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24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 14: Der Emil

Meine Mutter war eine sehr liebevolle Mutter, hätte ich sagen können, früher. Mein Bruder und ich wurden mit allem versorgt, was notwendig war. Ihrer Meinung nach sollte ich nicht so viel lesen und lieber mehr draußen spielen. Bewegung an frischer Luft ist schließlich etwas Gutes. Meine Mutter arbeitete im Handel. Also gab es auch mal Sachen, die andere Kinder nur vom Hörensagen kannten, Kokosnüsse zum Beispiel und frische Ananas. Meine Mutter rauchte früher zu „Gelegenheiten“, hörte offiziell aber damit auf, als ich die ersten Zigaretten kaufte. Da war ich 16.

Meine Mutter war eine sehr liebevolle Mutter, hätte ich früher sagen können. Sie registrierte jede noch so kleine meiner Verfehlungen. Doch sie bestrafte mich nie (gut, eine einzige Ausnahme weiß ich noch). Sie war so liebevoll. Wenn mein Vater von der Schicht heimkam, wurde ihm brühwarm erzählt, was ich wieder angestellt hatte – und in meiner Erinnerung war tatsächlich nur ich der Delinquent, niemals mein jüngerer Bruder. Natürlich machte meine Mutter auch immer gleich die Strafvorschläge, die mein Vater dann vollstrecken mußte. Tat er es nicht, hing der Haussegen freilich für eine ziemlich lange Zeit schief.

Meine Mutter war eine sehr liebevolle Mutter, hätte ich sagen können, früher. Sie schlug nie, sie kniff nicht, sie zog nicht am Ohr. All das mußte Vater in ihrem unerbittlichen Auftrag erledigen. Der war 75, als er mir erzählte, wie oft der Haussegen wegen seines Versagens in meiner Erziehung schiefhing. Mein Vater ist mittlerweile noch älter und dement. Und siehe, wenn ich mit meiner Mutter zusammen meinen Vater in seiner Einrichtung besuche: Meine Mutter ist eine sehr liebevolle Frau.

Meine Mutter ist in ihrem hohen Alter tatsächlich wieder lernfähig geworden. Sie korrigiert nicht mehr die Fehler, die Vater macht. Bezeichnet nicht mehr als Blödsinn, was er sagt. Nein, sie kümmert sich tatsächlich um ihn, wenn sie ihn besucht. Es hat ja auch keinen Zweck mehr und bleibt ohne Folgen, wenn sie von ihrem Mann etwas verlangt. Meine Mutter vermißt den Menschen, mit dem sie ihr ganzes Leben lang verheiratet war, den sie ein ganzes Leben lang herumschicken konnte.

Meine Mutter war eine sehr liebevolle Mutter, hätte ich sagen können, früher; und ich bin mir nicht sicher, ob ich es heute sagen mag. Ich wüßte gern, wie und womit sie meinen Vater so lange an ihrer Seite gehalten hat …

„Meine Mutter war eine sehr liebevolle Mutter, sage ich heute, im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten.“

Text: Der Emil

24T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 13: Martin Piekar

Erdbeeren, Ehrenamt & Enttäuschung

Auszug aus: Vom Fällen eines Stammbaums.

<Hmmmm, so gut, Marcin. Takie dobre truskawki – hmmmm – (so gute Erdbeeren).>

Ja, die sind vom Bauern. Bissl teurer, aber dafür Lecker und regional.

<Ah wie viel hat gekostet?>

Das Kilo neun.

<Was? Das ist teuer. Aber noja, dafir ist lecker und frisch, wie von Busch. Du schmeckst, oder? So frisch! Letzte, die du gekauft hast waren aus Spanien, die waren … hmmm … ok, aber viel Wasser. Zu viel Wasser. Nicht so gute wie diese!>

Ja, dafür zahl ich auch gerne mehr. Du weißt, Spanien und Obst ist derzeit ein Problem.

<Ich weiß, mit die Flichtlinge, so Schweinerei, die benutzen die wie Sklave.>

Genau deswegen kauf ich lieber regionale. Und du bekommst jetzt Pflegegeld, da kannste auch mal ordentlich Obst essen.

<Marcin, ah sag, suchst du neue Arbeit oder suchst du keine Arbeit? Aber sag ehrlich.>

– die Schule, an der ich angestellt war, war gezwungen mich zu entlassen. –

Na, Mama, was soll ich darauf antworten?

<Schrei nicht so!>

Ich schrei doch nicht.

<Jetzt sagt nur: Schreibst du Bewerbunge?> Meine Mutter betonte – sehr polnisch – die vorletzte Silbe, BewerBUNGe. Als würde sie vom Volk der Bewer-Bunge reden.

Mama, mach dir keine Sorgen, ich bin am Ende meines Studiums, ich muss nur noch das Examen machen. Zudem arbeite ich bereits sechs Jahre als Lehrer. Irgendjemand wird mich brauchen, irgendjemand wird mich nehmen. Ich find schon was.

Ich stand auf und ging ein paar Schritte auf und ab.

Pflegetipp

Lehrer*innen, die in ihre eigene Ungewissheit unterrichten, unterrichten Mist. Niemand kann erziehen und in den eigenen Ruin blicken. Lehrer*innen, die in die Ungewissheit unterrichten, sind an die Handnehmer*innen.

<Arbeite ist anstrengend.>, sie senkte den Blick erst, fokussierte ihn mit Wut und Unverständnis und richtete ihn dann wieder auf: <Deswegen ich habe diese Ehrentamtliche nie verstanden. Arbeiten und keine Geld bekommen? Leck mich in Aasch!>

No, Mama, die machen halt etwas, das sie lieben. Oder sie machen etwas, das sie für wichtig erachten, dass sonst niemand tut.

<Stehe auf Straße und geben Essen fir Obdachlose.>

Genausowas!

<Aber wenn die umsonst machen, dann zahle doch keine. Wenn niemand wirde umsonst machen, dann wirde jemand bezahlen. Wie glaubst du?> Sie zog gleichzeitig die Schultern und ihre Augenlieder hoch, den Kopf nach vorne, sie verharrte in dieser Position. Sie fragte mich wie ein spähender Vogel die Weite der Ebene.

Ich glaube, dafür würde sonst auch einfach niemand zahlen. Das sind keine Jobs, die weggenommen werden, das ist einfach nur Hilfe.

Meine Mutter drehte den Kopf abrupt von mir weg und schnaufte dabei: <Ehrenamtliche, nie, Marcin. Ich verstehe das nicht. Was soll das? Wozu machen das die Leute?>

Hast du nicht so geweint, als dir von der Tafel damals Essen gegeben wurde?

Mama schnaufte.

Du hast deine Arbeit nie gemocht, oder? – Ich sagte das in einem spöttischen Ton. Ich erwartete ihr Paroli.

