T.20 der Mutmaßungen über die L.i.e.b.e.

Wir konnten nur glücklich sein, wenn es dem anderen gut ging. Daß es dem
anderen gut gehe, das war der größte Wunsch. Wir mussten einander nicht
fragen, fühlen genügte. Nicht einmal am selben Ort mussten wir dafür
sein. Ging es dem anderen schlecht, trübte sich das Licht. Dann saßen
wir beieinander, bis es vorüber war. Die Amsel sang wieder. Einmal war
ich sehr krank, und du hast mir etwas Bitteres eingeflößt, ich konnte
kaum einen Tropfen davon auf der Zunge ertragen. Du führtest den Löffel
an meinen Mund, einen Schluck nur, flehtest du, und deine Wärme
durchströmte mich. Was auch immer es war, es heilte mich. Es geht
besser, flüsterte ich und sah dich lachen und weinen. Dann lachten wir
beide, Tränen liefen uns über die Wangen. Und immer wieder sang die
Amsel. Bis zu dem Tag, da sie verstummte. Und das Licht trübte sich.
Aber immer fühle ich dich.

Vielen herzlichen Dank , liebe Madame!

2 Gedanken zu „T.20 der Mutmaßungen über die L.i.e.b.e.

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