Als wäre alles ganz normal.
Auf der großen Leinwand im oberen Blau schwimmt eine weiße Wolke, die ausschaut wie ein Zeppelin.
Drunter kreist ein Bussard, lautlos, die Schwingen weit ausgebreitet, liegt er auf dem warmen Atem des Universums.
Eine der Fettkugeln für Meisen im Gezweig des Nußbaums färbt sich rot und wird immer roter. Ich laufe hin, da erhebt sich der Specht, erschrocken wie ich und zieht eilig während des Davonfliegens sein schwarzes Federsakko über das blutrote Untergewand.
Unter den gefährlichen Raubtierblicken der Katzen gehen die Vögel am Boden herum und suchen Material für die Nester in den Nistkästen, wo sie schon erwartet werden und ihre Baustoffe am Flugloch von Schnabel zu Schnabel abgeben, damit der innere Baumeister weiterbauen kann mit viel Spucke und unermüdlichem Fleiß. Sie brauchen Unmengen Futter derzeit, Nestbau und Eier, die zu Kindern werden erfordern viel Energie. Erst wenn die Kinder heranwachsen, flügge werden und ausziehen, können die Vogeleltern sich ein wenig ausruhen.
Ein Zitronenfalter kommt dahergeflogen, der erste heuer und er genehmigt sich ein Tänzchen auf einem Sonnenstrahl, plötzlich kommt von irgendwo ein zweiter und sie tanzen zusammen, einmal hin und einmal her, rundherum das ist nicht schwer.
Ich verschwinde im Bild, löse mich auf, verschmelze mit dem Hintergrund.
„Das meiste an uns ist geheim“ … sagt Eva Strittmater in ihrem Gedicht „Analyse 1“
Auf der Bundesstraße rollen mit Mordsgetöse elf Panzer durch das Tal.
Auf der Wiese wachsen die Buschwindröschen und tun so, als wäre alles ganz normal.

Sei aus der fernen Nähe herzlich gegrüßt, liebe Frau Kraulquappe!
Als wäre alles ganz normal … so denke ich auch oft, wenn ich im Garten hocke oder wurtschel und denke auch immer wieder dann an Hannah Höch, die sich im Dritten Reich in ihr Häuschen am Rand von Berlin zurückgezogen hatte und in ihrem Garten Trost und Gesellschaft fand, den sie ansonsten nicht mehr hatte, da ihre Künstlerfreundinnen und -freunde entweder ausgewandert, deportiert oder gestorben waren.
Liebe Margarete, ich grüße dich von Herzen,
Ulli
Hannah Höch verehre ich sehr, hab sie auch mal in einem wunderbaren Film über sie und ihren Garten gesehen.
Ja, und diese Sterberei erschüttert mich immer wieder. Auf FB kam die Mitteilung, daß ein jahrelanger sehr geschätzter FB Freund vor paar Tagen plötzlich gestorben ist. Meine Güte!
Liebe Grüße auch an Dich liebe Ulli!