<No nie, Martin. So kann man das nicht sagen, ich habe viel gearbeitet, was war scheene Arbeit. Meine Arbeit ich habe nie gefunden schlimm. Nur diese … reżim żyćia: frieh aufstehen, alle Termine nach Arbeit stellen. Ganze Leben wie eine Regime von Arbeit. Das! Das ich habe wirklich gehasst. Gehasst!, ich sage dir! Wie ich noch war Lehrerin in Polen, ich habe gerne gearbeitet mit die Kinder und Jugendliche. Aber diese friehe aufstehen – oi, das hat mich immer nicht gefallen.>

Ja, Mama und es gibt eben Menschen, die neben ihren Job noch Zeit und Möglichkeit haben, noch was zu machen, manche haben nen Hobby, manche wollen anderen Menschen helfen.

<Sollen sie erstmal sich selba helfen! Ich habe auf de Land gearbeitet als Lehrerin. Ich habe selbst Bicher gekauft, auf meine budżet! Fir Schule und fir Biblioteka.>

Das ist doch großartig, Mama, warum musst du das jetzt als Argument dagegen nutzen?

<No, ich sage dir, ich verstehe, warum die das machen, diese Ehrenamt. Ja! – ich verstehe nur nicht, dass sie sowas machen. In Stadt ich habe morgens wie Lehrerin gearbeitet und abends nochmal schwarz, weil war so wenig Geld. Dann ich bin auf die Land gegangen in Polen. Die haben immer Lehrerinne gesucht. Warte, ich brauche Zigarette.>

Meine Mutter stopfte sich einige Zigaretten, das Stopfgerät vor Augen wie bei einer komplexen Operation. Ich weiß nicht, ob sie vollkonzentriert auf das Stopfen war oder, ob sie sich sammelte mir eine Geschichte zu erzählen. Früher hätte ich sie gedrängt und hätte auf ein schnelles Ende der Geschichte gehofft.

Pflegetipp

Die Gegenwart ist ein loadscreen. Geben sie der Vergangenheit und ihrer Erzählung Zeit, dann wird die Zeit verständlicher, d.h. mit der Zeit wird die Vergangenheit gegenwärtiger.

<Weißt du, Artur.>

Ich bin Martin.

<Ach, Martin. Ich liebe euch beide! Damals ich habe gelebt mit Artur. Dann ich bin zu Ministerium edukacji gegangen. Du weißt, was ist, ja?>

Bildungsministerium.

<Genau.> Sie steckte sich eine Zigarette an und paffte drei Mal. <Ich habe gewusst, die suchen immer Lehrere fir Land. Wo die Dorfe sind und so.>, machte eine Handbewegung in eine weite Ferne. <Die haben alle Lehrere versucht zu bewerben fir die Land. Und ich bin gekommen, habe gesagt, ich will auf Land als Lehrerin arbeiten. Die haben vielleicht geguckt, mit große Auge. So. Frau? Und will von selba?> Sie steckte sich kräftig ziehend die Zigarette in den Mund und zog mit beiden Zeigefingern ihre Augenbrauen in die Höhe und ihre Wangen nach unten. Als würde sie ihre Augenhöhlen vergrößern. Meine Mutter ist keine gute, aber sehr erheiternde Schauspielerin.

<Und schon nächste Schuljahr ich war auf de Dorf. Auf de Land war gut, dass Wohnung wurde von gmina bezahlt – wie heißt gmina auf Deutsch, Marcin?>

Gemeinde

<Genau! Oh! Gemeinde hat mir Wohnung auf de Land gezahlt. In Stadt hast du bestimmte Sache nur noch auf kartki bekommen. Fleisch, Wodka – alles nur auf Karte. Und auf de Land,>, sie lachte vergnügt, <du hast von chłop alles bekommen. Immer!> (Chłop kann mit Bauer oder Bursche übersetzt werden.)

<No! Bauer hat immer Fleisch und Milch. Du, ich habe so viel Milch im Monat gehabt, wie ich wollte. Ich habe einmal bezahlt und Bauer und Bauerin haben mich immer gegeben, ich konnte nehmen, wann ich will und wie viel.>

Du hattest ne Milchflatrate – sagte ich grinsend, wissend, dass meine Mutter gar nicht weiß, was eine Flatrate ist.

<Oh, Marcin, hast du schon selbstgemachte Quark gegessen? Weißt du wie macht man twarożek? Du nimmst Flasche Milch und lässt du drei Tage stehen. Dann nach diese drei Tage, du nimmst Topf mit Wasser und machst Wasser warm, aber darf nicht kochen. Du stellst Flasche in warme Wasser, aber die Milch in die Flasche darf auch nicht kochen. Ganz vorsichtig. Und dann noch przez durszlak (durchs Sieb). So gut das schmeckt. HMMM!> Sie vereinte die Fingerspitzen des Daumens, Zeige- und Mittelfingers und küsste sie lautstark. Das kulinarische Qualitätssigel meiner Mutter.

Und das heißt auf dem Dorf hattest du dann ne freie Wohnung, gute Versorgung und hast gearbeitet?

<Gute Versorgung? Pffft. Ich wollte do sklepu (in Laden) gehen, da gab es eine Laden, weißt du. Diese sklep hat einmal die Woche – nie, zweimal die Woche Lieferunge aus die Stadt bekommen. Zweimal! No guck mal, was ich dir jetzt erzehle.>, Meine Mutter fertigte eine weitere Zigarette und klopfte dreimal mit dem Filter auf den Tisch.

<Die Kinder von Grundschule aus meine Klasse wussten nicht, was war Zahnbirste. Ich dachte mir, no, das kann nicht sein. Da stimmt was nicht. So ich gehe in diese Laden und sage. Ich brauche Zahnbirste. Diese Mann sagt mir: gibt keine. — Wie gibt keine? Und diese Mann, welche gehert diese Laden, sagt: wenn keine kaufe, dann ich verkaufe keine.> Meine Mutter schaute mir rauchend in die Augen. Ihre Lider auf Halbmast: Resignation vor Lächerlichkeit. Sie war wieder dort, in diesem Laden. Und nickte bloß.

Pflegetipp

Das Nicken in die Vergangenheit verstehen lernen ist wichtig. Es ist keinesfalls ein Abnicken, es ist keine Resignation gegenüber der Zukunft, sondern gegenüber der eigenen Vorstellung von Zeitgenossenschaft.

<No und dann war auch keine Zahnpasta zu kaufen. Wozu, wenn gibt keine Birste, ja?> Sie nahm einen grellen Zug. <Ah chuj, zwei Mal die Woche komme Lieferung mit Essen und mit Bier und wódka – aber Zahnbirste war keine. Martin, mach bitte eine Kanne Tee.>

Ich ging den Wasserkocher arbeiten lassen. Als ich zurückkam, saß meine Mutter etwas ernüchtert da und nickte als sie mich sah.

<Einmal, nein, oft, ich habe oft so gemacht. Ich bin nach Arbeit mit Taxi nach Białystok und wieder zurick. Zu Apotheke bin ich gefahren. Zahnbirste, Zahnpasta, Szampon na wszy. Weißt du, was wszy ist, Marcin?>

Läuse, Mama, ich weiß.

