24 T. – Mutmaßungen … Tag 19: Über die Ahnen

Mutmaßungen über Ahnen

Das eine ist das Blut, das andere die Seele.

Ich habe eine russische Seele.

Ich habe eine afrikanische Seele.

Ich habe eine Seele.

Sie scheint schon weit gereist zu sein.

Zuerst war die unendliche Weite. Ein kleines, flinkes Pferd und ich auf seinem Rücken jagten über die Tundra. Ein Juchzen, das aufstieg, sich Raum nahm, über die Weite tönte. Ich spürte es als kleines Mädchen. Ich spüre es jetzt.

Das Trommeln der Hufe auf der Erde trug mich über die Jahre hin zu den Trommeln, die einst drei Affen unter der Erde schlugen. Dunkel, tief, geheimnisvoll. Von dort gelangte ich zu den Bühnen, zu den Bands und Ensembles hin zu Rhythmus, Bläsern, Streichern und Gesang. Sie führten mich in die Weite meiner Seele zurück.

Ich tanzte den Tanz ohne Tänzerin.

Feuer brannten hier wie da. Mensch saß drumherum, mit und ohne Lieder, mit und ohne Geschichten, mit anderen oder nicht.

Das eine ist der Baum, das andere die unendlich Vielen, die vor mir gewesen sind. Konkrete Gesichter und Namen, dann nur noch Schemen. Körper, Gesten und Stimmen zu Ungefähren. In der Weite der Jahrtausende geborgen, als alles begann.

Text:
Ulli Gau

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