24 T.-Mutmaßungen über das Fremde,Tag4

Fremde, Aliens und Maschinen

Mutmaßungen über das Fremde, das ist ja wieder mal so ein Thema, was soll man denn da schreiben, ist nicht das Schlimmste, was man mit dem Fremden machen kann, so im stillen Kämmerlein darüber zu mutmaßen? Denn das Fremde ist doch das Unbekannte, das, worüber man wenig oder nichts weiß, da sollte man doch lieber hingehen zu dem Fremden und versuchen, etwas darüber in Erfahrung zu bringen, das Unwissen durch Wissen zu ersetzen und somit das Fremde zum Bekannten machen, zum Vertrauten vielleicht sogar. Mutmaßt man hingegen aus sicherer Distanz zu lange herum über das Fremde, so mischt sich sehr bald Angst in die Mutmaßungen hinein, und ehe man sichs versieht, imaginiert man das Fremde nurmehr noch als mörderische Bedrohung, die nichts anderes als die Auslöschung alles Bekannten und Vertrauten im Sinn haben kann. Bestimmt essen die alle zum Frühstück schon ein paar unschuldige Babies, diese Fremden, und wenn wir nicht aufpassen, dann heißt es gleich: „Friss jetzt das Baby oder wir fressen dich, Fremder!“ Und so panzert man sich dann ein.

Zum Beispiel die Aliens. Es gibt überhaupt nichts Fremderes als diese Außerirdischen von anderen Planeten, von denen wir absolut gar nichts wissen, noch nicht mal, ob es sie überhaupt gibt, weswegen sie im Englischen sinnreicherweise die Fremdheit schon im Namen tragen. Erstaunlich viele Science-Fiction-Szenarien, von H. G. Wells’ Krieg der Welten bis hin zu Starship Troopers, Independence Day oder eben Alien, stellen sich nun unseren ersten Kontakt mit diesen extraterrestrischen Fremden als einen reinen Vernichtungskrieg vor, die Aliens erscheinen als das Böse schlechthin. Dem anderen großen Fremden an sich, der künstlichen Intelligenz, geht es da nicht viel besser, Stichwort Skynet, Matrix, Ultron und wie sie alle heißen. Auch die denkenden Maschinen stellen wir uns offenbar allzu gerne als durchgeknallte Monster vor, welche mit ihrer überlegenen Superintelligenz nichts Besseres anzufangen wissen, als die gesamte Menschheit vernichten, mindestens aber versklaven zu wollen. Welch bemerkenswerter Mangel an Phantasie.

Von Stanislaw Lem gibt es eine Geschichte, da kommt der Astronaut auf einen Planeten, der von lauter feindseligen Robotern bewohnt wird. Um nicht aufzufallen, hüllt sich der Protagonist also in so eine Blechhülle und tarnt sich selbst als Roboter. Dann passiert so dies und das, hab ich alles vergessen, und am Ende kommt heraus: Die anderen Roboter sind auch alles nur verkleidete Menschen, die Angst vor den Robotern hatten und sich deswegen als Roboter tarnten. In Wirklichkeit gab es von Anfang an überhaupt keine Roboter. Ich glaube, so ist das auch mit dem Fremden, also ich mutmaße das jetzt mal.

Gastbeitrag: Andreas Wolf

2 Gedanken zu „24 T.-Mutmaßungen über das Fremde,Tag4

  1. Tolle Parabel von Lem: Passend zu dem, was mir seit Jahren auffällt:

    Alle spielen sklavisch eine berufliche Rolle(Blechrüstung) – so, wie sie glauben, dass es irgendwer anonymes erwarten würde – und in den Raucherpausen klappen sie das Verstellungsvisier hoch und beichten sich gegenseitig, wie Scheiße sie das alles finden, was sie selbst gerade noch in Versammlungen aller Art als Profilierungsmaßnahme, Herausforderung, Bereicherung heuchlerisch lobhudeln.

    “Menschheit! Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu.” (Ch.Bukowski)

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