<Die hatten auf Dorf oft und viel Leuse und ich habe nur eine Flasche fir jede Familie gekauft. Das war alles meine Geld fir diese Monat. Weißt du, wie teuer war? Sowieso keine Geld und dann ich habe versucht die Familie zu helfen. Aber was ist eine Flasche szampon. Guck mal, die haben große Familie gehabt. Kleinste Familie war acht Kinder! ACHT!> Kopfschüttelnd stopfte sie die nächste Kippe und die übernächste, ich ging den schwarzen Tee und Tassen holen. Sie stopfte auf Vorrat, sie wusste, dass die Erinnerungen nicht nur kurz zurückkämen.

Ich bewundere dich, sagte ich ehrlich, dass du dir so viel Mühe gegeben hast.

<No sicher, ich bin ieberhaupt auf die Dorf gegangen, weil ich wollte Welt verendern. Ich wollte kultura fir die Kinder und dass sie bessere Leben haben, vielleicht aus diese Scheißdorf rauskommen. Ciemnota. Oder wenigstens kriegen andere Mentalitet.>

Aber, das ist doch wunderbar, den Traum habe ich ja eigentlich auch als Lehrer, Mama. Ich will einen Unterschied machen.

<Ja, ich wollte Welt verendern. Heute weiß ich, wie dumm ich war. Aber damals ich dachte, so geht das! Das war richtige zawód.>

Zawód? Was meinst du? Meinst du Beruf auf Polnisch? Du meinst aber nicht Job damit, oder? Zawód heißt doch eigentlich Beruf oder?

<Zawód. Das ist, diese Gefiehl, wenn du machst was und geht nicht. Du willst machen gut, aber geht nicht. Versuchst und versuchst, aber du kannst nicht schaffe.> Ich schenkte uns Tee ein und verschüttete bei meiner Tasse ein wenig. Ich war sofort dabei es – genervt – aufzuwischen.

<Weißt du, manchmal ich musste zwei Klassen zusammen unterrichten, eine dritte Klasse und eine vierte zusammen. Das war furchtbar. So eine Stress. Das ist schwierig Martin, du glaubst nicht. Du machst eine Plan und ist scheiße, dann machst du nochmal neue Plan und geht’s nicht und dann dritte Mal funktioniere vielleicht.> Rauchschwaden beschleunigten kurz als meine Mutter leicht auf den Tisch haute. <Und dann po lekciach (nach dem Unterricht), ich habe Sportclub gemacht. Das war za darmo (umsonst), bez zapłacenia (ohne Bezahlung). Ich habe diese Sportclub aufgemacht an Schule. Vorher war keine! No, ich dachte, sowas gibt es nicht in Polen: szkoła ohne Sportclub.> Meine Mutter lehnte sich zurück und drehte den Kopf leicht zur Seite.

<Wir haben dann Leichtathletik gemacht und Volleyball und Basketball. Ohne mich, niemand hette gemacht. Und das alles mit Kind. Marcin war ja mit mir! Die ganze Arbeit und dann nach Hause mit Kind!>

Artur, Mama, Artur.

<Ja, du weißt!>

Aber dann hast du doch sicher das Leben vieler Schülerinnen und Schüler verändert.

<No, aber sicher. Einmal haben meine Mutter und ciotka Halina mich besucht. Sie haben gesehen wie ich lebe und haben geweint. Sie haben mich gebetet, dass ich wieder nach Białystok komme. Geweint haben sie, ich sage dir. Aber ich wollte nicht. Ich wollte Welt verendern.> Sie nahm einen Schluck Tee und säuberte ihre Tabakstopfmaschine. Dann nahm sie noch einen Schluck Tee. Ich glaube, sie wollte ihre Hände beschäftigen.

<ich habe so viele gemacht, Martin. So viele.> Sie saget es in einem müden Ton, als wäre sie mal wieder durch das Kleingeldfach ihres Portemonnaies gegangen und hätte realisiert: es reiche nicht.

<Ich habe mit eine Klasse drei Ausfliege gemacht, immer zehn Schiler, weil mit dreißig du kannst nicht fahren irgendwohin. Ich habe organisiert. Mit Bus. Wir sind auch zu Bahnhof gegangen, damit die einmal im Leben Zug sehen. Erste Mal fir fast alle. Natirlich wir waren an die Bahnhof in Białystok.>, sie grinste.

<Dann ich war sehr beliebt bei Schiler, bei alle, aber besonders bei die elteste. Noja, ich war junge Lehrerin, ich habe auch Mini getragen, ich hatte lange Beine. Ich war dinn, ich hatte sehr schlanke aber scheene Beine. Und alle haben geredet ieber mich… Ich war wie Ikone.> sie lachte und deutete an, dass sie mit dem Tee mit mir anstoßen wollte. Wir stießen an und sie machte dabei ein Gesicht, dass eine Heilige imitieren sollte und bekreuzigte sich dabei. Sie tat es bewusst schlecht und war so gut darin.

<Mir war egal. Manchmal ich kam nach Arbeit nach Hause und Korb war vor die Tir. Korb mit Geschenke. Mit Käse und Polędwica (geräucherte Schweinelende). Artur wpierdalał (verschlang diese). Aber wie. Das war so gut. Er war vielleicht sechs oder sieben und hat so geliebt diese Essen. Aber diese Geschenke, die hatten alle ihre Preis. So ist auf die Land.>

Wie lange warst du auf dem Land?

<Drei Jahre – nein, vier. Nach fast drei Jahre ich habe meine Kollegin Jagoda gefragt: machen wir noch eine Jahr und wir haben beide ja gesagt. Jagoda war Polonistin. Wir waren beide aus de Stadt, aber wir wollten Welt verendern. Noja, junge Mensch ist dumm, ja? Das war richtige zawód.> Meine Mutter lachte heiterlos und zuckte mit den Schultern.

Zawód? Meinst du Beruf, das war ein richtiger Beruf?

<Nie, zawód ist, wenn etwas ist nicht die Art gegangen, wie du wolltest.>

Das Wort kenn ich ja gar nicht. Ich muss das mal nachschlagen.

Ich holte mein Smartphone raus, pons.de wird es tun.

Mama, buchstabier mal bitte.

<Zet, A, Wu, O-U – das ist o z kreską, De.>

1. zawód – Beruf

2. zawód – Enttäuschung

Tatsache. Beruf und Enttäuschung sind im polnischen dasselbe Wort. Ich musste sehr lachen, meine Mutter nickte mit ihren Lidern auf Halbmast.

Pflegetipp

Jung und Alt haben es schwer mit Enttäuschungen und Berufen umzugehen. Beides erscheint einem Mal zu oft, Mal zu selten wie eine Berufung. Der Beziehungsstatus ist kompliziert.

<Jagoda war wichtige Freundin, nur zusammen wir konnten so lange aushalten. Noch dritte war Milena. Aber Milena ist geblieben. Sie hat so eine chłop geheiratet.> – wieder betonte meine Mutter sehr polnisch die vorletzte Silbe: geheiRAtet.

<Sie ist dann in diese Dorf geblieben. Aber nach vier Jahre sind Jagoda und ich zu Kuratorium gegangen und haben gesagt: jetzt ist Schluss, wir wollen neue Dorf.> Meine Mutter grinste breit.

