie er die Veilchen und die schwarzen Locken in den Brunnen wirft und dann … langsam … sich selbst hineinfallen läßt … ganz leise werd ich da, höre zu und sehe sie alle auf dieser Bühne, auch die zwei, die schon gegangen sind.

Andrea s’é perso … Andreas hot se varrennt

 

 

 

 

Das Feenspiel – Epilog

Irgendwann sind auch die schönsten Spiele vorbei, die Gäste gegangen und man bleibt alleine zurück. Die Graugans hat mit der knappen Begründung, sie müsse jetzt ruhen, um sich wieder zu sammeln, das eine Bein ins Bauchgefieder hochgezogen, auf dem anderen steht sie. Der Kopf ist unter dem schützenden Flügel verschwunden. Ich beneide sie ein wenig, ich werde noch Zeit brauchen, um aus den Worten, den Stimmen, den Geschichten, in deren Zwischenräumen ich mich ein wenig verloren habe, herauszutreten und bereichert an meiner eigenen Geschichte weiterzuwirken.

37 Tage lang habe ich mir hier auf dieser winzigen Bühne zwischen Himmel und Erde Gäste eingeladen, um dem Thema „Das Fremde“ auf die Spur zu kommen. Viele hochinteressante Sichtweisen führten schließlich zu uralten Daseinsformen von ersehnten Hilfskräften, die nur noch in den Märchen und Sagen vorkommen und völlig fehl am Platz erscheinen in einer hochzivilisieren Welt, in der Wahrheit nur dann zu existieren scheint, wenn sie mit Fakten und Zahlen belegbar ist. Meine Ahnungen, die Suche nach etwas längst Verlorengegangenem und meine eigene Sehnsucht nach sowas wie einem Clan der 13 Frauen ließen mich die Spürung aufnehmen. Die einzige Möglichkeit, im Nebulösen zu forschen, konnte nur das einfache Spiel sein, so wie Kinder mit dem Nichtexistenten spielen und ihm dadurch ermöglichen, sich zu materialisieren.

Viele Fragen … wird sich da überhaupt jemand drauf einlassen, wieviel oder wie wenig Regieanweisungen braucht es … wie soll ich etwas erklären, was mir selbst ein Rätsel ist … ich entschied mich für größte Geheimhaltung und die eher dürre Aufforderung: »komm und sage, was Du zu sagen hast, egal, was es ist!« Und welche Freude, sie kamen!

13 Frauen, die einen, weil ich sie gerufen habe, die anderen sind einfach so aufgetaucht und dann noch welche, die sind erschienen. Unglaubliche Texte und Bilder haben sie mitgebracht, wundersame Poesie, Herzenskraft, Macht zur Verwandlung und Zärtlichkeit, soviel Zärtlichkeit … ja, und wie das so ist, wenn man alte Kräfte ruft in Nächten, in denen die Membran dünn ist zu anderen Wirklichkeitsformen … wer Ohren hat zu hören … hört auch zwischen den Zeilen die Not und die Pein durch die Jahrtausende, Verfolgung und die Schreie der Unzähligen, die auf den Scheiterhaufen brannten … und ich sah wieder diese nackten Füsse hinter einem Karren herlaufen … und auch die Einsamkeit in unseren heutigen Existenzen.

Was mich am meisten erstaunte: das Spiel nahm seinen eigenen Lauf und entwickelte eine eigene Dramaturgie.

Manch ein Geheimnis behalten die 13 Feen für sich, das ist auch gut so, vieles muß im Raum der Ahnungen bleiben, um es zu schützen.

Heute im Morgengrauen war das Fest vorbei und ich sehe, wie alle aus der Höhle kommen, die Kronen ein wenig schief vom ausgelassenen Tanzen … lachend und plaudernd, alleine oder in kleinen Gruppen schreiten sie aus in alle Himmelsrichtungen … fröhliche Zurufe und dann sind alle verschwunden. Der Vorhang meiner Bühne schließt sich. Feenstaub glänzt da und dort. Ein paar Glasperlen liegen auf dem Boden, eine hat ihren Zauberstab vergessen, sicher die Läuferin, die hatte es eilig … eine Krone liegt da, oh, das ist meine, gleich setze ich sie auf und ich fühle sofort: ich bin die Königin in meinem Reich.

Habt meinen Herzensdank, Ihr wundervollen Frauen, die Ihr den Mut hattet, das Nichtsagbare aus Euch heraussprechen zu lassen, Dank für Euer Kommen, wenn ich rufe, das Experiment ist gelungen … nicht deshalb, weil ein Traum Wirklichkeit geworden ist, sondern … weil Ihr mit mir meinen Traum weitergeträumt habt! Wir werden sehen, ob sich die Zauberfäden zu einem zarten Gespinnst verweben …

Vielen Dank auch an das Publikum, was wäre eine Bühne ohne Euch, die Ihr über so lange Zeit Eure Lichtzeichen hinterlassen habt! Nur Menschen, die es selber wagen zu träumen, zeigen wertschätzende Achtung vor den Träumen anderer … ich habe ein zärtliches Gefühl bei jedem »like«.

