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“…allein die Seele…”

Er ist Informatiker, sie – keine Ahnung.
Ein Ehepaar, beide fast noch Kinder, Sportjacken,
der erste frühlingshafte Samstag dieses Jahrs,
mit zwei Tüten Karotten kommen sie aus dem Gemüseladen,
überqueren die Straße, steigen in einen VW-Käfer.

Bremslicht, Rückwärtsgang, Gas.
Nichts wie weg. Wie unbedarft
die Welt – und doch wie unbegreiflich.
Sie besuchen ihr Pferd in Fót.

Die ganze Stadt blüht auf.
Der Körper grinst, allein die Seele
sitzt mal wieder einem Märchen auf.
Das Hirn ist marode. Sogar so ein harmloses
Wochenendprogramm bringt es fast zum Durchdrehen,
am überraschendsten aber ist die Tatsache,
wie wahnsinnig ihn das alles macht. He! Moment mal!

“Entschuldigung! Könnt ihr mir mal für zwei Minuten
das Nichts abnehmen, bis ich mich hier im Hauseingang
ausgeweint habe? Gar kein Risiko dabei,
hier gibt´s keinen anderen Ausgang, ich bin gleich zurück und
nehm´s euch wieder ab!
Es kostet euch nicht mehr Mühe –
als jemandem zu helfen, sein Auto anzuschieben!”

István Kemény
( Nützliche Ruinen )

Vielen Dank der wunderbaren Mützenfalterin, die es ermöglichte, daß dieses Gedicht auf seinem Weltenweg auch hierher gelangte!