<Die haben geguckt. Wir waren vier Jahre da, die haben Auge gemacht! So lange hat ieberhaupt niemand ausgehalten. So lange war die Dame schon in diesem Dorf? – hat eine Sekreter gesagt – dann sie bekommen neue Arbeitsstelle, sofort.>, Mama nickte stolz. <Leider Jagoda und ich mussten an verschiedene Orte. Aber war ok.> Der Tee floss an dem Tag wie Schnaps.

<Ich war an neue Schule in Dorf nur sechs oder sieben Kilometer weiter. Aber was fir Dorf. Ich hatte in Villa gelebt. Ich hatte eine große Zimmer, ist jetzt so groß wie meine zweiundhalb Zimmer in diese Wohnung. Martin jad na rowerze.>

Artur ist Fahrrad gefahren? So groß war es? Wow.

<Noja, wenn ich sage. Groß. Das war keine dumme Dorf, das waren keine buraky – bleede Bauer. Das war moderne Dorf. Sklarnie były.>

Treibhäuser meinst du oder?

<Ja! Ja! Oh! Und da waren so gute Obst und Gemise. Oh! Oh! Zum Beispiel truskawki (Erdbeeren). Und verschiedene Sorte, nicht nur diese eine wir kennen heute. Heute von so viele Obst ich sehe Sorte nicht mehr, die ich frieher habe ganz oft gekauft. Mir gefellt nicht, dass Sorte verschwinden. Ich sage dir, ich habe Erdbeere gesehen, die habe Falte gehabt und haben geschmeckt super! Noja, diese Bauer war reiche Mensch wegen diese sklarnie. Wir hatten warme Wasser, Martin, warme Wasser und eine Toilette in Haus. In andere Dorf wir hatte toaleta auf Straße, da war eine Bude! Nicht in die Haus! Nie, nie. Und fir Nacht wir haben eine Schissel gehabt, weil ich gehe doch nachts nicht raus auf Straße. Aber in diese neue Dorf da war warme Wasser aus Rohre. Dusche mit kafelki. So ganz modern und wir haben nicht in Wanne aus metał gebadet und Wasser erst auf Herd gekocht, nie, nie.> Meine Mutter nickte zufrieden. Wir stießen triumphierend mit Tee an und ich dachte grinsend: ich kenne immer noch nicht alle Geschichten.

Pflegetipp

Wer seine Eltern kennt, kennt seine Eltern nicht.

<Martin, ich will gerne noch duschen, kannst du mir gleich helfen? Ich habe diese dicke Fuß und ich will duschen, aber alleine habe ich Angst, passiere mir was. Ich bin wie traumatisiert nach diese Unfall und diese Krankenhaus; das war schlimmste, ich sage dir. Und nächste Mal bring bitte endlich diese Patientenfigung mit, ja? Bitte!>

Ja, klar. Bring ich mit. Und ich helfe dir beim Duschen, kein Problem. Mama, wie hießen denn die Dörfer?

<Die eine, die erste hieß Krynickie und die andere hieß Wojszki. Ja. Nur sechs oder sieben Kilometer ausnander und wie ganz andere Welt. Meine alte Schiler von erste Dorf haben gehert, wo ich unterrichte und sind durch die Felde gelaufen, um mich zu grießen. – Hallo Frau Cieslik, die haben gerufen zu mir. – Und ich habe gefragt: wo komme ihr her? Oh, ich wusste nicht, ich war so nah an alte Dorf. Weißt du, solange ich kann denken, ich habe nur in Stadt gelebt und dann ich wollte auf Dorf unterrichten und Welt verendern. Erste Jahre war, wie als hette mich jemand in Kosmos geworfen. Das war meine ehrenamtlich.>

Also bist du genauso doof wie die? – grinste ich sie an.

<Ja, dass du weißt! No, dass du weißt.>, sie nickte und nickte.

Text: Martin Piekar

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 12: Marina Maggio

mutmaßungen über meine mutter
beim betrachten ihrer handflächen

beim betrachten deiner handflächen mama
sehe ich die vielen fluglinien von deinen
träumen die nie aufgestiegen sind.

ich sehe dich um liebe feilschen und deine
unbändige leidenschaft im herz deines geliebten
feuer zu schüren.

ich sehe eine verliebte junge frau.
sehe dich im schillernden glück taumeln.
und auf einer blumenwiese promenieren.

ich sehe dein üppig gedecktes herz.
deine sehnsucht nach freiheit in ketten gelegt.
sehe deinen wundgeschlagenen rücken.

beim betrachten deiner handflächen mama
sehe ich den wolf der dir nächtelang den schlaf
raubte. sehe deine tränen bei kerzenschein.

ich sehe wie du deine haut am morgen
zusammensetzt wie ein puzzle und wie du
mit zärtlichkeit den frühstückstisch deckst.

beim betrachten deiner handflächen mama spüre
ich noch die kraft mit der du meinen kopf hältst
mein kinn hebst und sagst alles wird gut…
© marina maggio 2021

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 11: Ulrich Fentzloff

Das Wandgemälde in seiner Würde
in memoriam Else Karoline Fentzloff, geb. Kohler (1921-1968)

I
Wetter, Briefträger und Boten, wehen Deine Stimme her,
Wetter tragen das Gewand von Heimatlosen, verweinen
Über Weinbergscherben sich, wo wilde Ranken,
Starenschwärme, die Ordnung kreuzen der Rebe
Auf Mauern gestempelt, schwarze Briefmarken, die Fensterhöhlen
Durch den Türspalt streicht, den Geruch der Weltalter im Fell, der Dachs

II
An Schlehen, Küsten, wolkenverschüttet, am Insektenpfad entlang,
Unter dem Holunder hin führte Dein so wundgequälter,
Zuzeiten indes von milderem Licht überglänzter Weg

III
Ich erinnere die Jahreszeiten, die ich an Deinem Sterbelager zugebracht;
Sterbelager das wie eine Insel draußen hinterm Bahndamm lag;
Darumher, verdämmernd, der Küchentisch, an dem wir Kinder aßen
Birken später um Dein Grab; auch ein Kelch gewissermaßen
Hohes Gras mit Unheil kündenden Mücken

IV
Eines grauen Abends, Leinwände des Regens in langer Reihe aufgestellt,
Fuhr ich am Lastkran eines Hafens, allein im Auto, still vorüber.
Ich erinnerte die Weite Deines ganz und gar verträumten Sterbens,
Eines Sterbens, das ich nie vergäße, das wie ein Gemälde
Von der Farbe der Kamille, der Farbe dazuhin des Schnees
Neben unsrer Eingangstür sich fände

V
Dein Tod vorzeiten war mir stets ein Heiligtum, Imperium zugleich;
Ein Tod von solcher Macht, gleichwohl verträumt. Freche Tauben
Hatten Nähte aufgerissen, Gräten aus dem Fisch gepickt; Zitat,
Das auf einer Straße lag, die gen Osten wies
Wo immer ich mich aufgehalten – ich habe Deines Sterben überall gedacht:
In Hotelzimmern der armen Welt; Zimmern, die auf Meere zeigten,
In Kammern, die an Ägyptens Schrift des Todes denken ließen

