Cyber wird ursprünglich aus dem Griechischen abgeleitet und hat mit Steuermann und Navigieren zu tun, also einem, der weiß, wo´s langgeht. Aha.
Liebe aufmerksame Lesende hier zwischen Himmel und Erde, heute wurde plötzlich zwischen dem letzten und dem aktuellen Blogbeitrag wie von Geisterhand ein Artikel in kyrillischer Sprache hineingeschoben. Mein wunderbarer Administrator, Herr Graugans, hat mir Gott sei Dank was aufgeschrieben, was ich hier veröffentlichen kann – damit ich nicht Dinge erklären muß, die ich leider nahezu gar nicht verstehe:
„Unsere Website ist selbstgehostet.
Es waren eine veraltete PHP Version und eine veraltete WordPress Version installiert. Deshalb gab es eine Sicherheitslücke, die Bots genutzt haben, um einen neuen Benutzer auf der Website anzulegen. Dieser Benutzer hat einen russischen Beitrag gepostet.
Mittlerweile sind die Benutzer wieder gelöscht und eine neue WordPress Version aufgespielt.
Das Update zu einer neuen PHP Version läuft gerade.
Damit ist die Sicherheitslücke wieder geschlossen.“
Das Bundesministerium der Verteidigung sagt, daß Cyber – Angriffe schon lange keine Fiktion mehr sind, sondern bittere Realität. So schauts aus.
Erst kürzlich haben wir darüber geredet, daß die Kriege der Zukunft Cyberkriege sein werden und daß der Verdacht gar nicht von der Hand zu weisen ist, daß längst schon einer stattfindet, man hört und sieht und riecht ihn nicht, es fließt kein sichtbares Blut … wenn sowas wie heute auf meinem völlig unbedeutenden privaten Blog passiert, läuft es mir trotz 40 Grad im Schatten eiskalt den Rücken hinunter.
Seid alle lieb gegrüßt und ich danke Euch für Euer aufmerksames Bemerken!
Der vermeintliche Höhepunkt des Jahres ist überschritten, es geht also wieder abwärts. Es gibt aber in einem Kreis kein Oben und Unten. Der Kreis dreht sich im Kreis herum, jede Umdrehung ist stets das Gleiche aber nie Dasselbe … nie.
Gestern ist vergangen, morgen noch nicht da und das Jetzt ist vorbei, sobald ich es ausspreche.
Wo leben wir also … im Dazwischen, aber das existiert ja nicht, oder?
Ich warte auf die Stunde der Glühwürmchen, sage ich zur Fledermaus.
Neben dem Wasserhahn am Gottesacker hängen an einem Gestell ordentlich aufgeräumt Gießkannen aus Plastik in allen möglichen Größen und Farben. Aber leider ist anscheinend wieder mal keine dabei mit einem Brausekopf, oder wie immer man dieses Ding nennen mag, das vorne auf dem Schnabel der Gießkanne sitzen sollte, um das Gießwasser sprühmäßig auf den Blumen zu verteilen, damit sie nicht mit einem schweren Strahl platschend niedergewalzt werden. Inzwischen ist eine Frau dazugekommen, die auch vergeblich sucht wie ich. Wir unterhalten uns darüber, an was es wohl liegen mag, daß alle Versuche scheitern, diese Aufsätze an den Kannen so zu befestigen, daß sie dort auch bleiben. Irgendwann hat mal jemand Schrauben hineingedreht, diese Kanne ist auch verschwunden. Es bleibt ein jahrelanges Rätsel, nimmt sie wer mit, klaut ernsthaft jemand Gießaufsätze am Friedhof? Nicht vorstellbar oder? Da kommt ein Mann mit zwei leeren Kannen, eine davon hat tatsächlich noch einen Brausekopf. Er ist leicht irritiert, weil wir ihn so anstarren, während er die Kannen aufhängt. Als er weg ist, müssen wir lachen, die Frau und ich und sie läßt mir den Vortritt.
Am Grab bei den Fleissigen Lieserln sage ich zu den Altvorderen, daß ich begonnen habe, die Geschichte unseres Hofes aufzuschreiben und mich durch die verschlissenen und schier unleserlichen Dokumente der Jahrhunderte hindurchwühle, die mir in den Händen zu zerfallen drohen. Es ist ein verwahrlostes Sammelsurium von Fotos, Erbverträgen, Nachweisen über Soldatenzeiten im 14er Krieg mein Großvater, und ein Altvorderer ist aus einem früheren Krieg heimgekommen, es ist noch nicht klar aus welchem, ob mit Österreich gegen die Preußen oder mit den Preußen gegen Frankreich, ungut allemal für diese armen Bauern, die weg mussten von ihrem Hof und auf ein ganz anderes Feld gezwungen wurden, dorthin, wo der Boden sich rot gefärbt hat.
