„Wer bist du Ruhendes unter hohen Bäumen?“
Der Wind in der Nacht hat die Bäume bewegt und sie haben abgeschüttelt, was reif genug ist, um auf den Boden zu fallen. Die Straße verschwindet unter einem dichten Teppich aus Nüssen.
Die roten Äpfel liegen in mehreren Lagen in großen Flecken ausgebreitet im Gras. Die Wiese sieht aus, als würde sie bluten.
So viele Bäume, so viele Äpfel, Birnen, Nüsse, so viel Arbeit, so viel Himmel über allem.
Sie hat dem Kind damals viele Geschichten erzählt, eine davon handelte von ihrem Großvater. Er hatte eine Bäckerei, damals in diesem Dorf dort im Sudetenland. Er hatte eine riesige Ökonomie, er war sozusagen ein Großgrundbesitzer, mit Knechten und Mägden, und wenn sie den hundertsten Erntewagen abgeladen hatten, gab es ein Fest auf dem Hof.
Das Kind traute dieser Geschichte nicht, es hatte ein komisches Gefühl und glaubte der Mutter die hundert Erntewägen nicht.
Später, als das Kind viele Jahre beim Leben in die Lehre gegangen war, hat es erfahren, daß eine Geschichte wahr sein kann, auch wenn sie gelogen ist.
Eine Stelle aus dem Gedicht „Passion“ (zweite Fassung) von Georg Trakl, das mich schon seit vielen Jahren begleitet, schwebt mir jetzt entgegen:
Wenn silbern Orpheus die Laute rührt,
Beklagend ein Totes im Abendgarten-
Wer bist du Ruhendes unter hohen Bäumen?
Es rauscht die Klage das herbstliche Rohr,
Der blaue Teich. …
Einen Lieblingsfilm sehe ich auf ARTE, den ich schon so oft angeschaut habe und trotzdem immer wieder von seiner wundersamen herben Schönheit überwältigt bin: „Nebraska“. Ein alter gebrechlicher Mann zieht aus, um im fernen Nebraska sein Glück zu finden. Widerstrebend begleitet ihn sein Sohn. Sie finden es nicht, das angestrebte Glück und kommen wieder heim, so wie sie einst fortgegangen sind und doch ist alles, alles anders, auch das Glück.
Und dann sehe ich in der Nacht eine Doku über Thelonious Monk und Pannonia, eine Frau, die manch einen Musiker samt Familie vor dem Verhungern bewahrte…
ein wunderbarer Film über den Jazz und über diesen unglaublichen Thelonious Monk, der stets mit ausgestreckten Fingern das Klavier spielte, weil er dadurch die Töne zu seinen Tönen machte. Wer wie ich, seine Musik tief im Inneren glühen spürt, wird sich bestimmt über diesen kleinen großen Film freuen.
Ernte Dank.

Liebe Grüße an Frau Kraulquappe
Wieder mal ein großartig geschriebenes Stück Geschriebenes!
Gruß von Sonja
Nebraska habe ich mir gestern angesehen. Was für ein schöner Film!