Kategorie-Archiv: im Großen Raum

Mond

Endlich taucht er über Salzburg auf und kommt herangeglitten auf schwarzem Himmelsgrund. Auf dem Hügel erwarte ich ihn voller Sehnsucht.

Früher dachte ich, irgendwann kommt das Alter und dann kriege ich die Antworten zur Klärung der Dinge. Aber ohne sich groß anzukündigen hat sich das Alter längst eingeschlichen. Die Antworten bleiben aus, dafür werden die Fragen täglich mehr.

Er beugt sich ein wenig herab und malt mit Silberfingern Zeichen auf  mein nacktes Gesicht, auf der Stirne ist noch Platz, dorthin  schreibt er Liebe …ach Mond, das beantwortet doch keine meiner Fragen, oder?

Schon neigt er sich wieder über mich, aber bevor er auch noch seine Hand ausstreckt laufe  ich weg mit brennender Stirn und klopfendem Herzen und verstecke mich im Schatten des blühenden Kirschbaumes.

Am Morgen schneit es.

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Auf der Hausbank

Ich sitze auf der Hausbank vor dem alten Haus in der Sonne und der Himmel über mir ist so blau und weit und hoch und ein Hauch von Ewigkeit durchströmt mich, ein zartes leises Glück inmitten aller Flüchtigkeit läßt mich demütig werden und mich bedanken dort hinauf.

Es ist, wie es ist. Gestern ist vorbei, morgen weiß niemand, was kommt und heute kann gelebt werden.

Dieser Meinung bin ich auch, sagt die Graugans, die soeben gelandet ist  und ihr Gefieder putzt.

Ja, meine liebe Graue, wo warst Du denn so lang?

Polarwinde. Richtung verloren. Expedition abgebrochen. Sturzflug. Notlandung . Treiben im Eismeer. Bekomme mächtig eins vor´n Bug. Angeschossen. Rettung Eskimos. Zusammengeflickt. Nicht gebraten und gefressen. Glück gehabt! Dankeschön. Leidlich flugtauglich. Richtung wieder aufgenommen. Wind Richtung Süden abgepasst. Heimgeflogen. Pause. Wenn Löcher im Gefieder verheilt – Plan für neue Expedition liegt vor.

No risk no fun, nicht wahr?

Sagts, zieht das eine Bein hoch , steckt den zerzausten Kopf unter den Flügel und hält den Schnabel.

Ich liebe Dich, weißt Du das denn?

Ja ja, ich Dich auch, aber jetzt keine Sentimentalitäten, möchte mich sammeln.

Aber…

Auch keine Fragen, muß schlafen.

Aha, na dann ist ja alles…irgendwie…gut…oder?

 

Ich strecke die Hände weit hinauf, dem Himmel entgegen und der fließt an meinen Armen herunter und fließt und fließt und ich werde zur Frau in Blau…

wie schön.

Herzensklänge

Die Erkenntnis, daß alles, aber auch wirklich ALLES aus Sternenstaub und Klang besteht, läßt die Frage entstehen, ob es denn überhaupt ein Niemandsland braucht.

Sie mag darüber nicht nachdenken, sondern sie legt sich auf den fliegenden Teppich der Musik und läßt sich tragen durch das Sein.

 

7. Rauhnacht

Heute ist eine sogenannte Losnacht, “losen” oder “lusen” bedeutet in der bayrischen Sprache Horchen, Lauschen, also genau hinhören heute Nacht und wo hingehen oder wo sein, wo ich ungestört in die Stille des Raumes und seine hinteren Gründe hineinhorchen kann.

Und was fang ich an mit den wohlgemeinten Ratschlägen, sogar die Rauhnächte so gezielt und effektiv dazu zu benutzen, alle unerwünschten Anhaftungen, Ärger, Gedanken loszulassen, alte und neue Verbindungen auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen und abzustreifen, was nicht passt, den Ballast und ungute Menschen. Und gleichzeitig  gar nichts zu tun und den Dingen ihren Lauf zu lassen, zu tandeln, verweilen, dasitzen und Löcher in die Luft starren oder “ins Narrenkastl schaun”, wie man früher bei uns sagte.