Ach, warum tu ich mir das an, für wen, ich habe keine Nachkommen, wer bitte wird das jemals lesen. Meine Cousine möchte gerne die Geschichte vom Stammhof der Familie haben für ihre Kinder, damit diese erfahren, woher sie alle stammen,
und ich … ich möchte genauer wissen, was ich weiß.
Im Jahr 1878 kam einer und hat für wenig Geld unseren armen Hof, dessen Jahreszahl 1756 oben auf dem Türstock steht, gekauft. Bis jetzt weiß ich weder über den Käufer, der meinen Familiennamen mitbrachte, noch über den Vorbesitzer Genaueres. Der Käufer war höchstwahrscheinlich mein Urgroßvater. Noch gibt es viele Rätsel und große Lücken, es ist eine extrem schwierige Sache, so einen Stammbaum zusammenzutragen, Gottseidank hilft mir Herr Graugans, sonst würde ich verlorengehen.
Es ist eine Sauarbeit, sage ich am Grab und ich ärgere mich darüber, daß auch das, wie sovieles andere, an mir hängenbleibt. Aber wißt Ihr was, ich mach es trotzdem gern, aus Achtung vor Euch, die Ihr Euer Leben in großer Armut und Elend zugebracht habt, mit nix als schwerer Arbeit, den Marxenhof durch alle Mühsal gerettet und auch uns Heimat und Obdach gegeben habt.
Man glaubt es nicht, wie sehr so eine Arbeit ans eigene Eingemachte geht. Es hängt alles mit allem zusammen, ich finde Leichen im Familienkeller und Geheimnisse, Erinnerungen tauchen auf, bei Gott nicht nur meine. Menschen erscheinen plötzlich, von deren Existenz ich nichts ahnte, alle lang schon tot, aber ich bin noch da und ich glaube, ich bin es ihnen schuldig, daß sie nicht völlig vergessen im Nebel verschwinden. Und da ich Wurzelstränge in mir erkenne, von denen ich noch nichts wusste, die mich mit anderen Wurzeln verbinden und mich Teil der großen Menschenfamilie sein lassen, werde ich die Geschichte des Hofes „Wurzelbuch“ nennen.
Und dann meine ich, die Großmutter singen und lachen zu hören und ich höre ein Flüstern durch die Zeiten, noch kann ich nichts verstehen, aber ich bleib dran und wenn ich in zwei Jahren noch lebe, dann wird es ein großes Fest geben, denn dann ist unser Familienname 150 Jahre auf dem Hof.
Sei herzlich gegrüßt, liebe Kraulquappe, wo Du auch bist und was Du grad machst und das Zwutschgerl sowieso!
Während ich so dahinfahre, denke ich an die vielen wunderbaren Menschen, die vor kurzem gestorben sind, z. B. Vallie Export, Alexander Held, Günther Maria Halmer und jetzt auch David Hockney, jemand schrieb: „niemand konnte so gut Regentropfen malen , die aufs Wasser fallen“ … ja, und wie einsam wird sich Joni Mitchell fühlen ohne ihren Freund. Sie hat sich ja auch erst vor ein paar Jahren mühsam aus schwerer Krankheit wieder auf die Bühne hinaufgekämpft. Und man sieht ihr an, wie sie ringt mit der Schwere des Daseins, aber ein Bühnentier gehört auf die Bühne und nirgends woanders hin … wird sie ihm zum Abschied „Both Sides Now“ singen mit dieser unglaublichen Stimme?
Wir sind extrem sterblich und wie alle Lebewesen anfällig für alle Arten von Krankheiten, die niemand haben will und trotzdem schleppen wir sie mehr oder weniger verstört mit uns herum. Und alle möglichen Sorgen lauern in den dunklen Wolken, die immer tiefer herabhängen und mit dem Regen tropft es immer grauer und grauer in mich hinein, bis ich selbst zur grauen Nebelschwade werde … und dann mache ich das Autoradio an und es läuft auf Ö 1 meine Lieblingssendung: „Spielräume – Musik aus allen Richtungen“ und da kommt ein Blues. Kein schwarzer, kein weißer, einfach Blues und alles ist Blues und ich werde Blues und die ganze Welt hat den Blues … nicht nur Wien, wie der grandiose Peter Cornelius einst sang … einfach alles hat den Blues und das ist die Rettung. Der Blues ist immer die Rettung, immer.