VI
Der Tag zeigt meinen Augen Nichtigkeiten eines Menschentreibens,
Das, ein Stieglitz, meskalinverwirrt, durch Birkenwälder irrt.
Ihr Wälder um ein Sarajewo her! Meeresgrund vor Kopenhagen,
Mit seinen Kähnen, versunkenen Kähnen.
Auf allen Kontinenten ist das Brot verseucht.
Im Dasein all der Armen finden Spuren sich von Gift.
Wir wissen nicht, wann Kriege wiederkehren, wann unsre Kinder
Eisigkaltes Wasser aus Krügen trinken würden, die zerbrächen

VII
Ich streife, Deiner mich erinnernd, durch die Gassen,
Verliere mich in Gärten, begegne dann in Winkeln unsrer Höfe
Einer unbestimmten Waldrand-Angst. Luftschutzkeller,
In welchen wir uns späterhin, die Irdischen, die Toten,
Wiedersehen würden; Luftschutzkeller von Mündern
Geküßt septemberlichen Regens

VIII
Du knietest oft an Straßenrändern,
Das Leben, das Du dort verloren, wie Münzen einzusammeln.
Mehr als einmal fragtest Du, ob der Regen taugen würde für die Toten;
Daß sie Mäntel hätten, die sie schützten nachts

IX
Dein heimlich Hingehn an der Partitur entlang von Weinbergmauem.
Und diese Deine wohin ausgestreckte Hand.
Es war ein leises Hiergewesensein; ein Hiergewesensein vor Tempelmauern.
Trunkenheiten fochten Dich nicht an.
Tiefstes Weiß dagegen unter Augenränder geschrieben
Der Turmuhr

X
Von der Krebsbaracke, wo Du die Augen geschlossen,
Nicht sehr weit entfernt, im Park, habe ich die großen Romane
Gelesen des Zwanzigsten Jahrhunderts
Längst verblaßt, wie alles nur von Hand Geschriebene, solch späte Sommer

XI
Durch Dörfer streunt der toten Mutter Antlitz
Ich möchte dieses Dorf nie mehr verlassen müssen,
Möcht in seiner Seele da sein dürfen,
Das schöne alte Haus der Bücher dort bewohnen,
Im roten Sessel ausharren, vor mich hindämmem und
Lange lange in Deinen Büchern lesen
Abends in einer Seitengasse mich verlieren,
Das Dunkelgrau anstaunen jener Wolken,
Die mein Flußdunkel je noch verfinstern

XII
Das Mäntelchen der Tage, schmutzig und verknittert sehr,
Scheint viel zu leicht, zu bunt für diese Monate des Frosts.
Zahnlos auch der Greisenmund von Nachmittag.
Niemand wirklich ahnt, wie Verwesung und wie Tod
Tatsächlich schmecken möchten

XIII
Dein Sterben wie schwarzer Hufschlag
Ewig durch die Kinderzimmer hallen würde,
Kinderzimmer, die wie ein Fabrikhof düster

XIV
Einmal wollte ich Dich fragen, Mutter, ob ich den Fluß hinauf
An Deiner Seite gehen, und die Pferde anschaun dürfte,
wie die erhaben in der Koppel unter barocker Decke
Eines Abendhimmels frören
Am Oberlauf des Flusses ein Klang geboren würde
Der Oboe im Zelt der toten Frau. Ankunft
Einer unbestimmten Heiterkeit von irgendher.
Der Schwalben Eintauchen in Zahlenrätsel
Hinter der zerfrorenen Kastanie
Lächeln, das wie Neuschnee auf den Dächern einer nie besuchten Stadt;
Lächeln, das der Name eines Flusses wäre, der durch mich und alle Täler flösse;
Fluß, dessen Hiersein ich seit jeher ahne, den ich bislang noch nie gesehn

XV
Gib, die du mir die Welt eröffnet, zwei Briefumschläge voller Schlaf

Text: Ulrich Fentzloff

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 10: Elke Engelhardt

Mutmaßungen über meine Mutter

Meine Mutter ist ein Gewebe, ein Netz, eine Spinne.
Meine Mutter ist eine Erzählung und ein vergessenes Lied.
Meine Mutter ist das Zittern meiner Hände und das Grübchen auf meiner Wange.
Meine Mutter ist eine Erfindung, die eine Empfindung ist.
Meine Mutter ist ein „es war einmal“.
Als meine Mutter noch ein „es ist“ war, war sie ein leuchtendes Gesicht voller Sommersprossen.

Ihre Mutter stach sich beim Nähen in den Finger. Blut fiel in den Schnee. Ein Kind mit blutroten Lippen, einem leuchtenden Lachen und einem Gesicht voller Sommersprossen wünsche ich mir, sagte sie.
Dich haben die Zigeuner vor unsere Tür gelegt, sagten ihre Geschwister. Sieh doch, niemand von uns hat diese seltsamen Punkte im Gesicht.
Das ist keine schöne Geschichte, sagte meine Mutter und trennte den Stoff ihrer Geschichte wieder auf.

Meine Mutter ist eine Wunde und ein Wunsch.
Meine Mutter ist ein Blick aus dem Fenster direkt ins Herz.
Meine Mutter ist eine feste Burg.
Meine Mutter ist ein Blatt im Wind.
Meine Mutter braucht eine Mutter.
Meine Mutter ist meine Mutter und ein Meer von Geschichten.
Meine Mutter ist tot.
Aber ihre Sommersprossen, Punkt für Punkt Beweise der Liebe, sind unsterblich.
Meine Mutter ist das Fehlen ihrer Sommersprossen.

Meine Mutter ist aus Blut und Schnee. Schön und schrecklich. Nahrhaft und giftig.
Meine Mutter ist ein Refrain, ein Seufzer, ein Angstschrei.
Viel mehr als nur ein Wort.

Es gibt Fotos von meiner Mutter. Meine Mutter mit ihren Eltern, meine Mutter im Krankenhaus. Es gibt Geschichten, die sie mir erzählt hat. Und all die Geschichten, die sie mir nie erzählt hat. Es gab den Alkohol.
Die Erinnerung an Auseinandersetzungen und an Vertrauen. An Trauer und Trost. An Fragen, die zu spät gestellt wurden, um noch Antworten zu erhalten. Als wären sie, wie ich, Einzelkinder, die sich Geschwister gewünscht hätten.
Meine Mutter ist ein Märchen und ein Tatsachenbericht. Die Erfüllung aller Bedürfnisse, die Vertreibung aus dem Paradies. Meine Mutter ist eine Erbschaft und eine Bürde. Ein Schloss mit sieben Siegeln. Meine Mutter ist ein vernachlässigtes Grab und eine schwächer werdende Erinnerung. Eine offene Wunde und die Dehnbarkeit des Narbengewebes.
Meine Mutter ist das Verbergen einer Nachricht und das Verborgene des Offensichtlichen. Meine Mutter ist eine Mutmaßung und eine Zumutung.
Meine Mutter ist.
Und bleibt.
Meine Mutter.

Text: Elke Engelhardt

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 9: Stefan Heyer

Großmutter

Die alten Knie gingen nur noch selten in

den verwunschenen Garten, die Äste der

Bäume beladen. Die Äpfel hingen schwer.

