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I Margarita I Margaro…

Ich las im Postfach den ersten Satz im Brief einer lieben Blogfreundin : „Margarete, wie geht es Dir heute?“…Ja, wie geht es mir heute? Heute, in meinem Leben, zwischen Himmel und Erde, am Weltfrauentag…

Vor einem Jahr bekam ich plötzlich aus dem OFF einen Zettel zugeworfen, auf dem wurde mir medizinisch exakt dargestellt, warum auch ich damit zu rechnen habe, sterblich zu sein. Als die Wunde verheilt, trete ich hinaus ins Freie, dort treffe ich den Tod, der auf einem Steinhaufen in der Sonne sitzt und mich anlächelt…Du schon wieder, sage ich. Verstehst du jetzt mehr, fragt er mich. Nein, nichts verstehe ich und Angst habe ich auch vor dir! Er kommt zu mir und gibt mir seine warme Hand und sagt: ich sitze gerne auf heissen Steinen und ich verwandle mich gerne, schau…und schon fliegt ein kleiner Vogel in den blauen Himmel…

Das Leben ist verwirrend, beängstigend, vielfältig, beschwerlich, magisch, zauberhaft, schillernd und immer ist alles gleichzeitig, der Schmerz und die Freude, die Not und das Glück…ich will es ausschlürfen, ich liebe es, dieses Leben, mit allem, was es dabei hat…und wenn die Reise zu beschwerlich wird, na, dann muß man halt hin und wieder mal einen Koffer am Wegesrand stehenlassen…einfach abstellen und weitergehen, ohne sich umzudrehen…

Dieser Frauentag heute kommt mir vor wie die Würdigung der Putzfrauen in den Firmen zu Weihnachten…immer die, die eigentlich gar nichts zu sagen haben, werden besonders hervorgehoben und kriegen Geschenkkörbe…aber eigentlich hab ich keine Lust auf langes Gejammere , und ich höre auf, mich zu ärgern darüber, was ich so zu hören kriege im Jahr 2017! Eine Studentin sagt mir, sie habe diese „Emanzipation“ nicht nötig, sie wisse ja, daß sie eine Frau sei…ach du Mäuschen, vor noch gar nicht langer Zeit haben sich sogenannte „Flintenweiber“ erschlagen lassen, nur weil sie gefordert haben, daß Frauen studieren dürfen…Und ein sehr freundlicher, linientreuer und intellektuell durchaus nicht minderbemittelter Katholik sagt mir: Seid doch froh ihr Frauen, daß Ihr nicht Priester werden dürft, das ist so ein mühseliger Beruf, für euch gibt es doch viel schönere Aufgaben.

Ja.

Das dazu.

Ach ja, aber ich wollte ja sagen, wie es mir geht: ich will Musik und Tanz und Fröhlichkeit und Umarmung

TROTZALLEDEM!!!

Und als ich heute beim wunderbaren Herrn Riffmaster die griechischen Lieder der Nana Mouskouri hörte, war es um mich geschehen und ich will uns allen diese große Sängerin hier schenken an diesem Tag…denn ich vermute mal, egal welches Geschlecht, alle haben wir irgendeine Sehnsucht und träumen uns weg auf das unendliche blaue Meer, in die Ferne und in die Nähe irgendeines Herzens, das auf uns wartet irgendwo…oder etwa nicht? Ja, ich habe eine wildromantische Seele und ich liebe diese griechische Musik und ich wünsche mich mit Euch allen in eine Taverne in Piräus und die Zungen werden schwer vom Ouzo und irgendwer fängt an zu tanzen…

Ich habe es beim Riffmaster schon gesagt, hier noch mal: Wenn jemand eine Taverne kennt und einen Zeitpunkt sagt…ich täte glatt hinfahren, das wäre ja ein Ding, Blogtreffen in Piräus…also…das verspricht Abenteuer, grad richtig für eine, die in paar Monaten süße 65 Jahre alt wird!

 

Aber jetzt hört zu und dann schaut gleich in Eure Kalender!

Nicht so ganz griechisch, aber macht ja nix, irgendwas ist immer…trotzdem sooo schön!

