24 T. – Erkundungen der fernen Nähe … Tag 2

Ein paar hundert Meter vom alten Haus in Richtung Südosten führt der Weg durch ein kleines Wäldchen, überquert den Bach und schlängelt sich den Hügel hinauf. Am Bachrand stehen 13 Eichen und an einer gewissen Stelle ist ein Ort, den ich den Platz der Wilden Frauen nenne, dort gehe ich hin, wenn ich Antworten auf Fragen in mir suche.

Was mache ich da, frage ich heute, was erwarte ich mir von den nächsten 20 Tagen, was will ich finden … was suche ich denn überhaupt, auf diesen 10 km um mein Heimathaus herum … wo soll ich beginnen … ich hatte da wieder mal eine Idee, nein, mehr noch einen Traum … und jetzt, wo es an die Umsetzung geht, habe ich keinen Plan … es werden dunkle Geschichten, denke ich, auch jetzt dämmert es, die blaue Stunde beginnt. Wo soll ich beginnen, wie „bereist“ man 10 km Heimat? Ich werde auf den Spuren meines Lebens gehen … was habe ich mir da nur wieder Unmögliches ausgedacht. Zwischen den Eichen sehe ich langsam im Nebel verschwimmend den Holzstadel, der früher für die Weidetiere einen Unterschlupf bei Wind und Wetter bot, heute ist er abgesperrt, der Bauer läßt die Tiere nicht mehr hinein. An der Holzwand steht auf einem Schild zu lesen : Schöller, königl. bayr. Bezirksgericht.

Vor langer Zeit stand da ein Bauerngütl, und die Leute waren so arm, daß die KInder auch im Winter barfuß laufen mußten, so erzählte es mir meine Großmutter. Heute weiß niemand mehr was von ihnen … ein Ort, den man Lost Place nennen könnte. Steinplatten liegen im Boden eingelassen, da, wo mal das Haus war. Bis vor ein paar Jahren stand noch ein uralter Zwetschgenbaum dort, den hat der jetzige Grundbesitzer eines Tages abgehackt. Und den ehrwürdigen Nußbaum am Wegesrand habe ich oft besucht, mich an seinen dicken Stamm gelehnt und ihm am Ende des Winters Rilkes Gedicht vom Vorfrühling aufgesagt, und bei der Stelle … „des alten Nußbaums rühmliche Gestaltung füllt sich mit Zukunft“ … da bekam ich immer nasse Augen, weil ich meinte, seine Freude zu spüren. Eines Tages hat ihn der Sturm hinweggefegt. Alles verloren und dennoch liegt die Spur einer alten Geschichte über dem Ort … zurückgehend durch das kleine Wäldchen fällt mir ein Ereignis ein, das ein paar Jahre zurückliegt. Ein paar Freundinnen hatten sich in die Haltung des „Bärengeistes“ begeben, einer uralten Figurine, und wir erforschten die rituellen Haltungen nach F. Goodman. Ich hatte die Aufgabe, mit der Rassel für Orientierung und Sicherheit auf der Reise zu sorgen und alle wieder zurückzuführen. Es war eine klare Nacht, der Vollmond stand direkt über uns. Ich war sehr wachsam und hielt die Augen und Ohren offen. Dann kam langsam eine Nebelzunge den Hügel herunter, umschlängelte  uns in einer Spirale und verschwand im Wald. Niemand außer mir hatte etwas bemerkt, so sanft und zart war diese  Begegnung.

Frau Percht kommt aus den Bergen und reist übers Land und ich lasse mich treiben mit ihrer wilden Entourage, wir fliegen durch Zeiten und Räume einer heiligen Dunkelheit.

2 Gedanken zu „24 T. – Erkundungen der fernen Nähe … Tag 2

  1. die haltungen nach felicitas goodman habe auch ich viel praktiziert, immer in gemeinschaft mit anderen frauen. welch fruchtbare reisen waren das … so kostbar … habe viel geschenkt bekommen viel „sehen“ dürfen …

    💕 pega

  2. Neugierig frage ich, geht es um das Buch: Ekstatische Trance: Rituelle Körperhaltungen Das Praxisbuch? Ich habe nämlich noch keine Erfahrungen damit gemacht und bin nun sehr „angefixt“ 🙂
    Liebe Grüße, Frau Graugans, du Schwester im Geist.

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