Wenn die Enkelkinder kamen zu Martin,

stand die heiße Suppe auf dem Herd, Kuchen

im Ofen, der Herrgott grüßte aus der Eck´.

Fest noch deine Stimme, du lächeltest keck,

später wirst du kurz das Sofa aufsuchen.

Längst schlohweiß deine Haare, tiefe Furchen

ziehen Gräben durch dein Gesicht, Schminke hast

du nicht nötig gehabt, nicht einmal als Mädchen.

Nicht mehr gefällt dir der Winter, die Kälte

zieht in deine Glieder, verloren den Ast

hat der alte Baum, der Vollmond erhellte.

Text: Stefan Heyer

24T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 8 : Pega Mund

mutmaßungen über meine mutter
(litanei)
… dass sie mehr gebraucht hätte und anderes, ganz anderes, als sie erhielt
… dass sie zu oft übersehen wurde, zu oft unterschätzt
… dass man(n) ihr (und sie sich) das aufbegehren, den widerstand, die wut gründlich ausriss
… dass sie eine gute autofahrerin gewesen wäre, wenn man(n) sie ans steuer gelassen hätte
… dass sie eine wunderbare sängerin gewesen wäre, wenn sie sich erlaubt hätte zu singen
… dass sie ihre lebensträume verleugnete, indem sie sie auf mich warf, ihre tochter
… dass sie zutiefst enttäuscht war, als sie erkannte, was ich mit ihrem stoff machte
… dass sie mich verwünschte, als ich über sie hinaus wuchs
… dass ihr herz brach, als sie begriff, wie weit mein leben mich von ihr weg führte
… dass sie neidisch war auf mich
… dass sie stolz war auf mich
… dass ich nicht die tochter war, die sie sich wünschte
… dass ich genau die tochter war, die sie sich wünschte
… dass sie mich liebte
… dass sie mich segnete im stillen, mich und meine kinder: tag für tag
… dass sie mich im sinn hatte, im herzen: bis ganz zuletzt
… dass sie dinge kommen sah, lang bevor sie geschahen
… dass beten der einzige ausweg war, den sie kannte
… dass sie betete, obwohl sie genau wusste: gott hilft nie
… dass sie betete und fest daran glaubte: gott hilft
… dass sie meisterin war in der kunst des duldens, der demut, der camouflage
… dass sie sich selbst nicht wissen lassen durfte, wie stark sie war
… dass sie kraftquellen hatte, schier unerschöpflich, die sie vor sich und anderen verborgen hielt
… dass, falls es ein jenseits gibt
mit helleren und dunkleren zonen,
meine mutter im licht sitzt und singt

die mutter, alt

Text und Bild: Pega Mund

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 7: Zeilentiger

Mutmaßungen über meine Mutter – Der Schatten der Angst

„Der Vater kommt heim!“
Alles Gelächter erstirbt. Die Kinder ducken sich, Blicke senken sich, der Atem wird flacher. Bloß nicht auffallen. Keine Wut reizen. Einfach unsichtbar werden.
Damals waren die Fotos noch eine Welt aus Schwarzweiß.

„Unsere kleine Schwester ist viel stärker als dein Bruder!“
„Quatsch, ist sie niemals!“
„Doch, ist sie! Die haut deinen Bruder einfach um!“
„So ein Blödsinn! Sie ist ein Mädchen und ihr seid Schwätzer.“
„Wetten? He, kleine Schwester, komm her und hau seinem Bruder eine rein!“
Sie denkt nicht, ballt die Faust, schlägt zu. Der Junge beginnt zu weinen.

Ein himmelblaues Auto hält. Der Mann, der plötzlich neben dem Auto steht, ist fremd. Er spricht sie an. Sie beginnt zu rennen, über die Feldsteine, unter die Bäume, die Hohlgasse hinunter ins Dorf, wo die Schule wartet.

Die Fotos zeigen nun Farbe und einen Stich ins Gelbliche. Als sie zum ersten Mal gebiert, hat sie noch ein paar Monate bis zur Mittleren Reife. Die Hebamme rät zur Flasche, also macht sie es. Das erste Kind schreit, sucht, tobt. Sie stellt es ab im Badezimmer und schließt die Tür. Schreien lassen, Ohren zu. Später, besonders beim dritten Sohn, wird sie manches anders machen. Aber dass die Kinder zu laut schreien, das kann sie sich nach wie vor nicht erlauben. Sagt sie. Das dürfen die sich nicht erlauben. Und so schreien sie irgendwann nicht mehr.
Das mit dem Gelbstich stimmt nicht. Die Fotos von der Hochzeit, von der Taufe sind immer noch schwarzweiß und sie sieht auf ihnen überhaupt nicht aus wie das junge Mädchen, das sie war.

SS-20-Mittelstreckenraketen. Die Überlegung auszuwandern. Nach Kanada. Sie bleiben. Wenn die Panzer durch das Dorf fahren, verzieht sie das Gesicht. Durchbrechen die Düsenjäger die Schallmauer, verzieht sie das Gesicht. Am liebsten würde sie Steine in den Himmel werfen, auch wenn das lächerlich ist. Dann Pershing. Sie geht auf Friedensdemonstrationen, allein mit drei kleinen Kindern. Drüben, gegenüber, steht ihr Mann in Uniform. Sie winkt. Er lächelt. „So ein netter Polizist“, sagt eine Frau, die wir nicht kennen.

Ein paar Jahre später, die Dauerwellen wieder aus der Mode, noch immer das Ehrenamt im Umweltschutz. Volleyball am Naturfreibad, kein Mensch ist da außer uns auf dem Sandplatz. Wahrscheinlich bin ich der Jüngste. Ich hechte nach einem Ball und schürfe mir durch die lange Hose die Knie blutig. Ich spiele weiter. Als die Dämmerung unser Spiel beendet, will meine Mutter noch aufs Dorffest. Meine Knie kümmern nicht. Später betreten wir den Wald, das erste Drittel des einstündigen Wegs nach Hause. Ich sehe die Hand vor meinen Augen nicht, ich erkenne den Fußpfad nicht. Meine Knie schmerzen und jede Zelle in mir schreit Alarm in der Finsternis des Waldes. Meine Mutter kümmert alles nicht. Sie schreitet voran, sicher, rasch und unbarmherzig.

Jahrzehnte später. „Früher, da hatte ich mir gar nichts gedacht“, sagt sie oft. Nun sind da die dunklen Träume. Die Sorgen. Und die Vorsicht. Als Kind saß ich auf einem ungesattelten Pferd und wenn ich herunter rutschte, rutsche ich eben herunter. Da hatte sie sich gar nichts gedacht. Nun führt sie das Pferd. Geht es im Schritt. Trägt das Kind einen Helm. Sichert eine Begleitperson. Schaut meine Mutter voraus. Und dann bockt das Pferd trotzdem. Die Enkelin fliegt, doch die rettende Hand der Begleitperson ist, schneller als jeder Gedanke, zur Stelle. Und meine Mutter weint.

