24 T. – Mutmaßungen … Tag 2: Über verlorene Orte

V E R L O R E N

Wie kann etwas verloren gehen, ohne es vorher besessen zu haben?

Bei jeglicher Verortung bleibt der Umstand vorübergehend. Kein Haus, kein Schloss, keine Burg, die nicht bröckeln würden, sobald sie verlassen werden.

Es sind die verlassenen Orte, die verloren gehen.

Wem oder was?

Der Ort ist der Ort, einzig Atlantis ist untergegangen und Shambala noch immer ein Geheimnis.

Wind weht Erde und Sand über verlassene Orte, dringen durch offene Dächer in Säle hinein. Sträucher, Bäume, Wiesen, Blumen wachsen. Manchmal werden sie gefunden.

Rostende, verfallende Fabriken muten verloren an, nutzlos gewordene Wachtürme auch. Im Krieg verlieren Länder Orte, Dörfer und Städte. Es bleiben Orte, Dörfer und Städte; nicht ohne Schäden, nicht ohne Flucht und Verlassenheit.

Als ich einst von einem Berg auf einen anderen zog, verlor ich den bis dahin schönsten Ort, den ich je für eine Weile Zuhause nannte. Der Ort ist noch da. Manchmal besuche ich ihn. Seine Weite, sein Licht, seine großen Himmel haben sich in mir verwurzelt.

Ich habe keine Spuren hinterlassen. Habe ich nicht?

Es kursieren zig Bilder von „Lost places – verlorenen Orten“ in der Welt. Jedes Bild erzählt davon, wie es gewesen sein könnte. Wie einst all diese Gänge und Räume tönten, rochen, welch Licht in ihnen spielte, welche Menschen wie.

Das ist die Faszination.

Das ist der Raum für Mutmaßungen.

Text:
Ulli Gau

12 Gedanken zu „24 T. – Mutmaßungen … Tag 2: Über verlorene Orte

    1. Und wenn er denn selbst keine Wurzeln schlagen kann, dann läasst er Orte sich in sich verwurzeln. Herzlichen Dank, Waldfrau, ich wünsche dir einen schönen Tag. Herzlichst, Ulli

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