Ich gehe hinaus in den Wald zum Platz der wilden Frauen, den nur ich kenne und dort bin ich alleine, ganz alleine. Es ist Nacht und  eine Nebelzunge leckt über mein Gesicht. Der 13. Mond, dem ein gewaltiges Stück an seiner rechten Seite fehlt, verschwimmt tatenlos hinter Milchglas. Und nun, was soll ich erhorchen und was soll ich wissen, welche Träume darf ich nicht träumen, weil sie sich nicht schicken für ein altes Weib, welche Illusionen zerplatzen wie Seifenblasen, wenn ich sie berühre, welche Begegnungen drohen mit schlechten Anhaftungen, was ist denn gut für mich…ach, mir wird schwindlig bei diesen ganzen Nachforschungen darüber, wo überall die Gefahren drohen und was ich alles loslassen soll und vor was ich auf der Hut sein soll, und ich höre die Vaterstimme: ” Du fällst schon wieder aus der Rolle, du bist so extrem, übertreib doch nicht so, erzähl doch nicht immer allen alles, die Menschen sind nicht so wohlmeinend wie Du denkst, Du bist eine solche Träumerin,  jetzt reiss dich doch endlich zusammen und laß dir was sagen!”…nein Papa, ich laß mir nichts sagen, und zusammenreissen mag ich mich schon gar nimmer, ja, ich bin eine Träumerin, aber es ist mir alles scheißegal, ich will Musik und Tanz und Poesie, Freude und Gelächter, und ich will meine Zeit verschleudern und meine Liebe verschwenden im Übermaß, ja, auch an die Falschen, ach, welche sind denn bitte die Richtigen? Ich möchte Menschen an der Hand halten und das Verkehrte sagen und Blödsinn quatschen und mein Leben vertun mit Gaukelei und die Tage mit den Nächten vertauschen, womöglich verwahrlosen und springen und hinfallen und humpelnd weitertanzen  und küssen und weinen und mich aufregen an nicht adäquater Stelle und wenn ich  sterben muß, dann sollen alle sagen, sie hätten mich gewarnt vor diesem zügellosen Leben, aber ich möcht lieber an Aufregung im Herzen früher vergehen müssen, und weil alles zuviel war, als an grenzenloser ausdorrender Vernunft und einem zufriedenen und anständigen Leben.

Hinten aus dem Dickicht greift ein fahler Arm nach mir, und eine Stimme sagt, ” schau Greterl, da, an diesem Ast hab ich mich erhängt”, ach Mama, da ist  gar nichts passiert, das Schürzenband ist doch abgerissen, weißt Du denn das nicht mehr und jetzt verschwinde, auch für dich stehe ich nicht mehr zur Verfügung. “Warum finde ich denn den Papa nicht? ” Meine Güte, laßt mich doch endlich in Ruhe, pfeift den “River Kwai-Marsch” aus Euren glücklichen Zeiten, und wenn Ihr Euch trotzdem nicht findet, dann ist mir das auch egal jetzt. Ja, und ich,  ich werde weiter übertreiben und meine Gefühle auslassen und herumspinnen, was das Zeug hält und Visionen in die Welt setzen, die nichts standhalten und die niemand braucht und ich werde weiterhin die Träume träumen, die sich nie erfüllen, wozu auch? Und ich werde weiterhin zu spät kommen und so verschwurbeltes Zeugs von mir geben, was kein Mensch versteht…

Und ich tanze frierend und mit Nebelhaar auf der Lichtung herum und noch bevor ich richtig sehen kann, was da hinten herumsteht, packt mich eine große, alte, mächtige Gestalt in einem bunten Fetzengewand…ich hatte sie gar nicht herankommen gehört…mit krächzender Stimme sagt sie:” So, jetzt ist aber genug gequasselt für heut, Du gehst jetzt auch in meinen Kessel und bist still, damit ich in Ruhe umrühren kann, geh nur rein, da sind schon etliche, die Du kennen wirst, und dann schaumamoi, was wir  da für ein Supperl für Euch zusammenrühren können!” Sprichts, blitzt mich mit schwarzen Rabenaugen an und schmeißt mich in den Kessel. Durch grüntürkises Wasser sinke ich langsam auf den Meeresboden und lasse geschehen was geschieht.

Irgendwann komme ich heim. In der Stube läuft der stumme Fernseher, aus dem Hörbuch spricht  “Der Mann ohne Eigenschaften”, Herr Graugans samt Kater Herbert schnarchen auf dem Sofa und öffnen jeweils ein Auge. “Ganz unrecht hatte Dein Vater nicht mit der Aussage, daß es wohl niemanden auf der Welt gibt, der so spurlos verschwinden kann wie seine Tochter”… schaut auf meine durchnässten Schuhe und schläft weiter.