Text: Zeilentiger

24 T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 6: Andreas Zahlaus

Mutmaßungen über meine Mutter, die ich so nicht erfüllen kann,
denn dazu gehört mein Vater.
Nur in der Beziehung zu ihm, ist es mir möglich, sie zu begreifen – nicht dass sie keine selbstständige Persönlichkeit gewesen wäre, nein, das nun wirklich nicht – die Liebe zwischen beiden war aber ausschlaggebend für ihren Umgang mit mir und meinem Bruder.

Ein Gefühl von Geborgensein, in einer uns nicht immer freundlichen Umgebung, absolute Freiheit – die nicht grenzenlos sein durfte und eine unendliche Liebe zu uns, den Kindern. Das war beider Umgang mit uns, bis zu ihrem Tod.
Das ist mein Gefühl für meine Eltern.

Meinen Vater habe ich irrsinnig geliebt, alles an ihm, sein „Auftreten“, seinen Gang, seinen Geruch…..der ist wieder da, jetzt, im Augenblick wenn ich diesen Text schreibe… und vor allen seinen Stolz, sein Rückgrat!
Und da kommt meine Mutter „ins Spiel“ – eine zarte, schöne Person, die etwas Unsicheres, Angenehmes aber, an sich hatte, bis zu ihrem Tod und ich begreife, dass alles, was sie uns gab, mit Liebe verbunden war.
Meine Mutter kam mit ihren Eltern Anfang der dreissiger Jahre nach Deutschland, da war sie zehn. Essen war die Stadt, in der sie deutsch lernte, zur Schule ging … die Zeit ihrer Jugend, die mit dem zweiten Weltkrieg ein abruptes Ende fand. Das Ruhrgebiet, als wichtiger Industriestandort, wurde das Angriffsziel von großflächiger Bombadierung anglo-amerikanischer Kampfeinheiten. Die riesige Angst im Luftschutzkeller, dies fast täglich,
das brennende Haus, das über einem zusammenstürzt, verschüttet zu sein, vielleicht nicht gefunden zu werden….

Das hat sie geprägt, wie dieser Krieg eine ganze Generation für immer geprägt hat. Ihre Familie wurde nach Zwickau evakuiert, dort hat sie meinen Vater kennengelernt, geheiratet, zwei Söhne geboren. Gewohnt haben wir in der Villa meiner Großmutter.

Während mein Vater in allen möglichen und unmöglichen Berufen versuchte, Geld zu verdienen, was mit der Übernahme einer Briefmarkenhandlung mehr schlecht als recht dann gelang, bekam ich von all dem nichts mit. Meine Mutter schaffte es immer, mir Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, leider waren meine Großmütter, die mich über alles liebten … auch ich war begeistert von beiden – eine wahre Plage für sie. Und das, solange beide lebten – einundzwanzig Jahre die eine, vierundzwanzig Jahre die andere Großmutter. Die eine ein täglicher Pflegefall – ich kenne sie fast nur im Bett – eine gesunde Frau, die mit allen möglichen Schwächen ihre Umwelt tyrannisierte, die andere war der Meinung, dass eine Ungarin nicht für ihren erstgeborenen Sohn gut genug ist.
Meine Mutter hat oft geweint. Ich habe getröstet. Mein Vater hatte zornige Auseinandersetzungen mit den Großmüttern.
Bis zum Bau der Mauer waren wir fast jedes Jahr in Innsbruck, München, Essen, Amsterdam – Freunde meines Vaters, meiner Mutter und Familie besuchen. Einige Momente mit meiner Mutter sind bei mir in Erinnerung geblieben aus dieser Zeit. Das Treffen mit ihrer Schulfreundin Irmgard in Essen. Unheimliche, nicht endende Freude bei beiden Frauen und die absolute  Beherrschtheit und Ruhe meiner Mutter, als wir am 12. August im Zug nach Stralsund in den Urlaub wollten, mein Vater in Schönefeld mit anderen Männern aus den Zug geholt und verhaftet wurde. Am 13. stand die Mauer.

Es gab nie Ärger oder eine Bevormundung von meinen Eltern, was die Wahl meines Studiums betraf – gut, mein Vater erklärte mir sehr lustig den Ernst der Lage, als Künstler zu leben, aber das war es schon und die Freude über die endlich bestandene Aufnahmeprüfung war bei beiden groß. Viele Jahre später, ich habe schon als freischaffender Maler und Bildhauer gearbeitet und kam zu Besuch, erzählte meine Mutter von der Nachbarin, die wissen wollte, ob ich  das Studium an der Kunsthochschule abgeschlossen hätte und ob man damit Geld verdienen kann…
„Ich habe ja gesagt, natürlich, und musste lügen … stimmt doch Andi, oder?“

Maria Erzsèbet Zahlaus, geborene Horvàth, geboren in Budapest am 17. Januar 1922 , gestorben in Zwickau am 7. Januar 2006.

Text:  Andreas Zahlaus

24T. – Mutmaßungen über meine Mutter, Tag 5: Kraulquappe

 

Vor drei Jahren brach ich mir in Südtirol, am Fuße der Drei Zinnen, den kleinen Finger der rechten Hand.
Es tat zunächst kaum weh, weshalb ich den Finger erst Monate später, als er mir arg schief vorkam, von einem Arzt begutachten ließ, der mir dann nur noch dazu raten konnte, den krummen Finger einfach krumm zu lassen, sofern er nicht dauerhaft schmerzen würde oder in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschränkt wäre.

Beides schien mir nicht zuzutreffen und so lebe ich seither mit einem kleinen Finger, der mich nicht weiter beeinträchtigt, ein bisschen hexenhaft verbogen ist und damit gut zu meiner Nase passt.

Heuer, im Herbsturlaub in Badgastein, setzte ich mich in einem abgelegenen Raum des Hotels, in dem wir wohnten, an ein altes, ausgeleiertes Klavier. Jahrelang hatte ich kein Klavier mehr angerührt, weil aber die Tür zu dem Raum schallisoliert war, riskierte ich es und versuchte mich an einem Bach-Präludium, zu dem mir die Noten noch einigermaßen im Gedächtnis waren.

Beim Spielen fiel mir plötzlich auf, dass der kleine Finger meiner rechten Hand nicht in die Höhe schnellte, so wie er es früher immer bei bestimmten Tonabfolgen getan hatte.
Das nach dem Bruch schief zusammengewachsene und nun verknorpelte Gelenk verhinderte offenbar, dass er nach oben ausscheren konnte.
In dem Moment, als ich das bemerkte, unterbrach ich mein Klavierspiel und musste an die Mutter denken. Und dass sie jetzt vielleicht endlich zufrieden wäre mit mir.

*****

Als ich die Mutter zum letzten Mal in einer Verfassung traf, in der wir beide noch gesund, gesprächsfähig und gewillt waren, es mal wieder miteinander zu probieren, hatte ich sie auf ihr Drängen hin erstmals zu mir nachhause eingeladen.
Wir hatten einander etliche Jahre nicht mehr gesehen und es kostete mich einige Überwindung, ihr Zutritt zu meiner Wohnung zu gewähren, da ich lange dafür gebraucht hatte, mir – nicht nur äußerlich – einen eigenen Raum zu schaffen.

