Der Faden

Drei Frauen, bekleidet vom Blau der Nacht stehen am Ufer,
alleine möchte ich sein,
schlaflos.
Plötzlich diese Drei,
stehen da, schauen auf den Fluß,
drehen sich um,
schauen mich an.
Der Wind bringt Harzgeruch, wenn sie ihr Haar zurückwerfen.
Es sollte nach Moos riechen, meine ich, es sieht aus wie weiches
Moos.
Ich aber rieche Harz, wildes Harz, aus Bäumen geblutet.
Lange bunte Röcke flattern im Wind – oder erträume ich mir das?

Die Erste spinnt den Faden,
die Zweite reicht ihn weiter,
die Dritte schneidet ihn ab,
während die Erste schon wieder einen neuen gesponnen hat.

 

Was soll ich tun, Ihr Wilden Frauen?
Ich bin so nackt, mein Fell ist mir abgefallen.

Tanze den Mond in Deine Augen,
tanze, bis du umfällst und schlafen wirst.
Tanze auf den Silberspuren der Schnecken,
dorthin, wo es keine Garantien mehr gibt.
Tanze, bis du den Gesang der Sterne hörst.
Tanze hinein ins Labyrinth der Träume
bis dahin, wo nichts mehr ist.

Wie finde ich wieder hinaus?
Nimm den Faden.
Vergiß nicht: Alles hat seinen Anfang genommen auf der Silberspur
der Schnecken.
Ich habe Angst, sage ich,
Mein Fell ist zu eng geworden,
es ist abgefallen in den vielen Nächten.

Da singen die Wilden Frauen und ihre Gesänge tropfen
wie Tau ins Gras.

 

9 Gedanken zu „Der Faden

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