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»La Petite Mort«

SC8_1922-Regenbogen

Gestern, um 12.51 Uhr, hat sich die Sonne »gewendet«, der Höhepunkt ist überschritten, mehr Blühen als Blühen war nicht möglich, die Blätter fallen, die Frucht wird denkbar. Mit der Frucht kommt der Tod.

Alleine stehe ich am Platz der Wilden Frauen in der längsten Nacht des Jahres. Ich lausche auf den Wind, der in den Blättern raschelt, da höre ich sie, von Weitem und dann immer näher kommend, Frauenstimmen, lachend, singend, viele sind es. Auf der Nahtstelle zwischen den Welten brennt ein Feuer. Hände greifen nach mir und ziehen mich mit, lange Röcke flattern im Tanz, wir singen Lieder, deren Text ich nicht verstehe…wild und ausgelassen springen wir ums Feuer herum…mir ist, als wäre da ein besonderes Licht über dem Wald…

Der Reigen dreht sich und dreht sich in rasender Geschwindigkeit, fliegen wir schon? Da kommt noch eine dazu in einem leuchtend roten Kleid, der Kreis öffnet sich, sie wird hereingelassen, wie warm ihre Hände sind! Ich weiß, bis jetzt war nur das Vorspiel, jetzt geht der Tanz erst richtig los, denn jetzt sind wir komplett, die Dreizehnte ist da: „La Petite Mort.“

 

Im Wald nach Ixtlan?

Vor der blauen kam die goldene Stunde und die Strahlen der Abendsonne fließen durch die Bäume hindurch. Ich bin mit dem Rad auf dem Heimweg, es ist Windstille. Rechts vor mir wedelt ein Ast, andauernd. Alles Übrige ist bewegungslos, nur dieser eine Ast wird wohl von einem Wind bewegt, der von wo herkommt und wohin geht? Ich denke an Carlos Castaneda, den ich in meiner Jugend verschlungen habe, damals, als wir Spiegel T-Shirts trugen und ich ihm alles glaubte, was er als Adept, als Zauberlehrling bei Don Juan erlebt hatte. Ich konnte mir ein Leben vor Castaneda nicht mehr vorstellen. Heute ist er höchst umstritten, niemand will wohl noch glauben, daß er diese Geschichten selbst erlebt hat, eine Zeitlang bestand sogar der Verdacht, nicht nur sein Lehrer, sondern er selbst hätte nie existiert!

Mir ist es heute egal, wer sich da wo und in welchen spirituellen Welten und Mythologien was zusammengeklaubt hat, für mich waren die Bücher eine ganz große Bereicherung.  „Die Kunst des Pirschens“ lehrte mich in einer Schule des Schauens, daß es immer darauf ankommt, wahrzunehmen, was ist, zu horchen und einfach auf alles zu achten…es hat alles einen Sinn und eine Botschaft…ein kleiner Wind, ein Schmetterling, eine Schlange, die Richtung, in die der Salamander geht, und alles hat zu tun mit der Aufgabe: „Erkenne dich selbst“. Leider konnte ich ihm nach dem fünften Buch nicht mehr folgen, diese ganzen Paralleluniversen überforderten meinen damaligen Wissensstand.

Er soll mal gesagt haben: „Es gibt keinen Grund, die Welt zu transzendieren. Alles, was wir wissen müssen, ist direkt vor uns, wenn wir nur darauf achten…“

Ich stehe im Wald und kann mir nicht denken, warum dieser Ast sich so lange bewegt. Ich schaue und horche, was soll ich wissen?  Es fällt mir die rätselhafte Geschichte ein, die mir ein alter Bauer erzählte, von der Begegnung mit einem kleinen Mann, der einen großen Hut trug, nicht weit von hier…eine unerklärliche Begebenheit, nur mir hat er sie erzählt, soll ich diesen Spuren nochmal folgen?

Eine Schlange kriecht über die Straße, direkt vor mir, nein, sie kriecht nicht, sie schlängelt sich, eine Kreuzotter, wunderschön, das Abendlicht spiegelt sich auf ihrem Leib. Stille. Lange stehe ich da , irgendwann ist das Lüftchen woanders hingeflogen, der Ast bleibt ruhig. Was ich wissen sollte, wurde mir gezeigt.

Ich fahre weiter.

Zuhause sehe ich, daß die Akeleien Feenmützen tragen.