 


Aspri mera…weißer Tag

Milisse Mou

Rede mit mir
Ich habe in meinem Garten, den Brunnen
angemacht, damit die Vögel trinken können,
damit auch du kommst, morgens und abends,
wie ein kleiner Wassertropfen,
du kamst eines Abends mit dem Wind
und mein Herz seufzte,
ich sagte dir sehnsüchtig guten Abend
und du sagtest mir Lebewohl.

Rede mit mir, rede mit mir,
ich habe dich noch nie geküsst
rede mit mir, rede mit mir,
wie soll ich dich vergessen, mein Gott,
rede mit mir, rede mit mir,
ich habe dich noch nie geküsst
rede mit mir, rede mit mir,
nur in meinen Träumen küsse ich dich.

Ich habe Gras vor deine Türe gepflanzt,
damit du Schatten und Frische hast,
und ich kam bevor der Mond wechselte,
damit ich dir Wärme bringe.
Ich brachte dich zur Anhöhe der Sonne,
zu den breiten Straßen,
aber es kamen Kälte und Wind,
und du hast mir kein Feuer gemacht.

Rede mit mir…

…und weil ich ja auch eine Margarita bin, schenke ich mir und allen Margariten dieses Lied, das Mikis Theodorakis für seine kleine Tochter komponiert hat…es soll vom weiten Meer in blauen Augen handeln und von einem Schifflein…und von der Sehnsucht…vielleicht kann´s ja mal jemand übersetzen…

es ist sicher nicht die beste Aufnahme, aber es gefällt mir so, wie selbstverständlich die Leute bei diesem Fest mitsingen, alle können den Text… da wäre ich gerne dabei… also, Ihr Lieben, wir treffen uns in Piräus, ca. in einem halben Jahr, abgemacht, oder?

Frauentag?

Am 8. März war der Internationale Frauentag. Ursprünglich von Clara Zetkin, einer deutschen Sozialistin, auf der zweiten Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 vorgeschlagen, sollte er das freie, geheime Wahlrecht auf das ganze Volk ausdehnen, also sollte sogar Frauen das Wählen erlaubt werden. Diese Forderung war eine arge Provokation zur damaligen Zeit und erst nach unerbittlichen Kämpfen von Frauen, die sich nicht beugen ließen, wurde dieser Forderung nachgekommen.Clara Zetkin sah die Benachteiligung von Frauen begründet in einem Hauptwiderspruch Kapital / Arbeit.

Ich denke an die Jüdin Rosa Luxemburg, die ich schon vor Jahrzehnten zu lieben begann, als ich noch gar nichts von ihrer schier unglaublichen Lebensgeschichte wusste, nur auf Grund ihrer Briefe aus dem Gefängnis. Darin schreibt sie ihrer Freundin, was sie sieht, wenn sie aus dem Zellenfenster schaut: Ein Gespann von diesen gutmütigen Büffeln, die vor eine so schwere Fuhre gespannt waren, daß sie nicht losgehen konnten. Sie schafften es einfach nicht, obwohl sie mit Stöcken so geprügelt wurden, daß ihnen das Blut über den Schädel und aus dem Maul rann und aus den warmen braunen Augen die Tränen. Dieses Mitleiden mit der geschundenen Kreatur gehört zum Traurigsten, was ich je gelesen habe.

„Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“, hat sie gesagt. Ihr Kampf um eine gerechtere Welt endete am 15.Januar 1919, als sie von Männern aus „Bürgerwehr“ u. militärischen Kreisen verhört und geschunden, dann mit einem Gewehrkolben niedergedroschen und , damit sie ja tot ist, wurde ihr noch ein Schläfenschuß in den Schädel gejagt.  Anschließend hat man sie in den Landwehrkanal geworfen.

Erst beim Schreiben dieses Textes ist mir klar geworden, daß alles, was mir ansonsten noch zum Frauentag eingefallen wäre, völlig bedeutungslos ist. Es verschwindet förmlich hinter der Ehrfurcht vor diesen mutigen Sozialistinnen, die das Maul aufgerissen haben, weil sie nicht anders konnten. Ich verneige mich vor Rosa, die das mit dem Leben bezahlte. Gerne würde ich Blumen streuen auf ihren Gräbern, aber sehr viel wichtiger erscheint mir, über den „Hauptwiderspruch Kapital / Arbeit“ und  „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“ nach zu denken, oder?

Zetkin_luxemburg1910

Clara Zetkin & Rosa Luxemburg, 1910