Mond

Endlich taucht er über Salzburg auf und kommt herangeglitten auf schwarzem Himmelsgrund. Auf dem Hügel erwarte ich ihn voller Sehnsucht.

Früher dachte ich, irgendwann kommt das Alter und dann kriege ich die Antworten zur Klärung der Dinge. Aber ohne sich groß anzukündigen hat sich das Alter längst eingeschlichen. Die Antworten bleiben aus, dafür werden die Fragen täglich mehr.

Er beugt sich ein wenig herab und malt mit Silberfingern Zeichen auf  mein nacktes Gesicht, auf der Stirne ist noch Platz, dorthin  schreibt er Liebe …ach Mond, das beantwortet doch keine meiner Fragen, oder?

Schon neigt er sich wieder über mich, aber bevor er auch noch seine Hand ausstreckt laufe  ich weg mit brennender Stirn und klopfendem Herzen und verstecke mich im Schatten des blühenden Kirschbaumes.

Am Morgen schneit es.

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6 Gedanken zu „Mond

  1. Schön geschrieben. Aber welche Dinge sind denn noch unklar? Ich erlebe das andersrum: Nun (Ende 50)runden sich die Dinge zum Ganzen – aber es nützt einem irgendwie nix mehr. Wenn ich mit 17 das gewusst hätte, was ich jetzt weiß – wäre verdammt viel anders gelaufen in meiner Biografie.

    1. Also, wenn wir jetzt ums Eck rum wohnen täten, dann würd ich sagen, laß uns bitte baldigst auf ein Bier gehen und dann erklärste mir das mal genauer, wie Du das so hinkriegst…die Dinge zum Ganzen…ich fürchte, ich habe keine große Begabung zur Weisheit, bin eine Träumerin geblieben. Aber da geb ich Dir vollkommen Recht, bei mir wär auch ziemlich viel anders gelaufen, wenn ich früher manches gewusst hätte, was ich heut weiß, so hoffe ich wenigstens. Liebe Grüsse

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