24T.-Mutmaßungen über das Fremde,Tag9

Als ich die Einladung für einen Text über „Mutmaßungen über das Fremde“ bekam, freute ich mich und wusste gleich, das mir das schwerfallen wird. Mutmaßungen äußere ich, wenn überhaupt, nur in kleinstem Kreis und das Fremde hatte ich für mich noch nicht definiert. Ich bin neugierig auf Menschen. Und Menschen sind mir eigentlich nicht fremd, sie sind anders. Und das interessiert mich. Anders sind auch die, die ich kenne. Lange habe ich also herumgedruckst und mir fiel kein Text ein. Bis ich heute, zum Abschluss meiner vierwöchigen Dienstreise in Stuttgart, am Stuttgarter KUNSTBEZIRK, der Galerie im Gustav- Siegle-Haus, vorbeilief und mir das Transparent “fremd – vertraut” [1] ins Auge fiel. Schade, dass ich es erst jetzt entdeckte, ich hätte die Ausstellung gerne besucht. – Hier meine Mutmaßung: Ich las kürzlich den Satz “Wir lieben, was wir kennen.”, was wir kennen ist uns vertraut. Wie können Menschen, die sich selbst nicht kennen, die sich selbst nicht trauen, die sich selbst nicht lieben, anderen Menschen trauen, ihnen Vertrauen entgegenbringen? Es ist doch logisch, dass Menschen, die sich selbst fremd sind, in anderen Menschen nur das Fremde sehen können!? Dominik Graf schrieb in der DIE ZEIT vom 21.11.2019 “bitte schauen Sie sich Ihre Mitmenschen auf der Straße und deren Verhaltensstörungen mal genauer an”. Solange unzählige Menschen den Kontakt zu sich selbst verloren haben, sich also selbst fremd sind, ja, auch fremdbestimmt sind, werden sie die Fremden und das Fremde als bedrohlich empfinden. Und in dem Maße, in dem sie sich mit sich selbst verbinden, in dem sie mit sich selbst verbunden sind und sich selbst vertrauen können, werden sie sich auch trauen, den Fremden und das Fremde mit neugierigen Augen zu betrachten.

[1]: https://www.stuttgart.de/item/show/408026/1/event/362522?

Gastbeitrag: Red Skies Over Paradise

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