Ich hole mir ein wunderbar dunkles Bier, gehe vors Haus und proste allen zu, den Sternschnuppen und den Rauhnachtsgeistern und denen, die auf dem Meeresboden noch auf die Blauen Wunder warten…

Sie werden passieren, glaubt mir!

 

2. Rauhnacht

Weihnachten ist fast vorbei. Die Wunder sind eingetroffen. Die Freunde gestreichelt. Die Liebe empfangen. Der Braten verzehrt. Die Geschenke entgegengenommen. Die Sehnsucht beruhigt. Die Küsse sind ausgeteilt. Die Katzen sind gefüttert. Alles ist ruhig. Alles ist gut. Nur der Mond verbrennt meine Haut.

Du, darf ich in Deinem Bauchnabel schlafen, heute Nacht?

Finis…?

Die letzten heissen Tage, in denen wir unsere kleine private Sommerakademie veranstalteten, sind längst vergangen, der Sommer ist alt geworden und hat im Herbststurm seine Kleider abgeworfen.

Als wir unsere Arbeiten fertigstellten, kamen grad viele tausend geflüchtete Menschen in Deutschland an, das Land spürte plötzlich ein mitfühlendes Herz in sich schlagen, rannte mit Altkleidung, Wasserflaschen, Plüschtieren und Transparenten zu den Bahnhöfen, verhielt sich freudig erregt und nannte dies “Willkommenskultur”. Es kamen und kommen immer mehr, hunderttausende und jetzt wird die Freude über die Fremdlinge deutschlandweit merklich kühler, an den Grenzen wird streng kontrolliert, die Bundesländer halten sich relativ zurück in der Aufnahmebereitschaft…

Als wir vor ein paar Wochen auf der Heimfahrt nachts aus Versehen die falsche Ausfahrt nahmen, lagen an der Grenze Salzburg/Freilassing kilometerweit auf den Gehsteigen und auf der Straße Kleiderbündel gestapelt herum, o mein Gott, ich schäme mich so sehr, ich dachte tatsächlich im ersten Moment, es wäre Altkleidung, nein, es waren Menschen. Hunderte, tausende Menschenbündel lagen in dieser kalten Nacht und warteten, viele nicht zugedeckt…und da wusste ich plötzlich, jetzt hat die Welt ihr wahres Gesicht gezeigt, und plötzlich war alles anders wie vorher. Seit dieser Nacht gibt es kein Wegsehen mehr, die Wirklichkeit hat alle Fernsehbilder überholt.

Inzwischen sind alle Geflüchteten (es kommen täglich mindestens tausend hinzu) in Zeltlagern entlang des Grenzflusses hinter Zäunen und unter Bewachung untergebracht und müssen warten, denn wegen der vielen Millionen, die auf das Oktoberfest wollten, durften die Geflüchteten nicht auch noch mit Zügen nach München fahren, wohin sie ja wegen Registrierung und Weitervermittlung müssen, das hätte die Stadt nicht mehr verkraftet, also Warten im Zeltlager. Inzwischen heisst es, nächste Woche dürften die Züge wieder fahren.

Die Ereignisse überstürzen sich ständig, die Probleme wachsen, erstaunlich, wie ruhig und andauernd hilfsbereit die hiesige Bevölkerung bleibt, trotz nahezu lahmgelegtem Grenzverkehr über Wochen wurde und wird zwar viel über starre Bürokratie und über alle staatlichen Eingriffe und über alles Mögliche geschimpft, nie über die Geflüchteten, niemand gibt ihnen die Schuld, im Angesicht der Not, die sie mitschleppen, werden ihnen die Hände gereicht.

Mittendrin in diesen ganzen übergroßen Ereignissen gab es unsere kleine, virtuelle Ausstellungseröffnung! Vor den Rechnern saßen wir und haben aufgeregt die wunderbaren Kommentare beantwortet und uns so sehr gefreut, daß Ihr alle hierher gekommen seid, zum luftigen Ort der Graugans, zwischen Himmel und Erde, daß Ihr die Arbeiten wahrgenommen habt und viele von Euch das Thema ins Herz gelassen haben!

In den letzten Vernissagen, “leibhaftigen”, an denen ich teilgenommen habe, waren ca. 20 BesucherInnen, die haben die Eingangsrede über sich ergehen lassen, sind nach einem kurzen Blick auf die Arbeiten in Grüppchen herumgestanden, haben über Urlaub etc. geredet und sind verschwunden. Eine Künstlerin war so gekränkt und verärgert, daß sie kein Wort mehr sprach mit der Kuratorin, die es nicht geschafft hatte, mehr Leute herzubringen. Also, wer aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, wie schwer es ist, Menschen in Ausstellungen zu locken, vor allem, wenn man nicht DEN Namen hat oder massentaugliche Ware produziert, weiß auch, daß es an einen sensationellen Erfolg grenzt, wenn in zwei Stunden ein paar hundert “Zugriffe” vermeldet werden.