„Vampire Blues“ , gesungen vom über 80 jährigen Neil Young, dem man sein Alter anhört, aber genau das macht ihn noch besser, als er jemals war, er singt davon, was wir mit dieser uns anvertrauten Erde machen, wie wir sie ausbeuten, und seine derzeitige Band „The Crome Hearts“ spielt den Blues, als wüchse er aus ihren Zellen heraus, selbstverständlich und ewig, der 83 jährige Spooner Oldham ist u. a. dabei und Micah, der jüngste Sohn von Willie Nelson, ach, alles einfach so großartige Musikanten, denen man die Lust am Zusammenspiel anhört, da wird das Herz weit. Der Regen läuft in Strömen draußen über die Windschutzscheibe und drinnen aus meinen Augen.
Zum Schluß singt er noch über ihren Tourbus „Silver Eagle“ auf die Melodie von Woody Guthries „This Is Your Land…“, herzzerreißend schön. Die Sendung endet mit der Nachricht, daß Neil Young die Tour heuer abgesagt hat, man hoffe das Beste für ihn, ja, das hoffe ich auch!
Eine wunderbare Lifeplatte ist das: „As Time Explodes“ von Neil Young und den Chrome Hearts und ich bekomme Sehnsucht, diese Platte vorsichtig und behutsam aus der Hülle nehmen zu können und aufzulegen…
„Ois is Blues“ hat der Willy Michl mal gesungen, das seh ich auch so, mit lieben Grüßen an die Kraulquappe!
Eigentlich wollte ich was schreiben von meinen Forschungen zur Wildnatur und welche Erkenntnisse darüber langsam in mich hineintröpfeln oder vielmehr, was alles aufleuchtet in mir, je mehr ich mich mit dem Wilden im Wilden beschäftige.
Aber heute wurde eine alte Frau zu Grabe getragen, die vor vielen vielen Jahren meine beste Freundin war, damals, als wir jung waren. Freundin sein war gar nicht schwer, es hat sich einfach so ergeben, weil wir den gleichen Schulweg hatten. Wir waren immer zusammen in jeder freien Minute. Doch dann wurden wir erwachsen, das Leben ging seinen Gang und wir verloren uns aus den Augen … so sagt man doch immer, nicht wahr. Eine Freundschaft geht aber dadurch nicht kaputt, da müssen andere Dinge passieren. Das schärfste Schwert hat nicht das Leben so allgemein, sondern der Verrat. Niemand mag ihn, niemand will bewußt verletzen, er schleicht sich leise an und wenn man ihn bemerkt, hat das Schwert schon längst zugeschlagen und alles unwiderruflich durchtrennt. Das wird dann oft als harmlose Jungmädchengeschichten abgetan. Aber der Schmerz schmerzt immer, egal wie alt man ist.
Ich stehe auf dem großen Parkplatz, um mich herum emsige Menschen, die Gekauftes einladen und wegfahren, andere kommen und schieben die noch leeren Wägen vor sich her. Ich sitze da, denke an sie und schaue zum Himmel hinauf, dort liegt ein dicker Engel auf einer riesigen Wolke, den Kopf hat er auf den angewinkelten rechten Arm gestützt, der linke Arm schaut aus wie ein großer Flügel.
Ein Engel mit einem Flügel.
Das, was ich damals nicht verzeihen konnte, ist schon lange Jahre nicht mehr von Belang, aber es hat manchmal geschmerzt, ein Schmerz zieht immer eine Spur durchs Leben. Verzeihen ist keine leichte Angelegenheit. Jetzt gebe ich alles an den Himmel ab, dorthin , wo Du jetzt auch bist, ich geb dem Rauch aus Deiner Asche alles mit, unsere Kinderzeit, unsere Verbundenheit, unsere Gefühle und Gedanken, die Musik, die wir hörten … alles Leichte wird aufsteigen, ein paar Erinnerungen werden zu schwer sein und womöglich wieder herunterfallen, aber vielleicht werden sie inzwischen zu Tautropfen und eine Rose saugt sie auf.
So lange ist alles schon vergangen, wir waren beste Freundinnen und dachten, es gäbe dieses „wir“ ein Leben lang. Da haben wir uns getäuscht, wir hatten ein paar wenige Jahre, in denen haben wir soviel gelacht, als ahnten wir, daß es für ein Leben reichen müßte.
Es hat nicht gereicht. Gar nichts hat gereicht. Nichts.
Und doch bin ich traurig und weißt Du, ich werde Dich nie vergessen, nicht das Traurige und auch nicht das Schöne … das schon gleich gar nicht.
Eine Rose lege ich auf Dein Grab … für die Vergeblichkeit.
Weißt Du noch, wie Du immer das frische Brot vom Bäcker ausgehöhlt hast, auf dem Heimweg , als wir den Berg die Radln hinaufgeschoben haben … immer wenn ich da hinaufschiebe, denke ich an Dich …