Es war ein eisiger Winterabend, an dem sie mich besuchte. Sie betrat meine Wohnung, legte ihren Mantel ab, sah sich flüchtig um, äußerte ihr Befremden darüber, wie ich mich eingerichtet hatte und kam dann zu mir in die Küche, wo ich damit beschäftigt war, uns ein Abendessen zuzubereiten. Sie guckte auf den Herd, an dem ich stand, trat neben mich, riss mir kopfschüttelnd den Schneebesen aus der Hand, schlug damit schnell durch die Sauce und sagte: „Ja kannst du das denn immer noch nicht? Du musst das ganz locker machen, schau, so geht das: aus dem Handgelenk heraus, ganz locker, das habe ich dir doch schon so oft gezeigt!“.

Zehn Jahre Distanz lösten sich in nur zehn Sekunden Saucenrühren auf: nichts hatte sich daran geändert, dass nur sie allein wusste, wie es geht und ebenso wusste, dass ich es – was für ein Jammer! – immer noch nicht kapiert hatte.
Kaum, dass ihr Besuch überhaupt begonnen hatte, stand dessen Fazit auch schon fest: Wie gut, dass sie gekommen war.

Nach einem von der üblichen schwer verdaulichen Unterhaltung begleiteten Essen, an dem der Mutter so gut wie nichts schmeckte außer „ihrer“ Sauce, wollte sie sich unbedingt den Rest meiner Wohnung anschauen.
Als sie in einer Nische das E-Piano entdeckte, verlangte sie, dass ich ihr etwas darauf vorspielen solle. Ich hatte keine Lust dazu, wollte sie nicht hinter mir stehend spüren, während ich auf der Beethovenbank säße und in die Tasten griffe – diese Situation war mir schon als Kind zuwider.
Sie aber insistierte so lange, bis ich schließlich nachgab. Ich öffnete den Deckel des Instruments, schaltete es ein, ließ mich auf der Bank nieder, schlug Bachs „Das Wohltemperierte Klavier“ auf und begann, das erste Präludium zu spielen.

Hinter mir die Mutter, vom ersten Takt an falsch mitsummend, mir alsbald ein gnädiges „Na, das geht ja noch!“ in den Nacken schleudernd.
Dann begann sie zu kichern. Es war ihr künstliches Kichern, jenes, bei dem man sofort wusste, dass es eigentlich nichts zu lachen gab, sondern ihm ein Vorwurf, Spott oder Kritik folgen würde.
„Mei, das gibt’s ja nicht“, rief sie kichernd, und fuhr fort: „Dein rechter kleiner Finger hüpft ja immer noch in die Höhe, wie früher! Den konntest du noch nie ruhig auf den Tasten lassen, das lernst du wohl nimmer?“.

Abrupt beendete ich mein Vorspiel, sprang auf, knallte den Deckel des Pianos zu und bald darauf auch die Wohnungstür.

Ich hatte die Mutter hinausgeworfen in die kalte Winternacht, und wenn ich es im Rückblick bedenke, waren all unsere Begegnungen – die wenigen, die es überhaupt noch gab, seit ich sie verletzt und verzweifelt im Alter von 17 verlassen hatte – auf die eine oder andere Weise diesem Muster gefolgt.

*****

Die Mutter war der einzige Mensch in meinem Leben, den ich mehrmals verlassen und hinausgeworfen habe.
Heute glaube ich, das lag daran, dass es umgekehrt ähnlich war. Denn kaum hatte sie mich hinausgeworfen in die Welt, verließ sie mich auch schon. Nicht physisch, sondern emotional. Die kleine Tochter war der Grund für ihr verhindertes Leben und ihre verpassten Chancen, der Klotz an ihrem Bein, das lästige Bindeglied zwischen ihr und dem Mann, der ihr das Leben versaut hatte und mein Vater ist.
Zweimal unternahm sie einen Fluchtversuch, um ihr Glück anderswo zu suchen. Beide Male kehrte sie zu uns zurück, wurde danach noch unglücklicher und flüchtete sich in einen Kosmos, der weitgehend aus Krankheiten bestand.

Als sie vor knapp sechs Jahren starb und ich ein halbes Jahr nach ihrem Tod den Karton öffnete, der mir nach der Auflösung ihrer Wohnung zugeschickt wurde, fand ich darin als ihren „Nachlass“ hauptsächlich Kalender und Fotos.
Ich saß auf dem Boden, neben mir eine Flasche Wein, und blätterte eine Nacht lang durch ein Dutzend billiger Plastikeinsteckalben. Aus den Bildern blickte mich eine Frau an, die mir fremd war und die sich in Posen warf, die aufgesetzt wirkten, aber wahrscheinlich nötig waren, damit sie sich wenigstens für den Augenblick, in dem die Aufnahme entstand, wie eine andere fühlen konnte. Nämlich als die, die sie dachte sein zu können oder vielleicht sogar gewesen wäre, wenn sie nicht meinen Vater, mich und all ihre Krankheiten am Hals gehabt hätte.

Meine Mutter war ein Flüchtlingskind und blieb es ihr Leben lang.
Sie kam nie irgendwo an, wo sie sich wohl und heimisch fühlte. Sie blieb immer das Kind, für das vor lauter Armut und Existenzängsten niemand Zeit hatte, auch dann, als sie längst im Wohlstand lebte.
Sie war in einem Nachkriegsdrama aufgewachsen, in dem sie eine Statistenrolle zu spielen hatte, die niemand sah und würdigte. Und so wurde sie später selbst zum Drama.

In ihrer Mimik brach fast täglich die ganze Welt zusammen, in ihren Worten ebenso. Alle und alles waren zu grausam und zu ungerecht zu ihr, der Fragilen.
Stummes Drama war ihre Alltagsspezialität, lautes Drama hob sie sich für besondere Anlässe auf.
Die Peripetie war die ewig gleiche: ein Geschehen, das sich rasch zusammengebraut hatte, schlug auf seinem Höhepunkt um und führte geradewegs ins Unglück. Das retardierende Moment, eigentlich fester Bestandteil eines jeden Dramas, übersprang sie stets – was die Dramatik zuspitzte, weil dadurch alles noch schneller auf die Katastrophe zuraste.

Es waren ihr Opfergebaren und ihr Hang zum Drama, die mich meine ganze Kindheit hindurch verfolgten und vor denen ich, sobald ich es wagen konnte, alleine loszulaufen, flüchtete.

Ihr Leben lang starb die Mutter ihrem Ende entgegen, das konsequenterweise ein dramatisches, vor allem aber ein todtrauriges war.
Ihr, der immer Flüchtigen, war es gelungen, dass alle von ihr geflohen waren und sie am Schluss einsam und elend einschlief.

*****

Heute, am 5. Dezember, wäre meine Mutter 77 geworden.
Die Hand mit dem gebrochenen kleinen Finger winkt ihr zu – in der Hoffnung, dass sie nach ihrem Tod die Heimat gefunden haben möge, der sie ihr Leben lang vergeblich nachgejagt hatte.

Text und Bilder: Kraulquappe