Habt Alle herzlichen Dank für´s Kommen, für´s Mitmachen bei diesem virtuellen Experiment, vor allem für´s Mitreden, für´s genaue Hinschauen und -hören und auch  denen, die kein Zeichen hinterließen, für´s aufmerksame Wahrnehmen!
Dank von Herzen, es war so schön mit Euch, so gute Gespräche, so viel gute Energien kamen geflogen und manch eine Präsenz von Euch war spürbarer in dieser luftigen Weite als viele, neben denen man leibhaftig so herumsteht!
Das Rad dreht sich weiter, unsere Arbeiten wurden der virtuellen Unberechenbarkeit übergeben.
Seid gegrüßt, bleibt mir gewogen und laßt uns weiterhin in irgendeiner Weise miteinander in Kontakt sein, ich freu mich drauf und stehe zur Verfügung!

Seid gegrüßt!

Herzlich willkommen alle, die sich jetzt tatsächlich hier eingefunden haben, hier in diesem luftigen Raum, irgendwo zwischen Himmel und Erde! Dieser Raum, nicht vorhanden und doch bewegen wir uns darin, der Boden unter unseren Füssen ist längst weggebrochen, doch wir laufen auf ihm dem Horizont entgegen, wir begegnen uns nicht und doch erhoffen wir uns ein wenig Aufmerksamkeit und daß sich die Einsamkeiten auf unseren Wegen kreuzen.Flüchtlinge sind wir, irren im Niemandsland herum und suchen danach, wahrgenommen zu werden und geduldet…

Alle, alle streben wir auf einen Fluchtpunkt zu, der sich aber wie der Horizont zu verhalten scheint: je mehr wir ihm entgegenlaufen, um so weiter rückt er von uns ab. Nur sehr selten geschieht es, daß sich die Atmosphäre für einen Augenblick so verdichtet, auf den Punkt gebracht, sozusagen, um von da aus neu begonnen werden kann.

Heute, jetzt, durch Eure Anwesenheit, scheint mir so ein Moment entstanden zu sein. Ich freue mich sehr, Euch alle hier begrüßen zu dürfen! Wie gerne würde ich Euch Wein und Brot und Käse auf den Tisch stellen, Schokoladenkekse für die Schleckermäuler und starken heissen Tee mit Rum für die Frierenden, das ist halt der Nachteil einer solch luftigen Zusammenkunft, ich hoffe, Ihr bleibt mir trotzdem gewogen!
Herzlichen Dank für Eure Anreise und Euer Interesse! Zu unseren Arbeiten möchte ich gar nichts sagen, sie sprechen für sich selbst.
Bedanken möchte ich mich bei meinem Administrator Michael, der die Idee für eine Sommerakademie hatte und bei Lu, die bereitwillig mitmachte.
Eine Woche lang die Haus- und Hofangelegenheiten, die nicht aufschiebbaren Arbeiten und die banale, verschlingende Alltagswirklichkeit so weit in Schach zu halten, daß es möglich war, sich auf ein Thema zu konzentrieren, eine schier unüberwindliche Aufgabe! Letztendlich ist es dann so gelaufen, wie es halt meistens läuft in so einer Sommerakademie: Tagelang plagt man sich herum, gerät auf Wege, die sich als Sackgassen herausstellen, die Zeit schreitet voran und kurz vorm Ende geht plötzlich sowas wie ein Knopf auf und dann könnte man Tag und Nacht weiterarbeiten, aber dann ist Abgabetermin! Als wir nach einer Woche uns gegenseitig die Arbeiten zeigten, waren wir erstaunt über die Ergebnisse!

Nach dem Thema unserer Arbeit haben wir nicht lang suchen müssen, wir haben das genommen, was uns am meisten inneren Aufruhr verursacht hat!

: Flüchtling

So, Ihr Lieben, ich hoffe, Ihr haltet so wie wir ein Glas in der Hand und wir trinken auf uns und alle, die auf der Welt herumirren und nach einer Bleibe suchen, laßt uns ihrer gedenken und die eine oder andere Tür aufmachen oder zumindest nicht absperren! Und wisst Ihr was: auf manch einer Vernissage mit vielen “leibhaftigen” Menschen habe ich weit, weit weniger wirkliche Anwesenheit gespürt als heute hier mit Euch, habt Dank! Prost!

