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Full Moon…

Kaum über Salzburg aufgetaucht hängt er auch schon im Birnbaum und zeigt sich heute Nacht als reife, pralle Orange.

So schön ist er, der gute Mond, ich kann mich nicht sattsehen an ihm und ich laufe hinaus, um ein wenig zu „strawanzen“…so nannte man früher in der alten Sprache das Herumtreiben und Streunen…

Ich wiege mich im Tanz am Platz der wilden Frauen, ein kleines laues Vorfrühlingslüftchen verfängt sich in meinen Haaren und mein Begleiter, der weisse Kater streicht um meine Beine und spielt Verstecken in meinem langen Rock.

Weltenklang

Sich an einem bestimmten Termin zum Jodeln zu treffen  und das dann auch zu tun ist leichter als man denkt aber doch viel schwerer als man meint. Erst haben wir uns Mut angegessen und getrunken und viel geredet, aber keine traute sich, in der Stube einfach so loszusingen. Früher wurde in dieser Stube viel gesungen, meine Großmutter hatte eine wunderschöne Stimme, die hat sie allen sieben Kindern vererbt und am Abend saßen alle um den Tisch und haben gesungen. In diesem Haus war das Brauch, es war wohl ein existentielles Bedürfnis nach Klängen, denn üblich war das zur damaligen Zeit keineswegs,  die Not war groß, das „Sacherl“ warf keinen Ertrag ab und die Menschen am Hof plagten sich elendiglich, um das nackte Überleben zu sichern , da war kein Platz für romantisches Getue. Komisch, heut, wo die Welt voll ist von angebl. „traditioneller Volksmusik“, da ist es uns ein wenig peinlich, einfach so zu singen.

Irgendwann stehen wir auf und gehen in den Wald zum Platz der Wilden Frauen, da stehen wir nun im Schneeregen in dieser kalten Aprilnacht, der einzige Lichtschimmer am Himmel stammt wohl von der Stadt Salzburg, vom Vollmond ist nichts zu sehen. Alles anders als geplant, was tun wir hier? Eine muß beginnen, anders gehts nicht. Es entstehen Töne. Nein, nicht alle sind schön und harmonieren tut schon gleich gar nichts. Die Lauten plärren irgendwas herunter, die leisen halten vor Scham die Lieder zurück. Wir tun herum und herum und hören nicht auf, alles zu singen, was uns einfällt. Irgendwann scheint der größte Ballast hinausgeschrieen zu sein, Leiseres schlängelt sich empor und wird ein wenig lauter, das Laute nimmt sich ein wenig zurück und es entsteht der Anflug eines Gefühls, den Tönen vertrauen zu dürfen.

Und dann passieren plötzlich und unerwartet ein paar dieser raren Augenblicke, mit denen man nicht rechnen kann, die sich ergeben und für die es lohnt, zu leben. Völlig eigenmächtig, ohne irgendein willentliches Dazutun lösen sich Töne heraus, gehen auf die Reise, suchen Gleichgesinnte und vereinigen sich zu diesem: „Es singt!“ Und in diesen Momenten zerdehnen sich Raum und Zeit, der Himmel umfängt uns.

Einen Jauchzer tun wir zum verschwunenen Mond, sei gegrüßt junge Alte! Voller Freude laufen wir heim.