Das Feenspiel – 13. Rauhnacht

Man mag mich nicht. Verteufelt, verkannt, vergessen. Und doch bin ich die, die ich bin. Kann mich nicht erkennen. Ich gehe um den See herum, die Uhr schlägt die Stunde vor Mitternacht, bald beginnt die letzte der Heiligen Nächte. Die bleiche Mondsichel spiegelt sich im schwarzen Wasser, von mir spiegelt sich nichts. Alt bin ich und bucklig und humpelnd schleppe ich den schweren Rucksack und böse bin ich und mein Gefolge sind mordende Rabauken … so wollen sie es sehen. Und heute Nacht soll sich die Wandlung vollziehen, ich soll wieder jung und strahlend schön werden und das Licht bringen in ihre finsteren Seelen… so wollen sie es sehen.

Im Sommer lebe ich im Gebirge und im Winter reise ich in die Unterwelt  und fliege über den Himmel. Ich bin, die ich bin , die ich war und die ich sein werde. Ich kann mich nicht erinnern, wer ich war und wer ich bin und doch bin ich die, die ich bin. Ich trage das, was beginnt, das was endet, und das was wieder beginnt im Rucksack mit mir herum. Ich bin im ZwischenRaum von Werden-Vergehen-Werden und füge die losen Enden zusammen. Ich bin da, wo nichts mehr ist, zwischen dem letzten Seufzer und dem ersten Atemzug … ich bin das Licht in der Dunkelheit und die Dunkelheit im Licht und ich bin jung und alt und jung zugleich. Ziemlich kompliziert, ich mag nicht weiter nachdenken über die fremde verwirrende Dimension, in der ich existiere, sondern freue mich über die Einladung der Eule und lasse mich auf ihren Schwingen zur Höhle hinauf in den Bergen fliegen.

Dort wartet Ihr schon, meine Schwestern. Wie schön Ihr seid, in Euren Augen spiegeln sich die Gezeiten und goldener Glanz leuchtet von Euren Kronen. Alles Wichtige habt Ihr schon gesagt auf Eure wunderbare Weise, eine jede mit der Magie ihrer EigenArt. Mir bleibt jetzt nur noch, den Kreis zu schließen … Oh, und seht, die Höhle öffnet sich, und so wie die Sterne oben so werden unsere Füsse unten den Reigen tanzen. Und während wir das Zauberlied singen in Begleitung von Mond und allerlei Tieren der Nacht drehen wir uns im Kreis  und unsere Füsse zeichnen das geheimnisvolle Muster in den Boden und alles was einen Anfang hat wird enden und alles was endet, hat einen Anfang, und dazwischen liegt die Ewigkeit.

So soll es sein.

Gastbeitrag: Die 13. Fee »Die Percht«

8 Gedanken zu „Das Feenspiel – 13. Rauhnacht

  1. Wie schön du den Kreis geschlossen hast!
    Ich möchte meinen Dank für diesen zauberhaften Feentanz aussprechen. Nun haben wir unsere Gaben verteilt, haben gesungen, getanzt, geflüstert und gelacht und auch ein bisschen Nachdenklichkeit gebracht, jede auf ihre Weise. Wir haben den magischen Glanz der 13 Raunächte der Welt geschenkt, nun möge sie dadurch ein kleines bisschen leichter und schöner sein!
    Danke für euch, danke dir, liebe Graugans, die du dieses außergewöhnliche Treffen initiiert hast.
    Ich wünsche allen von Herzen Gutes in der Umrundung des neuen Jahreskreises.
    Herzliche Grüße
    Ulli, mit einem kleinen Rest Feenstaub für die Welt

    1. Wie wunderschön du das sagst: Gutes in der Umrundung des neuen Jahreskreises, herzlichen Dank liebe Ulli, für Deinen wunsch und sonst auch noch für alles mögliche …und ganz liebe Grüße!

  2. Ich möchte mich Ullis Worten anschließen… – auch von mir ein DANKE an dich, liebe Gretl, für die Idee und deine Mühe, die 13 Traumgarne zu einem feinen Teppich zu weben!
    Herzliche Grüße in die Feenrunde und allerbeste Wünsche zum neuen Jahr,
    Natascha

    1. Das ist ja ganz wunderbar, daß Du schon einen feinen Teppich erkennen kannst, das freut mich enorm … ich bin noch ein wenig benommen von all der Zauberherrlichkeit und wahrscheinlich auch bisserl betriebsblind … noch … aber ich habe so ein Gefühl, als tät da was weiterwirken, -weben … ein ganz zartes Gespinnst … Servus und ganz viel Gruß und Dankeswort zu Dir auffi auf Minga!

  3. was soll ich sagen?! den herzensworten meiner vorrednerinnen möcht ich nur ein einziges wörtl hinzufügen, auch ganz von herzen:
    DANKE!
    danke, liebe gretl, danke, liebe schwestern!

    pega

  4. Liebe Margarete,
    vielen Dank für Deinen Mut, die Feen zu rufen. Ich hätte mich das nicht getraut.
    In mir klingen die Rauchnächte noch sehr nach, vieles hat sich in meinem Herzen bewegt. Die Worte aller Schwestern haben mich sehr berührt und viele Fragen haben sich hochgeträumt.
    Ich kann sie nicht gleich beantworten. Das brauche ich auch nicht.,
    Das Jahr ist frisch und jung – die Antworten werden zu ihrer Zeit kommen.
    Ich nehme die Geschenke der Schwestern mit ins neue Jahr wie ein kleines Büchlein, das ich bei mir trage und in das ich immer mal wieder hineinschauen werde.
    Einen lieben Dank an Euch alle – vielleicht begegnen wir uns im neuen Rund einmal und erkennen uns an dem Feenstaub, der noch in unseren Haaren liegt.
    Herzliche Grüße, Susanne

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