GretlFluechtling

Margarete Helminger :Flüchtling (Text/Illustration/Collage) – mehr Infos unter YouTube

Oneironaut

Michael Helminger Oneironaut:Flüchtling (Eine Selbstbefragung/Videoarbeit) – mehr Infos unter YouTube

LuiselFluechtling

Luise Wittmann :Flüchtling (Malerei/Packpapier) – mehr Infos unter YouTube

wish

Aus dem “Mond der reifenden Beeren” ist längst eine Sichel geworden, das Rad dreht sich weiter, nach dem 63. Geburtstag kommt das 64. Lebensjahr. Nichts bleibt, gar nichts, alles vergeht und ändert ständig seine Gestalt. Der Körper wird weiter verfallen, um sich irgendwann abzustreifen und davonzufliegen. Wilde Kräfte sind am Werk, der Feuerdrache bläst heisse Wüstenluft über das Land, das schon nach Herbst riecht. Aber “noch” ist Sommer. “Noch”, nicht mehr abzuschütteln wie “Seniorin” und so manche andere Gemeinheit. Wenn schon, dann müsste es “DENNOCH” heißen! Dennoch tanzen, dennoch schreien, singen, jauchzen, spinnen, in den Wald laufen, die Dinge verwandeln, Freude in die Augen der Menschen zaubern, aufregen, trommeln und nicht aufgeben, weiterhin Didgeridoo zu lernen, grad extra! Ja, und “Schreiben als Dennoch”, wie es der versteckte Poet formuliert hat, der leider noch immer verstummt ist, ich vermisse ihn!
Und dennoch die Musik laut aufdrehen und einen dieser wilden jungen Männer mit den alten Gesichtern singen lassen.
Es gibt junge, wilde Männer mit jungen Gesichtern, die wunderbare Musik machen, in der ist die wilde, ungestüme Kraft des Aufbruchs, alles beginnt neu und sie stürzen sich in das Leben, das vor ihnen liegt, alles wird sich erst formen, alles ist noch möglich… lieben tu ich die jungen Männer mit den alten Gesichtern, denen man das Leben ansieht, das sie gelebt haben, und in deren Musik alles ist, was ein Mensch erleben kann, die ganzen Freuden, aber auch die Einsamkeiten und all die Schwere der Existenz. Alles, alles und dennoch!
Bei einem dieser alten, jungen Männer geschieht dieses Wunder, das nicht zu erklären ist, ein Phänomen, das ich nur Liebe nennen kann in Ermangelung jeglicher Begrifflichkeit, einer der so Musik macht, muß ein übervolles Herz haben!
David Gilmour rettet mir förmlich das Leben, sobald er den ersten Ton spielt!

Ich möchte dieses Erlebnis gern mit Euch teilen als Dank für die lieben Worte und Wünsche und was noch so alles daherkam, um mich trotz Melancholie in mein neues Lebensjahr hinüber zu schubsen, hab mich sehr gefreut darüber und überhaupt freue ich mich immer sehr über alles, was Ihr hier hinterlasst, auch über die bunten Bildchen, jeder Klick erscheint mir wie ein Lichtzeichen aus fernen Galaxien, herzlichen Dank an alle und Eure wertschätzende Beachtung!

Und nun Bühne frei für den großen Zauberer!

Die Wahrheit der Rose

Die alte “New Dawn” war explodiert vor Blüten und wildwuchernden Ästen, die dem daneben “am Kreuz hängenden” Spalier-Birnbaum unter die Achseln griffen und sich um seinen Hals wanden, so daß er wohl auf der einen Seite seine ganze Kraft brauchte, um sich mit der Rose zu arrangieren und deshalb nur auf seiner anderen Seite Birnen produziert.
Jetzt ist lang schon der Höhepunkt überschritten und die ganze Blütenpracht hängt in braunen Klumpen hernieder. Soll ich nicht auch diese ganzen wilden Triebe mit abschneiden, denke ich. Kannst du schon machen, sagt die Rose aber bedenke, daß beim Falschen auch das Gegenteil falsch ist, beim Richtigen ist es umgekehrt…
Vor mir liegt ein Haufen dornigen Gestrüpps…wie hattest du das gemeint? Aber die Rose lächelt versonnen und schweigt.
Ich lege mich zu den Katzen ins Gras unter dem Birnbaum, lasse den Sommer vergehen und die Zeit verstreichen.