So, und jetzt möchte ich allen, die mir hier schon so lange treu sind aufs Herzlichste danken, denen, deren Namen ich kenne, aber auch den vielen, die immer wieder unerkannt hereinschauen … jaja, ich kenne auch die unverbindliche Flüchtigkeit in dieser virtuellen Welt … und doch schlägt hinter jedem Click ein Herz und oft hört man es sogar und auch hier hinterläßt ein liebevolles Wort das gleiche wie in der sogenannten »Wirklichkeit« : es tut einfach gut und wärmt die Seele, nicht wahr?

Uns allen wünsche ich ein gutes Neues Jahr, daß wir die Herausforderungen bewältigen, daß wir das Lachen nicht verlernen und daß wir niemals vergessen, daß wir nicht immer entscheiden können, ob wir gesund oder krank sind … aber ob wir trotzalledem glücklich sind, das können wir entscheiden! In diesem Sinne alles Liebe für Euch da draußen, bis bald mal wieder in diesem Theater!

Allen Mitwirkenden vom Feenspiel sei es selbst überlassen, ob sie sagen wollen, wer sie sind! Und allen, die eh schon  zu wissen glauben, wer sich hinter welcher Fee verbirgt, gebe ich zu bedenken … manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen, und schon gar nicht bei 13 mächtigen Zauberinnen in der Rauhnachtszeit!

 

 

Das Feenspiel – 13. Rauhnacht

Man mag mich nicht. Verteufelt, verkannt, vergessen. Und doch bin ich die, die ich bin. Kann mich nicht erkennen. Ich gehe um den See herum, die Uhr schlägt die Stunde vor Mitternacht, bald beginnt die letzte der Heiligen Nächte. Die bleiche Mondsichel spiegelt sich im schwarzen Wasser, von mir spiegelt sich nichts. Alt bin ich und bucklig und humpelnd schleppe ich den schweren Rucksack und böse bin ich und mein Gefolge sind mordende Rabauken … so wollen sie es sehen. Und heute Nacht soll sich die Wandlung vollziehen, ich soll wieder jung und strahlend schön werden und das Licht bringen in ihre finsteren Seelen… so wollen sie es sehen.

Im Sommer lebe ich im Gebirge und im Winter reise ich in die Unterwelt  und fliege über den Himmel. Ich bin, die ich bin , die ich war und die ich sein werde. Ich kann mich nicht erinnern, wer ich war und wer ich bin und doch bin ich die, die ich bin. Ich trage das, was beginnt, das was endet, und das was wieder beginnt im Rucksack mit mir herum. Ich bin im ZwischenRaum von Werden-Vergehen-Werden und füge die losen Enden zusammen. Ich bin da, wo nichts mehr ist, zwischen dem letzten Seufzer und dem ersten Atemzug … ich bin das Licht in der Dunkelheit und die Dunkelheit im Licht und ich bin jung und alt und jung zugleich. Ziemlich kompliziert, ich mag nicht weiter nachdenken über die fremde verwirrende Dimension, in der ich existiere, sondern freue mich über die Einladung der Eule und lasse mich auf ihren Schwingen zur Höhle hinauf in den Bergen fliegen.

Dort wartet Ihr schon, meine Schwestern. Wie schön Ihr seid, in Euren Augen spiegeln sich die Gezeiten und goldener Glanz leuchtet von Euren Kronen. Alles Wichtige habt Ihr schon gesagt auf Eure wunderbare Weise, eine jede mit der Magie ihrer EigenArt. Mir bleibt jetzt nur noch, den Kreis zu schließen … Oh, und seht, die Höhle öffnet sich, und so wie die Sterne oben so werden unsere Füsse unten den Reigen tanzen. Und während wir das Zauberlied singen in Begleitung von Mond und allerlei Tieren der Nacht drehen wir uns im Kreis  und unsere Füsse zeichnen das geheimnisvolle Muster in den Boden und alles was einen Anfang hat wird enden und alles was endet, hat einen Anfang, und dazwischen liegt die Ewigkeit.

So soll es sein.

Gastbeitrag: Die 13. Fee »Die Percht«

Das Feenspiel – 12. Rauhnacht

 

 

Die mit den Vögeln tanzt…

Ich komme, wenn die Sonne scheint.
Mit den Vögeln tanzen, mit den Fischen schwimmen, mit den Katzen schnurren und der kleinen Häsin einen Platz auf meiner Schulter geben…
Die Saalach ist mein Hafen und mein Fluss, der mich trägt und herumwirbelt.
Vom Untersberg tönt mein Juchitzer weit ins Land hinein.
Im Schatten des Berges, der mich beschützt, stimme ich in das Lied der Ahninnen ein und wiege mich im Wind der leisen Töne.
Das Leben ist ein Fest! Lasst uns gemeinsam tanzen am Feuer der Verwandlung!

Gastbeitrag: Die 12. Fee »Die mit den Vögeln tanzt«